Entzündung und Verschluss der Tuba auditiva
Die Tuba auditiva, auch Ohrtrompete oder Eustachische Röhre genannt, verbindet das Mittelohr mit dem oberen Rachenraum und sorgt normalerweise dafür, dass der Luftdruck im Mittelohr an den äußeren Luftdruck angeglichen wird, etwa beim Schlucken oder Gähnen. Eine Entzündung oder ein Verschluss dieser Röhre stört diesen Druckausgleich, was zu einem Unterdruck im Mittelohr, einem Druck- oder Völlegefühl im Ohr sowie einer gedämpften Hörwahrnehmung führen kann. Da die Tuba auditiva bei Kindern anatomisch kürzer und horizontaler verläuft als bei Erwachsenen, sind Kinder besonders häufig von einer Funktionsstörung dieser Struktur betroffen, was auch die höhere Häufigkeit von Mittelohrentzündungen im Kindesalter mit erklärt. Eine anhaltende Funktionsstörung der Tube kann zudem die Entstehung eines chronischen Paukenergusses begünstigen, bei dem sich Flüssigkeit im Mittelohr ansammelt.
Ursachen
Die häufigste Ursache einer Tubenfunktionsstörung ist eine Schwellung der Schleimhaut im Bereich der Tubenmündung im Rachenraum, wie sie im Rahmen eines grippalen Infekts, einer allergischen Rhinitis oder einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung auftreten kann. Bei Kindern trägt zudem häufig eine Vergrößerung der Rachenmandeln, umgangssprachlich Polypen genannt, zu einer mechanischen Verlegung der Tubenmündung bei, was die im Kindesalter erhöhte Anfälligkeit für Tubenfunktionsstörungen zusätzlich erklärt. Starke und rasche Luftdruckveränderungen, etwa bei einem Flug oder beim Tauchen, können eine akute, vorübergehende Tubenfunktionsstörung mit Druckschmerz auslösen, wenn der Druckausgleich nicht ausreichend gelingt. Seltener liegt eine dauerhafte, chronische Funktionsstörung vor, die durch eine anatomische Besonderheit der Tube, eine chronische Entzündung des Nasenrachenraums oder, bei Erwachsenen, eine Raumforderung in diesem Bereich verursacht wird.
Symptome
Ein typisches Symptom ist ein Druck- oder Völlegefühl im betroffenen Ohr, häufig begleitet von einer gedämpften, wie durch Watte wahrgenommenen Hörminderung, da der gestörte Druckausgleich die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells beeinträchtigt. Manche Betroffene berichten zusätzlich über ein Knacken oder Knistern im Ohr, insbesondere beim Schlucken oder bei Kieferbewegungen, sowie über gelegentliche, ziehende Schmerzen. Bei einer akuten, druckbedingten Tubenfunktionsstörung, etwa während eines Fluges, können die Beschwerden plötzlich und deutlich schmerzhaft auftreten. Bei Kindern kann eine anhaltende Tubenfunktionsstörung zu einer weniger auffälligen, aber dennoch bedeutsamen Hörminderung führen, die sich in einer verzögerten Sprachentwicklung oder auffälligem, unaufmerksamem Verhalten äußern kann, da die Kinder Geräusche und Sprache gedämpfter wahrnehmen.
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich auf eine otoskopische Untersuchung des Trommelfells, das bei einer Tubenfunktionsstörung häufig eingezogen oder in seiner Beweglichkeit eingeschränkt erscheint. Eine Tympanometrie, bei der die Beweglichkeit des Trommelfells unter verschiedenen Druckbedingungen gemessen wird, liefert objektive Hinweise auf einen bestehenden Unterdruck im Mittelohr sowie eine mögliche Flüssigkeitsansammlung. Eine Hörprüfung erfasst das Ausmaß einer möglichen Hörminderung. Bei Kindern mit häufig wiederkehrenden Tubenfunktionsstörungen wird zudem gezielt nach einer Vergrößerung der Rachenmandeln gesucht, gegebenenfalls mittels einer endoskopischen Untersuchung des Nasenrachenraums. Bei chronischen, therapieresistenten Beschwerden bei Erwachsenen wird eine sorgfältige Untersuchung des Nasenrachenraums durchgeführt, um seltene, aber ernstere Ursachen wie eine Raumforderung auszuschließen.
Behandlung
Bei einer akuten, infektbedingten Tubenfunktionsstörung stehen abschwellende Nasentropfen oder -sprays im Vordergrund, die die Schleimhautschwellung im Bereich der Tubenmündung reduzieren und den Druckausgleich erleichtern sollen; sie sollten jedoch nur über einen begrenzten Zeitraum angewendet werden, um eine Gewöhnung der Schleimhaut zu vermeiden. Bewusstes Schlucken, Gähnen oder gezielte Druckausgleichsmanöver können unterstützend helfen, die Tube wieder zu öffnen. Bei Kindern mit wiederkehrenden, durch vergrößerte Rachenmandeln bedingten Tubenfunktionsstörungen kann eine operative Entfernung der Rachenmandeln in Betracht gezogen werden, insbesondere wenn zusätzlich häufige Mittelohrentzündungen oder eine relevante Hörminderung bestehen. Bei einem anhaltenden Paukenerguss mit deutlicher Hörbeeinträchtigung kann das Einsetzen kleiner Röhrchen (Paukenröhrchen) in das Trommelfell erwogen werden, die den Druckausgleich vorübergehend auf künstlichem Weg sicherstellen.
Verlauf und Prognose
Akute, infektbedingte Tubenfunktionsstörungen bilden sich in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage bis Wochen zusammen mit dem zugrunde liegenden Infekt von selbst zurück, ohne bleibende Folgen zu hinterlassen. Bei Kindern mit wiederkehrenden Episoden, insbesondere im Zusammenhang mit vergrößerten Rachenmandeln, kann sich das Problem mit zunehmendem Alter durch das natürliche Wachstum und die anatomische Reifung der Tube häufig von selbst bessern, wobei bei ausgeprägten oder anhaltenden Beschwerden eine gezielte Behandlung sinnvoll ist, um Auswirkungen auf die Sprachentwicklung zu vermeiden. Unbehandelt kann eine anhaltende Tubenfunktionsstörung zu wiederkehrenden Mittelohrentzündungen oder einem chronischen Paukenerguss mit dauerhafter Hörminderung führen, weshalb eine rechtzeitige Abklärung und Behandlung bei anhaltenden Beschwerden empfohlen wird.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Entzündung und Verschluss der Tuba auditiva: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum sind Kinder häufiger von einer Tubenfunktionsstörung betroffen als Erwachsene?
Weil die Tuba auditiva bei Kindern anatomisch kürzer und horizontaler verläuft, was den Druckausgleich erschwert und die Anfälligkeit für Funktionsstörungen sowie Mittelohrentzündungen erhöht.
Was hilft bei einer Tubenfunktionsstörung während eines Fluges?
Bewusstes Schlucken, Gähnen oder gezielte Druckausgleichsmanöver können helfen, die Tube zu öffnen und den Druck im Mittelohr auszugleichen, was die Beschwerden lindern kann.
Warum wird bei Kindern manchmal eine Entfernung der Rachenmandeln empfohlen?
Weil vergrößerte Rachenmandeln die Mündung der Tuba auditiva mechanisch verlegen können, was wiederkehrende Tubenfunktionsstörungen und Mittelohrentzündungen begünstigt.
Kann eine unbehandelte Tubenfunktionsstörung das Gehör dauerhaft beeinträchtigen?
Bei anhaltender Störung kann sich ein chronischer Paukenerguss mit dauerhafter Hörminderung entwickeln, weshalb bei anhaltenden Beschwerden eine ärztliche Abklärung und gegebenenfalls Behandlung sinnvoll ist.
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