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Nervensystem & Gehirn

Epilepsie

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen und ist gekennzeichnet durch eine anhaltende Neigung zu wiederkehrenden, unprovozierten epileptischen Anfällen. Ein Anfall entsteht durch eine plötzliche, vorübergehende, übermäßige elektrische Aktivität von Nervenzellen im Gehirn. Die Erscheinungsform reicht von kurzen Bewusstseinsaussetzern bis zu ausgeprägten Krampfanfällen mit Sturz und Zuckungen des ganzen Körpers, abhängig davon, welche Hirnregionen betroffen sind.

Ursachen

Bei einem großen Teil der Betroffenen bleibt die Ursache trotz umfassender Diagnostik unbekannt (idiopathische oder genetische Epilepsie). Erkennbare Ursachen sind unter anderem Hirnschäden durch einen Schlaganfall, eine Kopfverletzung, eine Hirnhaut- oder Gehirnentzündung, Fehlbildungen der Hirnstruktur, Tumoren oder Sauerstoffmangel bei der Geburt. Fieberkrämpfe im Kindesalter erhöhen bei einem Teil der Kinder das spätere Epilepsierisiko, führen aber bei den meisten nicht zu einer bleibenden Epilepsie.

Symptome

Fokale Anfälle gehen von einer umschriebenen Hirnregion aus und können je nach betroffenem Areal Zuckungen einzelner Körperteile, ungewöhnliche Empfindungen, kurze Bewusstseinsveränderungen oder automatisierte Bewegungen verursachen. Generalisierte Anfälle betreffen von Beginn an beide Hirnhälften und reichen von kurzen Absencen mit Bewusstseinsaussetzern bis zu tonisch-klonischen Anfällen mit Sturz, Versteifung und rhythmischen Zuckungen des gesamten Körpers. Nach einem größeren Anfall folgt häufig eine Phase der Erschöpfung und Verwirrtheit.

Diagnostik

Eine ausführliche Schilderung des Anfallsablaufs, idealerweise durch Beobachtende, liefert wichtige diagnostische Hinweise. Ein Elektroenzephalogramm (EEG) kann die für Epilepsie typischen elektrischen Veränderungen des Gehirns nachweisen, ein unauffälliges EEG schließt eine Epilepsie jedoch nicht sicher aus. Eine Magnetresonanztomografie des Gehirns sucht nach strukturellen Ursachen wie Narben, Fehlbildungen oder Tumoren, die dem Anfallsgeschehen zugrunde liegen könnten.

Behandlung

Die meisten Menschen mit Epilepsie werden mit Antiepileptika behandelt, die die Erregbarkeit der Nervenzellen dämpfen und bei einem großen Teil der Betroffenen zu vollständiger Anfallsfreiheit führen. Die Wahl des Medikaments richtet sich nach Anfallsart, Begleiterkrankungen und individuellen Faktoren. Bei anhaltenden Anfällen trotz mehrerer ausreichend dosierter Medikamente (therapieresistente Epilepsie) kann bei nachweisbarem, umschriebenem Herd eine operative Entfernung des betroffenen Hirngewebes infrage kommen, ebenso wie eine elektrische Stimulation bestimmter Nervenbahnen.

Verlauf und Prognose

Bei einem großen Teil der Betroffenen führt die medikamentöse Behandlung zu dauerhafter Anfallsfreiheit, sodass nach mehreren anfallsfreien Jahren unter ärztlicher Begleitung ein vorsichtiges Absetzen der Medikamente erwogen werden kann. Ein kleinerer Teil entwickelt eine schwerer behandelbare, therapieresistente Epilepsie, die eine intensivere, spezialisierte Betreuung erfordert. Ein anhaltender epileptischer Anfall, der nicht von selbst endet (Status epilepticus), ist ein medizinischer Notfall und muss umgehend behandelt werden.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Ist jeder einzelne Anfall bereits eine Epilepsie?

Nein, ein einzelner, provozierter Anfall, etwa durch hohes Fieber oder Alkoholentzug, gilt nicht automatisch als Epilepsie, die eine anhaltende Neigung zu wiederkehrenden, unprovozierten Anfällen beschreibt.

Kann man mit Epilepsie ein normales Leben führen?

Ja, bei guter medikamentöser Einstellung erreichen viele Betroffene dauerhafte Anfallsfreiheit und können die meisten Alltagsaktivitäten uneingeschränkt ausüben, wobei bestimmte Einschränkungen etwa bei der Fahrtauglichkeit gelten können.

Was sollte man bei einem beobachteten Krampfanfall tun?

Die Person vor Verletzungen schützen, nach Möglichkeit in stabile Seitenlage bringen, den Anfall zeitlich dokumentieren und bei einer Dauer über fünf Minuten oder wiederholten Anfällen ohne Erwachen den Rettungsdienst rufen.

Ist Epilepsie eine psychische Erkrankung?

Nein, es handelt sich um eine neurologische Erkrankung mit einer nachweisbaren elektrischen Funktionsstörung des Gehirns, auch wenn manche Anfallsformen früher fälschlich anders gedeutet wurden.

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