Otitis media adhaesiva
Die Otitis media adhaesiva, auch als klebriges Ohr oder adhäsive Mittelohrentzündung bezeichnet, ist eine chronische Erkrankung des Mittelohrs, bei der es infolge lang anhaltender oder wiederholter Mittelohrentzündungen zu einer dauerhaften Vernarbung sowie Verklebung der Mittelohrschleimhaut mit den umliegenden Strukturen, insbesondere den Gehörknöchelchen, kommt. Diese narbige Verklebung schränkt die für ein normales Hörvermögen notwendige freie Beweglichkeit der Gehörknöchelchenkette sowie des Trommelfells erheblich ein und stellt damit eine bedeutsame Spätfolge chronisch bestehender oder wiederholt auftretender Mittelohrentzündungen dar. Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend über einen längeren Zeitraum und wird von den Betroffenen häufig erst bemerkt, wenn bereits ein deutlicher, dauerhafter Hörverlust eingetreten ist.
Ursachen
Die Otitis media adhaesiva entsteht als Spätfolge lang anhaltender oder wiederholt auftretender Mittelohrentzündungen, bei denen die normale Belüftung des Mittelohrs über die Ohrtrompete über einen längeren Zeitraum gestört ist, wodurch sich in der Mittelohrhöhle ein Unterdruck sowie eine anhaltende Ansammlung von zähflüssigem Sekret bildet. Dieses über lange Zeit bestehende, zähflüssige Sekret führt im Verlauf zu einer fortschreitenden narbigen Umwandlung der Mittelohrschleimhaut, die sich schließlich mit den umliegenden Strukturen, insbesondere den Gehörknöchelchen sowie dem Trommelfell, dauerhaft verklebt. Eine in der Kindheit wiederholt aufgetretene Mittelohrentzündung, insbesondere bei zusätzlich bestehender Funktionsstörung der Ohrtrompete, stellt einen bedeutsamen Risikofaktor für die spätere Entwicklung dieser chronischen Verklebung dar.
Symptome
Das führende Symptom der Otitis media adhaesiva ist ein sich schleichend über Monate bis Jahre entwickelnder, in aller Regel schmerzloser Hörverlust, der durch die zunehmend eingeschränkte Beweglichkeit der verklebten Gehörknöchelchenkette sowie des Trommelfells verursacht wird. Da die Erkrankung überwiegend schmerzlos verläuft und sich der Hörverlust nur langsam entwickelt, wird die Beeinträchtigung von vielen Betroffenen zunächst nicht bewusst wahrgenommen und erst bei einer deutlichen Verschlechterung des Hörvermögens oder bei einer routinemäßigen Hörprüfung festgestellt. Ein Druckgefühl oder ein gelegentliches Völlegefühl im betroffenen Ohr kann bei einem Teil der Betroffenen zusätzlich bestehen, während akute Schmerzen oder ein eitriger Ausfluss, wie sie bei einer akuten Mittelohrentzündung typisch sind, bei der chronischen Verklebung in aller Regel nicht auftreten.
Diagnostik
Die Diagnose der Otitis media adhaesiva wird durch eine mikroskopische Untersuchung des Trommelfells gestellt, bei der sich ein charakteristisches, eingezogenes sowie in seiner Beweglichkeit deutlich eingeschränktes Trommelfell zeigt, das mit den dahinterliegenden Mittelohrstrukturen verklebt erscheint. Eine spezielle Untersuchung der Mittelohrbeweglichkeit mittels Tympanometrie bestätigt die stark eingeschränkte Beweglichkeit des Trommelfells sowie der Gehörknöchelchenkette und liefert wichtige zusätzliche diagnostische Hinweise. Eine Hörprüfung ermittelt das genaue Ausmaß des vorliegenden Hörverlusts, während eine Bildgebung mittels Computertomografie bei ausgeprägten oder unklaren Befunden zur genaueren Beurteilung des Ausmaßes der narbigen Veränderungen im Mittelohr beitragen kann.
Behandlung
Die Behandlung der Otitis media adhaesiva richtet sich nach dem Ausmaß der narbigen Verklebung sowie dem Grad des bestehenden Hörverlusts, wobei bei geringgradigen Veränderungen zunächst eine abwartende Verlaufsbeobachtung mit regelmäßigen Hörprüfungen ausreichend sein kann. Bei einem deutlichen, den Alltag beeinträchtigenden Hörverlust stellt eine operative Behandlung mit dem Ziel, die verklebten Mittelohrstrukturen zu lösen sowie die Beweglichkeit der Gehörknöchelchenkette möglichst wiederherzustellen, die wichtigste Behandlungsoption dar, wobei der Behandlungserfolg maßgeblich vom Ausmaß der bereits eingetretenen narbigen Veränderungen abhängt. In Fällen, in denen eine operative Wiederherstellung des normalen Hörvermögens nicht ausreichend gelingt, kann die Versorgung mit einem Hörgerät zur Kompensation des bestehenden Hörverlusts beitragen.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der Otitis media adhaesiva ist chronisch fortschreitend, wobei sich die narbigen Verklebungen ohne gezielte Behandlung im Laufe der Zeit weiter verstärken und der Hörverlust dadurch tendenziell zunimmt. Eine rechtzeitig eingeleitete operative Behandlung kann bei einem Teil der Betroffenen zu einer deutlichen Verbesserung des Hörvermögens beitragen, wobei bei ausgedehnten, bereits lange bestehenden narbigen Veränderungen eine vollständige Wiederherstellung des ursprünglichen Hörvermögens nicht immer erreicht werden kann. Eine regelmäßige, langfristige Verlaufskontrolle mit wiederholten Hörprüfungen wird empfohlen, um ein mögliches weiteres Fortschreiten der Erkrankung frühzeitig zu erkennen und die Behandlung rechtzeitig anzupassen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Otitis media adhaesiva: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wodurch entsteht die Otitis media adhaesiva?
Als Spätfolge lang anhaltender oder wiederholt auftretender Mittelohrentzündungen mit gestörter Belüftung des Mittelohrs.
Ist die Erkrankung schmerzhaft?
Nein, sie verläuft in aller Regel schmerzlos, das führende Symptom ist ein schleichend fortschreitender Hörverlust.
Wie wird ein deutlicher Hörverlust behandelt?
In erster Linie operativ, mit dem Ziel, die verklebten Mittelohrstrukturen zu lösen.
Was hilft, wenn die Operation den Hörverlust nicht vollständig beheben kann?
Eine Versorgung mit einem Hörgerät zur Kompensation des bestehenden Hörverlusts.
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