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Kinder & Jugendliche

Krämpfe beim Neugeborenen

Krämpfe beim Neugeborenen bezeichnen epileptische Anfälle, die in den ersten vier Lebenswochen auftreten und sich aufgrund der noch unreifen Struktur des kindlichen Gehirns häufig deutlich anders äußern als epileptische Anfälle bei älteren Kindern oder Erwachsenen. Anstelle der klassischen, gut sichtbaren Krampfanfälle zeigen sich bei Neugeborenen häufig subtilere Symptome wie wiederholte Augenbewegungen, Kau- oder Schmatzbewegungen, ein plötzliches Erstarren der Bewegungen oder kurze Atemaussetzer, die für Außenstehende leicht übersehen werden können. Neugeborenenkrämpfe sind fast immer Ausdruck einer zugrunde liegenden, ernstzunehmenden Erkrankung des Gehirns oder Stoffwechsels und erfordern daher stets eine rasche und gründliche Ursachenabklärung, da die zugrunde liegende Erkrankung sowohl für die akute Behandlung als auch für die langfristige Prognose des Kindes entscheidend ist.

Ursachen

Die häufigste Ursache für Krämpfe beim Neugeborenen ist eine Sauerstoffunterversorgung des Gehirns während der Geburt, die zu einer hypoxisch-ischämischen Hirnschädigung führen kann. Auch Hirnblutungen, insbesondere bei frühgeborenen Kindern, sowie angeborene Fehlbildungen des Gehirns können Krämpfe auslösen. Infektionen des zentralen Nervensystems, etwa eine bakterielle Hirnhautentzündung oder eine Virusinfektion des Gehirns, zählen ebenfalls zu den wichtigen Ursachen und erfordern eine rasche Diagnose, da sie unmittelbar behandelt werden müssen. Stoffwechselentgleisungen wie eine ausgeprägte Unterzuckerung, ein Kalzium- oder Magnesiummangel sowie seltene angeborene Stoffwechselerkrankungen können ebenfalls Krämpfe verursachen. Seltener liegt eine genetisch bedingte, früh beginnende Epilepsieform zugrunde, bei der die Anfälle nicht durch eine akute Schädigung, sondern durch eine angeborene Störung der Erregungsregulation im Gehirn entstehen.

Symptome

Neugeborenenkrämpfe unterscheiden sich häufig deutlich von den klassischen, gut erkennbaren Krampfanfällen älterer Kinder. Häufige Erscheinungsformen sind subtile Anfälle mit wiederholten, rhythmischen Augenbewegungen, Blinzeln, Kau- oder Schmatzbewegungen des Mundes, Fahrradfahrbewegungen der Beine oder kurzen, unerklärlichen Atemaussetzern. Klonische Anfälle mit rhythmischem Zucken einer Körperregion sowie tonische Anfälle mit einem plötzlichen Erstarren oder einer ungewöhnlichen Körperhaltung kommen ebenfalls vor. Da diese Symptome leicht mit normalen Bewegungen eines Neugeborenen verwechselt werden können, ist eine aufmerksame Beobachtung durch das medizinische Personal sowie gegebenenfalls eine spezielle apparative Überwachung wichtig, um Anfälle zuverlässig zu erkennen. Begleitend zeigen betroffene Kinder häufig Zeichen der zugrunde liegenden Erkrankung, etwa eine auffällige Trägheit, ein vermindertes Trinkverhalten oder eine instabile Atmung.

Diagnostik

Bei Verdacht auf Neugeborenenkrämpfe wird umgehend ein Elektroenzephalogramm (EEG) durchgeführt, das die elektrische Aktivität des Gehirns aufzeichnet und sowohl offensichtliche als auch subtile, klinisch schwer erkennbare Anfälle sichtbar machen kann; bei anhaltendem Verdacht kann eine kontinuierliche EEG-Überwachung über mehrere Stunden bis Tage notwendig sein. Blutuntersuchungen dienen der raschen Erfassung von Blutzucker-, Kalzium- und Magnesiumwerten sowie weiterer Stoffwechselparameter, um behandelbare Ursachen umgehend zu identifizieren. Eine Bildgebung des Gehirns, meist mittels Magnetresonanztomographie, wird eingesetzt, um strukturelle Ursachen wie Blutungen, Fehlbildungen oder Zeichen einer Sauerstoffunterversorgung darzustellen. Bei Verdacht auf eine Infektion des zentralen Nervensystems wird eine Untersuchung des Nervenwassers durchgeführt, um Erreger nachzuweisen oder auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich in erster Linie nach der zugrunde liegenden Ursache: Eine Unterzuckerung oder ein Elektrolytmangel wird gezielt ausgeglichen, eine Infektion des zentralen Nervensystems wird umgehend mit geeigneten Antibiotika oder antiviralen Medikamenten behandelt. Zur direkten Unterdrückung der Krampfanfälle kommen spezielle, für Neugeborene geeignete antiepileptische Medikamente zum Einsatz, deren Dosierung sorgfältig an das geringe Körpergewicht und die noch unreife Leber- und Nierenfunktion des Kindes angepasst wird. Bei einer hypoxisch-ischämischen Hirnschädigung kann eine kontrollierte therapeutische Kühlung des Kindes in den ersten Lebensstunden eingesetzt werden, um das Ausmaß der Hirnschädigung zu begrenzen. Die Behandlung erfolgt stets auf einer neonatologischen Intensivstation mit engmaschiger Überwachung von Atmung, Kreislauf und neurologischem Zustand des Kindes.

Verlauf und Prognose

Die Prognose von Neugeborenenkrämpfen hängt ganz wesentlich von der zugrunde liegenden Ursache sowie dem Ausmaß einer möglichen Hirnschädigung ab und ist daher sehr unterschiedlich. Krämpfe infolge einer gut behandelbaren, vorübergehenden Stoffwechselstörung wie einer Unterzuckerung haben bei rascher Korrektur meist eine gute Prognose ohne bleibende Folgen. Bei einer ausgeprägten Sauerstoffunterversorgung des Gehirns während der Geburt oder bei schweren strukturellen Fehlbildungen besteht hingegen ein deutlich erhöhtes Risiko für bleibende neurologische Beeinträchtigungen, etwa eine spätere Entwicklungsverzögerung, Bewegungsstörungen oder eine chronische Epilepsie. Eine sorgfältige, langfristige neuropädiatrische Nachsorge ist bei allen Kindern nach durchgemachten Neugeborenenkrämpfen wichtig, um die weitere Entwicklung zu begleiten und bei Bedarf frühzeitig zu fördern.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum sind Krämpfe bei Neugeborenen so schwer zu erkennen?

Weil sie sich aufgrund der noch unreifen Gehirnstruktur oft nicht als klassische Zuckungen zeigen, sondern subtiler, etwa als wiederholte Augenbewegungen, Kaubewegungen oder kurze Atemaussetzer, die leicht mit normalen Bewegungen verwechselt werden können.

Was ist die häufigste Ursache für Neugeborenenkrämpfe?

Eine Sauerstoffunterversorgung des Gehirns während der Geburt zählt zu den häufigsten Ursachen, gefolgt von Hirnblutungen, Infektionen des zentralen Nervensystems und Stoffwechselentgleisungen.

Warum wird bei Verdacht auf Neugeborenenkrämpfe ein EEG durchgeführt?

Weil ein EEG die elektrische Aktivität des Gehirns aufzeichnet und auch subtile, klinisch schwer erkennbare Anfälle sichtbar machen kann, die bei bloßer Beobachtung leicht übersehen würden.

Bleiben nach Neugeborenenkrämpfen immer Schäden zurück?

Nicht zwingend, die Prognose hängt stark von der zugrunde liegenden Ursache ab. Bei gut behandelbaren, vorübergehenden Ursachen ist die Prognose meist gut, während schwerere Hirnschädigungen das Risiko bleibender Beeinträchtigungen erhöhen.

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