Präkordiale Schmerzen
Präkordiale Schmerzen bezeichnen Schmerzen, die im Bereich der vorderen Brustwand über dem Herzen wahrgenommen werden, und stellen ein häufiges Symptom dar, dessen zugrunde liegende Ursachen ein außerordentlich breites Spektrum umfassen, das von gänzlich harmlosen, muskuloskelettal bedingten Beschwerden bis zu akut lebensbedrohlichen Erkrankungen des Herzens sowie der umliegenden Organe reicht. Da sich diese sehr unterschiedlichen zugrunde liegenden Ursachen in ihrem Erscheinungsbild mitunter erheblich überschneiden können, stellt die rasche sowie sichere Unterscheidung zwischen einer harmlosen sowie einer potenziell lebensbedrohlichen Ursache eine der wichtigsten sowie anspruchsvollsten Aufgaben der Notfallmedizin dar. Aufgrund dieser diagnostischen Herausforderung sowie der potenziell schwerwiegenden Konsequenzen einer verzögerten Diagnosestellung wird bei jedem Auftreten neuer oder untypischer präkordialer Schmerzen eine unverzügliche ärztliche Abklärung dringend empfohlen.
Ursachen
Präkordiale Schmerzen können durch eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen verursacht werden, wobei zu den akut lebensbedrohlichen Ursachen insbesondere ein Herzinfarkt, eine instabile Angina pectoris, eine Lungenembolie sowie eine Aortendissektion zählen, die allesamt eine unverzügliche notfallmedizinische Behandlung erfordern. Deutlich häufiger, jedoch in aller Regel weniger bedrohlich, sind muskuloskelettal bedingte Ursachen, etwa eine Entzündung der Rippenknorpel-Verbindungen oder eine muskuläre Verspannung, sowie Erkrankungen der Speiseröhre, insbesondere ein saurer Rückfluss aus dem Magen. Auch psychische Ursachen, insbesondere im Rahmen einer Panikstörung oder einer akuten Angstreaktion, können präkordiale Schmerzen verursachen, wobei diese Diagnose stets erst nach sorgfältigem Ausschluss ernstzunehmender körperlicher Ursachen gestellt werden sollte.
Symptome
Präkordiale Schmerzen können sich in ihrer genauen Beschaffenheit sehr unterschiedlich äußern, wobei ein durch eine akute Herzerkrankung verursachter Schmerz typischerweise als drückend, einengend oder brennend beschrieben wird und häufig in den linken Arm, den Unterkiefer oder den Rücken ausstrahlt, während ein muskuloskelettal bedingter Schmerz eher stechend ist und sich durch Bewegung oder Druck auf die betroffene Stelle gezielt reproduzieren lässt. Begleitende Symptome, insbesondere eine ausgeprägte Luftnot, starkes Schwitzen, Übelkeit sowie ein Engegefühl im gesamten Brustkorb, sind wichtige Warnzeichen, die auf eine potenziell lebensbedrohliche zugrunde liegende Ursache hinweisen können. Der zeitliche Zusammenhang der Schmerzen mit körperlicher Belastung, der Nahrungsaufnahme oder bestimmten Körperbewegungen liefert zusätzliche wichtige diagnostische Hinweise.
Diagnostik
Die Diagnostik bei präkordialen Schmerzen beginnt stets mit einer raschen Einschätzung, ob eine akut lebensbedrohliche Ursache vorliegen könnte, wobei ein unverzüglich abgeleitetes Elektrokardiogramm sowie eine Blutuntersuchung bestimmter, bei einer Herzschädigung freigesetzter Marker die wichtigsten ersten diagnostischen Schritte darstellen. Eine sorgfältige Anamnese der genauen Schmerzcharakteristik, begleitender Symptome sowie bekannter Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen unterstützt die weitere diagnostische Einordnung zusätzlich. Je nach klinischem Verdacht können weiterführende Untersuchungen, etwa eine Bildgebung des Brustkorbs, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens oder eine Magenspiegelung, zur genaueren Abklärung der zugrunde liegenden Ursache notwendig werden.
Behandlung
Die Behandlung präkordialer Schmerzen richtet sich ausschließlich nach der identifizierten zugrunde liegenden Ursache, wobei bei Verdacht auf eine akut lebensbedrohliche Herzerkrankung eine unverzügliche notfallmedizinische Behandlung mit dem Ziel einer möglichst raschen Wiederherstellung der Durchblutung des betroffenen Herzabschnitts oberste Priorität besitzt. Bei muskuloskelettal bedingten Ursachen stehen entzündungshemmende sowie schmerzlindernde Medikamente gemeinsam mit einer gezielten körperlichen Schonung im Vordergrund, während bei einer zugrunde liegenden Erkrankung der Speiseröhre säurehemmende Medikamente sowie eine Anpassung der Ernährungsgewohnheiten eingesetzt werden. Bei einer zugrunde liegenden psychischen Ursache steht eine gezielte psychotherapeutische Behandlung im Vordergrund, die jedoch stets erst nach sicherem Ausschluss einer körperlichen Ursache eingeleitet werden sollte.
Verlauf und Prognose
Die Prognose bei präkordialen Schmerzen hängt entscheidend von der zugrunde liegenden Ursache sowie der Geschwindigkeit ab, mit der eine geeignete Behandlung eingeleitet wird, wobei eine rechtzeitig behandelte akute Herzerkrankung heute in vielen Fällen eine deutlich bessere Prognose aufweist als noch vor einigen Jahrzehnten. Muskuloskelettal bedingte sowie die meisten durch Erkrankungen der Speiseröhre verursachten präkordialen Schmerzen weisen dagegen in aller Regel eine gute, unproblematische Prognose auf und bessern sich bei gezielter Behandlung der jeweiligen Ursache zuverlässig. Angesichts der potenziell schwerwiegenden Konsequenzen einer verzögerten Diagnosestellung bei einer tatsächlich vorliegenden akuten Herzerkrankung wird bei jedem neu auftretenden, untypischen präkordialen Schmerz eine unverzügliche ärztliche Abklärung dringend empfohlen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Präkordiale Schmerzen: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum ist die Abklärung präkordialer Schmerzen oft anspruchsvoll?
Weil sich harmlose sowie potenziell lebensbedrohliche Ursachen in ihrem Erscheinungsbild mitunter erheblich überschneiden können.
Welche Begleitsymptome sind besonders alarmierend?
Ausgeprägte Luftnot, starkes Schwitzen, Übelkeit sowie ein Engegefühl im gesamten Brustkorb.
Was sind die wichtigsten ersten diagnostischen Schritte?
Ein unverzüglich abgeleitetes Elektrokardiogramm sowie eine Blutuntersuchung bestimmter Herzmarker.
Wann wird eine psychische Ursache in Betracht gezogen?
Erst nach sicherem Ausschluss einer körperlichen, insbesondere kardialen Ursache.
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