Nebenhodenentzündung
Die Nebenhodenentzündung (Epididymitis) ist eine meist bakteriell bedingte Entzündung des Nebenhodens, der Spermien speichert und zur Reifung bringt. Sie zählt zu den häufigsten Ursachen einer schmerzhaften Hodensackschwellung bei erwachsenen Männern. Eine rasche Unterscheidung von der ebenfalls akut schmerzhaften, aber deutlich gefährlicheren Hodentorsion ist entscheidend, da beide Erkrankungen unterschiedlich behandelt werden.
Ursachen
Bei jüngeren, sexuell aktiven Männern sind sexuell übertragbare Erreger wie Chlamydien und Gonokokken häufige Auslöser. Bei älteren Männern und Kindern sind es meist Darmbakterien, die über die Harnwege aufsteigen, häufig im Zusammenhang mit einer gutartigen Prostatavergrößerung, einem Harnwegsinfekt oder nach einem Eingriff wie einer Blasenkatheterisierung. Seltener entsteht eine Nebenhodenentzündung ohne bakterielle Beteiligung, etwa durch Rückfluss von Urin in die Samenwege bei starkem Pressen.
Symptome
Typisch ist ein allmählich, über Stunden bis Tage zunehmender, meist einseitiger Schmerz und eine Schwellung im Bereich des Nebenhodens, oft begleitet von Rötung und Überwärmung der betroffenen Hodensackseite. Häufig bestehen zusätzlich Beschwerden eines Harnwegsinfekts wie Brennen beim Wasserlassen. Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl können hinzukommen. Die allmähliche Entwicklung der Beschwerden unterscheidet die Nebenhodenentzündung von der plötzlich einsetzenden Hodentorsion.
Diagnostik
Die körperliche Untersuchung mit Prehn-Zeichen (Schmerzlinderung beim Anheben des Hodensacks, typisch für Entzündung, nicht für Torsion) liefert erste Hinweise, ist jedoch nicht immer eindeutig. Eine Doppler-Ultraschalluntersuchung zeigt eine verstärkte Durchblutung bei Entzündung im Gegensatz zur fehlenden Durchblutung bei einer Torsion und ist die entscheidende Untersuchung zur sicheren Unterscheidung. Ein Urintest und, bei Verdacht auf sexuell übertragbare Erreger, ein entsprechender Abstrich identifizieren den auslösenden Erreger.
Behandlung
Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, deren Auswahl sich nach dem vermuteten Erreger richtet — bei Verdacht auf sexuell übertragbare Erreger wird meist eine Kombination verschiedener Wirkstoffe eingesetzt, bei älteren Männern mit Harnwegsinfekt ein anderes Antibiotikaschema. Unterstützend helfen Bettruhe, Hochlagerung des Hodensacks und entzündungshemmende Schmerzmittel, die Beschwerden zu lindern. Bei sexuell übertragbaren Erregern sollte auch der Partner beziehungsweise die Partnerin mitbehandelt werden, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden.
Verlauf und Prognose
Mit rechtzeitiger antibiotischer Behandlung klingen die Beschwerden meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab, eine gewisse Schwellung kann jedoch noch länger bestehen bleiben. Unbehandelt oder bei verzögerter Behandlung kann sich ein Abszess bilden oder die Entzündung chronisch werden, in seltenen Fällen mit bleibender Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit. Bei jeder akuten Hodensackschwellung sollte umgehend ärztlicher Rat gesucht werden, um eine Hodentorsion sicher auszuschließen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Nebenhodenentzündung: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet man eine Nebenhodenentzündung von einer Hodentorsion?
Die Nebenhodenentzündung entwickelt sich meist allmählich über Stunden bis Tage, während eine Hodentorsion typischerweise plötzlich und sehr heftig einsetzt — im Zweifel entscheidet eine Doppler-Ultraschalluntersuchung.
Ist eine Nebenhodenentzündung ansteckend?
Wenn sie durch sexuell übertragbare Erreger verursacht wird, kann sie auf Sexualpartner übertragen werden, weshalb eine Mitbehandlung wichtig ist.
Kann eine Nebenhodenentzündung unfruchtbar machen?
Bei unbehandelter oder wiederholter Entzündung besteht ein gewisses Risiko für eine bleibende Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit, weshalb eine frühzeitige Behandlung wichtig ist.
Muss man bei Verdacht sofort in die Notaufnahme?
Bei plötzlich einsetzenden, sehr starken Hodenschmerzen ja, um eine Hodentorsion, die innerhalb weniger Stunden behandelt werden muss, sicher auszuschließen.
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