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Haut & Hautkrankheiten

Ulcus cruris (Unterschenkelgeschwür)

Das Ulcus cruris, im Deutschen als Unterschenkelgeschwür bezeichnet, ist eine chronische, tiefer reichende Wunde im Bereich des Unterschenkels, die trotz üblicher Wundversorgung über Wochen bis Monate nicht abheilt. Ursächlich liegt in den allermeisten Fällen eine gestörte Durchblutung des betroffenen Gebietes zugrunde, entweder durch eine Erkrankung der Venen, bei der das Blut nicht mehr ausreichend zum Herzen zurücktransportiert wird, oder, seltener, durch eine Erkrankung der Arterien mit unzureichender Blutzufuhr zum Gewebe. Da sich beide Ursachen in Behandlung und Prognose deutlich unterscheiden, ist eine sorgfältige Abklärung der zugrunde liegenden Durchblutungsstörung entscheidend für den Erfolg der Behandlung eines Unterschenkelgeschwürs.

Ursachen

Die mit Abstand häufigste Ursache eines Ulcus cruris ist eine chronische venöse Insuffizienz, bei der die Venenklappen der Beinvenen nicht mehr ausreichend funktionieren und sich Blut im Gewebe staut, was zu einer zunehmenden Schädigung der Haut und schließlich zu einem offenen Geschwür führen kann. Seltener liegt einem Unterschenkelgeschwür eine periphere arterielle Verschlusskrankheit zugrunde, bei der eine unzureichende arterielle Durchblutung das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Bei manchen Betroffenen liegt eine Kombination aus beiden Durchblutungsstörungen vor. Auch ein unzureichend eingestellter Diabetes mellitus kann durch die damit verbundene Gefäß- und Nervenschädigung die Entstehung eines chronischen Unterschenkelgeschwürs begünstigen. Übergewicht, langes Stehen sowie eine familiäre Veranlagung zu Venenerkrankungen erhöhen das Risiko zusätzlich.

Symptome

Ein Ulcus cruris zeigt sich als eine oft unregelmäßig begrenzte, tiefer reichende Wunde am Unterschenkel, die typischerweise im Bereich des Innenknöchels bei venöser Ursache oder eher an druckexponierten Stellen bei arterieller Ursache auftritt. Die Wunde heilt trotz üblicher Wundversorgung über Wochen bis Monate nicht ab und kann sich bei fortbestehender Durchblutungsstörung sogar vergrößern. Bei venöser Ursache bestehen häufig begleitend geschwollene Beine, sichtbare Krampfadern sowie bräunliche Hautverfärbungen im Bereich des Unterschenkels. Bei arterieller Ursache ist die Wunde oft besonders schmerzhaft, und die umgebende Haut kann blass und kühl erscheinen. Ein unangenehmer Geruch sowie ein vermehrter Wundausfluss können auf eine zusätzliche bakterielle Besiedelung der Wunde hinweisen.

Diagnostik

Die Diagnose eines Ulcus cruris wird durch eine körperliche Untersuchung sowie durch eine Ultraschalluntersuchung der Venen und, bei Verdacht auf eine arterielle Beteiligung, der Arterien gestellt, die das Ausmaß und die Lokalisation der zugrunde liegenden Durchblutungsstörung zeigen. Eine Messung des Verhältnisses von Blutdruck am Knöchel zum Blutdruck am Arm gibt wichtige Hinweise auf eine mögliche arterielle Minderdurchblutung, die für die weitere Behandlungsplanung von entscheidender Bedeutung ist, da bestimmte venöse Behandlungsmaßnahmen bei ausgeprägter arterieller Durchblutungsstörung vermieden werden müssen. Bei Verdacht auf eine bakterielle Besiedelung wird ein Wundabstrich zur mikrobiologischen Untersuchung entnommen. Bei unklarer oder therapieresistenter Wunde kann eine Gewebeprobe notwendig werden, um andere, seltenere Ursachen auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung eines Ulcus cruris richtet sich vollständig nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei venöser Ursache steht eine konsequente Kompressionstherapie mittels Verbänden oder speziellen Strümpfen im Vordergrund, die den venösen Rückfluss unterstützt und die Wundheilung fördert. Eine sorgfältige, regelmäßige Wundversorgung mit Reinigung und einem der Wundphase angepassten Verband ist bei allen Formen wichtig. Bei arterieller Ursache steht zunächst die Verbesserung der Durchblutung im Vordergrund, häufig durch eine gefäßchirurgische oder kathetergestützte Wiedereröffnung verengter Arterien, da eine Kompressionstherapie in diesem Fall kontraindiziert sein kann. Bei einer bakteriellen Besiedelung der Wunde wird je nach Ausmaß eine lokale oder systemische antibiotische Behandlung eingeleitet. Bei sehr großen, therapieresistenten Wunden kann eine operative Hauttransplantation erwogen werden.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf eines Ulcus cruris ist meist langwierig, wobei die Wundheilung bei konsequenter Behandlung der zugrunde liegenden Durchblutungsstörung oft mehrere Wochen bis Monate in Anspruch nimmt. Bei venöser Ursache und konsequenter, dauerhafter Kompressionstherapie ist die Prognose überwiegend gut, wobei ein erhöhtes Risiko für ein erneutes Auftreten besteht, wenn die Kompressionstherapie nach Abheilung nicht fortgeführt wird. Bei arterieller Ursache hängt die Prognose maßgeblich davon ab, wie erfolgreich die Durchblutung wiederhergestellt werden kann; bei unzureichender Durchblutungsverbesserung besteht ein erhöhtes Risiko für eine fortschreitende Gewebeschädigung bis hin zu einer notwendigen Amputation. Eine konsequente, langfristige Behandlung der zugrunde liegenden Gefäßerkrankung sowie eine sorgfältige Hautpflege sind entscheidend, um ein erneutes Auftreten zu vermeiden.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum ist die genaue Ursachenklärung bei einem Unterschenkelgeschwür so wichtig?

Weil sich die Behandlung von venös und arteriell bedingten Geschwüren grundlegend unterscheidet: Eine Kompressionstherapie, die bei venöser Ursache hilfreich ist, kann bei ausgeprägter arterieller Durchblutungsstörung schädlich sein.

Warum wird bei Verdacht auf eine arterielle Ursache der Blutdruck am Knöchel gemessen?

Weil das Verhältnis des Blutdrucks am Knöchel zum Blutdruck am Arm wichtige Hinweise auf eine mögliche arterielle Minderdurchblutung liefert, die für die sichere Behandlungsplanung entscheidend ist.

Wie lange dauert es, bis ein Ulcus cruris abheilt?

Die Wundheilung nimmt bei konsequenter Behandlung der zugrunde liegenden Durchblutungsstörung häufig mehrere Wochen bis Monate in Anspruch, da es sich um eine chronische, tiefer reichende Wunde handelt.

Warum sollte die Kompressionstherapie nach Abheilung der Wunde fortgeführt werden?

Weil bei venöser Ursache ein erhöhtes Risiko für ein erneutes Auftreten des Geschwürs besteht, wenn die Kompressionstherapie nach der Abheilung nicht dauerhaft fortgesetzt wird.

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