Andere Angststörungen
Unter dem Begriff andere Angststörungen werden Angsterkrankungen zusammengefasst, die sich nicht auf eine bestimmte, klar abgrenzbare Situation oder ein bestimmtes Objekt beschränken, wie es etwa bei einer spezifischen Phobie der Fall ist, sondern die entweder generalisiert und anhaltend auftreten oder sich in Form plötzlicher, unerwarteter Angstattacken zeigen. Die bekanntesten Formen sind die generalisierte Angststörung, bei der Betroffene über Monate hinweg unter einer diffusen, schwer kontrollierbaren Sorge über verschiedenste Lebensbereiche leiden, sowie die Panikstörung, bei der wiederholt plötzliche, intensive Angstattacken mit ausgeprägten körperlichen Symptomen auftreten, ohne dass ein erkennbarer äußerer Auslöser vorliegt. Beide Formen können den Alltag der Betroffenen erheblich einschränken und gehen häufig mit einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten sowie einer starken gedanklichen Beschäftigung mit möglichen Gefahren einher.
Ursachen
Die Entstehung dieser Angststörungen wird als Ergebnis eines Zusammenspiels genetischer, biologischer und psychosozialer Faktoren verstanden. Eine familiäre Veranlagung zu Angsterkrankungen erhöht das Risiko, ebenso wie eine erhöhte Empfindlichkeit bestimmter Hirnregionen und Botenstoffsysteme, die an der Angstverarbeitung beteiligt sind. Belastende Lebenserfahrungen, insbesondere in der Kindheit, etwa ein übermäßig behütender oder unvorhersehbarer Erziehungsstil, können die Entwicklung einer generalisierten Angststörung begünstigen. Bei der Panikstörung wird zusätzlich diskutiert, dass eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber körperlichen Stresssignalen dazu führt, dass harmlose körperliche Empfindungen, etwa ein leicht beschleunigter Herzschlag, fehlinterpretiert und als bedrohlich erlebt werden, was eine sich selbst verstärkende Angstspirale auslösen kann. Chronischer Stress und einschneidende Lebensveränderungen können bei entsprechender Veranlagung als Auslöser für den erstmaligen Beginn der Erkrankung wirken.
Symptome
Die generalisierte Angststörung äußert sich durch eine anhaltende, schwer kontrollierbare Sorge, die sich auf verschiedenste Lebensbereiche wie Gesundheit, Familie, Beruf oder finanzielle Sicherheit bezieht und über Monate hinweg an den meisten Tagen besteht, begleitet von körperlichen Beschwerden wie Muskelverspannung, Unruhe, Schlafstörungen und rascher Ermüdbarkeit. Die Panikstörung zeigt sich hingegen durch wiederkehrende, plötzlich einsetzende Angstattacken, die innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt erreichen und mit intensiven körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Atemnot, Schwitzen, Zittern, Schwindel und einem Gefühl der Unwirklichkeit einhergehen, häufig begleitet von der überwältigenden Angst zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Viele Betroffene entwickeln in der Folge eine ausgeprägte Angst vor weiteren Attacken sowie ein Vermeidungsverhalten gegenüber Situationen, in denen eine Attacke besonders unangenehm oder gefährlich erscheinen würde.
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich auf eine ausführliche Anamnese, die Art, Dauer, Häufigkeit und Auslöser der Angstsymptome erfasst, sowie auf standardisierte diagnostische Kriterien, die eine Mindestdauer und ein bestimmtes Ausmaß der Beschwerden voraussetzen, um die Erkrankung von normaler, situationsangemessener Sorge oder Nervosität abzugrenzen. Eine körperliche Untersuchung sowie Blutuntersuchungen dienen dem Ausschluss körperlicher Ursachen, die ähnliche Symptome verursachen können, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion oder Herzrhythmusstörungen, die insbesondere bei Panikattacken differenzialdiagnostisch bedacht werden müssen. Eine sorgfältige Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen, etwa einer Depression, die häufig gemeinsam mit einer Angststörung auftritt, sowie zu spezifischen Phobien ist wichtiger Bestandteil der Diagnostik, da sich die Behandlungsansätze im Detail unterscheiden können.
Behandlung
Die Behandlung besteht in erster Linie aus einer Kombination von Psychotherapie und, bei ausgeprägten Beschwerden, einer medikamentösen Behandlung. Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als besonders wirksames psychotherapeutisches Verfahren und hilft Betroffenen, ängstigende Gedankenmuster zu erkennen und zu verändern sowie schrittweise wieder vermiedene Situationen aufzusuchen. Bei der Panikstörung kommt zusätzlich häufig eine gezielte Konfrontation mit den körperlichen Angstsymptomen selbst zum Einsatz, um die Angst vor diesen Empfindungen abzubauen. Bestimmte Antidepressiva haben sich sowohl bei der generalisierten Angststörung als auch bei der Panikstörung als wirksam erwiesen und können die psychotherapeutische Behandlung sinnvoll ergänzen, insbesondere bei ausgeprägter oder therapieresistenter Symptomatik. Entspannungsverfahren sowie regelmäßige körperliche Aktivität können die Behandlung zusätzlich unterstützen.
Verlauf und Prognose
Mit einer angemessenen Behandlung erreicht ein erheblicher Teil der Betroffenen eine deutliche Besserung der Symptomatik, wobei der Verlauf ohne Behandlung häufig chronisch mit wechselnder Intensität der Beschwerden verläuft. Unbehandelt neigen beide Störungsformen dazu, sich über die Zeit zu verfestigen und das Vermeidungsverhalten sowie die damit verbundene Einschränkung des Alltags zu verstärken, was die spätere Behandlung erschweren kann. Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn verbessert die Prognose deutlich, und viele Betroffene erreichen mit einer Kombination aus Psychotherapie und, bei Bedarf, medikamentöser Unterstützung eine weitgehende Beschwerdefreiheit oder zumindest eine erhebliche Reduktion der Symptomatik. Ein Wiederauftreten der Beschwerden ist möglich, insbesondere in Zeiten erhöhter Belastung, weshalb erlernte Bewältigungsstrategien aus der Therapie langfristig hilfreich bleiben.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Andere Angststörungen: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen generalisierter Angststörung und Panikstörung?
Die generalisierte Angststörung ist eine anhaltende, diffuse Sorge über verschiedenste Lebensbereiche, während die Panikstörung sich durch plötzliche, intensive Angstattacken mit ausgeprägten körperlichen Symptomen auszeichnet, die ohne erkennbaren äußeren Auslöser auftreten.
Kann eine Panikattacke lebensgefährlich sein?
Nein, auch wenn die körperlichen Symptome wie Herzrasen und Atemnot sehr bedrohlich erlebt werden, ist eine Panikattacke selbst nicht körperlich gefährlich. Dennoch sollten ähnliche Symptome bei Erstauftreten ärztlich abgeklärt werden, um körperliche Ursachen auszuschließen.
Welche Behandlung wirkt am besten bei Angststörungen?
Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als besonders wirksam und wird bei Bedarf durch bestimmte Antidepressiva ergänzt, insbesondere bei ausgeprägter oder therapieresistenter Symptomatik.
Können Angststörungen ohne Behandlung von selbst verschwinden?
Unbehandelt verlaufen sie häufig chronisch mit wechselnder Intensität und neigen dazu, sich über die Zeit zu verfestigen, weshalb eine frühzeitige Behandlung die Prognose deutlich verbessert.
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