Atrioventrikuläre Septumdefekte (AVSD)
Atrioventrikuläre Septumdefekte sind angeborene Herzfehler, bei denen die während der frühen Embryonalentwicklung normalerweise entstehenden Trennwände zwischen den Vorhöfen und den Kammern des Herzens im Bereich der sogenannten Herzkreuzung unvollständig oder gar nicht angelegt sind, wodurch anstelle der normalerweise getrennten Mitral- und Trikuspidalklappe eine gemeinsame, oft undichte Herzklappe zwischen Vorhöfen und Kammern besteht. Diese Fehlbildung reicht in ihrer Ausprägung von einer teilweisen Form mit lediglich einem Defekt der Vorhofscheidewand und einer gespaltenen, aber noch getrennten Mitralklappe bis zu einer vollständigen Form mit einem großen, gemeinsamen Defekt zwischen allen vier Herzhöhlen sowie einer einzigen, gemeinsamen Klappe. Atrioventrikuläre Septumdefekte zählen zu den häufigsten angeborenen Herzfehlern bei Kindern mit Down-Syndrom, treten jedoch auch bei Kindern ohne Chromosomenstörung auf.
Ursachen
Atrioventrikuläre Septumdefekte entstehen durch eine gestörte Entwicklung der sogenannten Endokardkissen während der frühen embryonalen Herzentwicklung, aus denen normalerweise sowohl die untere Vorhofscheidewand, der obere Anteil der Kammerscheidewand als auch die beiden getrennten Segelklappen zwischen Vorhöfen und Kammern hervorgehen. Die Erkrankung ist eng mit dem Down-Syndrom assoziiert, bei dem ein erheblicher Teil der betroffenen Kinder einen atrioventrikulären Septumdefekt aufweist, was auf einen gemeinsamen zugrunde liegenden genetischen Entwicklungsmechanismus hindeutet. Bei Kindern ohne Chromosomenstörung tritt die Fehlbildung deutlich seltener auf, wobei auch hier in einem Teil der Fälle familiäre Häufungen sowie bestimmte genetische Veränderungen als ursächlich diskutiert werden. Eine mütterliche Diabeteserkrankung während der Schwangerschaft wird ebenfalls als ein die Entstehung begünstigender Faktor angesehen.
Symptome
Die Symptome eines atrioventrikulären Septumdefekts hängen wesentlich vom Ausmaß der Fehlbildung ab. Bei der vollständigen Form mit einem großen Defekt sowie einer stark undichten gemeinsamen Herzklappe entwickelt sich bereits in den ersten Lebenswochen eine ausgeprägte Herzinsuffizienz mit Trinkschwäche, verstärktem Schwitzen beim Trinken, beschleunigter Atmung sowie unzureichender Gewichtszunahme, da das Herz durch den erheblichen Blutrückfluss über die undichte Klappe sowie den Shunt zwischen den Herzhöhlen deutlich überlastet wird. Bei der teilweisen Form mit kleinerem Defekt können die Beschwerden deutlich milder ausfallen und sich erst im späteren Kindes- oder sogar Erwachsenenalter durch eine langsam fortschreitende Belastungsluftnot bemerkbar machen. Ein bei der körperlichen Untersuchung hörbares Herzgeräusch ist bei den meisten Betroffenen bereits früh nachweisbar und führt häufig zur weiterführenden Diagnostik.
Diagnostik
Die Diagnose eines atrioventrikulären Septumdefekts wird durch eine Echokardiographie, also eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, gestellt, in der sich der Defekt zwischen den Herzhöhlen sowie die veränderte Anatomie der gemeinsamen oder gespaltenen Herzklappe direkt darstellen lassen. Diese Untersuchung ermöglicht zudem eine genaue Beurteilung des Ausmaßes der Undichtigkeit der Klappe sowie der Größe des Shuntflusses zwischen den Herzhöhlen, was für die Behandlungsplanung von zentraler Bedeutung ist. Aufgrund der engen Assoziation mit dem Down-Syndrom wird bei jedem Neugeborenen mit dieser Chromosomenstörung eine routinemäßige echokardiographische Untersuchung des Herzens empfohlen, um einen möglicherweise vorliegenden atrioventrikulären Septumdefekt frühzeitig zu erkennen. Ein Elektrokardiogramm sowie in speziellen Fällen eine Magnetresonanztomographie des Herzens können die Diagnostik ergänzen.
Behandlung
Die Behandlung des atrioventrikulären Septumdefekts erfolgt in aller Regel operativ, wobei der genaue Zeitpunkt der Operation vom Ausmaß der Fehlbildung sowie der klinischen Symptomatik abhängt. Bei der vollständigen Form mit ausgeprägter Herzinsuffizienz wird die Operation meist bereits innerhalb der ersten Lebensmonate durchgeführt, um eine fortschreitende Schädigung der Lungengefäße durch den erhöhten Blutfluss zu verhindern, während bei der teilweisen Form mit geringerer Symptomatik die Operation mitunter erst im späteren Kindesalter erfolgt. Im Rahmen der Operation wird der Defekt zwischen den Herzhöhlen mit einem speziellen Flicken verschlossen und die gemeinsame oder gespaltene Herzklappe wird chirurgisch rekonstruiert, um eine möglichst gute Funktion mit geringer Undichtigkeit zu erreichen. Bis zum Zeitpunkt der Operation wird eine bestehende Herzinsuffizienz medikamentös behandelt, um die Beschwerden zu lindern und die Gewichtsentwicklung zu unterstützen.
Verlauf und Prognose
Die Prognose nach erfolgreicher operativer Korrektur eines atrioventrikulären Septumdefekts ist bei den meisten betroffenen Kindern gut, wobei sich die Herzfunktion sowie die körperliche Entwicklung nach dem Eingriff in der Regel deutlich verbessern. Ein Teil der Betroffenen behält jedoch eine gewisse Undichtigkeit der rekonstruierten Herzklappe, die im weiteren Leben eine erneute operative Korrektur notwendig machen kann, weshalb eine lebenslange kardiologische Nachsorge für alle Betroffenen empfohlen wird. Bei Kindern mit begleitendem Down-Syndrom wird der Gesamtverlauf zusätzlich durch die übrigen mit dieser Chromosomenstörung verbundenen gesundheitlichen Aspekte mitbestimmt. Ohne operative Behandlung entwickelt sich bei der vollständigen Form in aller Regel eine fortschreitende, irreversible Schädigung der Lungengefäße, weshalb eine rechtzeitige operative Versorgung von großer Bedeutung ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Atrioventrikuläre Septumdefekte (AVSD): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum sind atrioventrikuläre Septumdefekte häufig mit dem Down-Syndrom assoziiert?
Beide beruhen auf einer gestörten Entwicklung derselben embryonalen Strukturen, der sogenannten Endokardkissen, was auf einen gemeinsamen zugrunde liegenden Entwicklungsmechanismus hindeutet.
Was unterscheidet die teilweise von der vollständigen Form?
Bei der teilweisen Form besteht meist nur ein Defekt der Vorhofscheidewand mit gespaltener, aber getrennter Mitralklappe, bei der vollständigen Form ein großer Defekt zwischen allen vier Herzhöhlen mit einer einzigen, gemeinsamen Klappe.
Wann wird die Operation durchgeführt?
Bei der vollständigen Form meist bereits innerhalb der ersten Lebensmonate, bei der teilweisen Form mit geringerer Symptomatik mitunter erst im späteren Kindesalter.
Bleiben nach der Operation Beschwerden zurück?
Bei einem Teil der Betroffenen bleibt eine gewisse Undichtigkeit der rekonstruierten Herzklappe bestehen, die eine lebenslange kardiologische Nachsorge erfordert.
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