Multisystemisches Entzündungssyndrom in Verbindung mit COVID-19
Das multisystemische Entzündungssyndrom in Verbindung mit COVID-19, im englischsprachigen Raum häufig als MIS-C (Multisystem Inflammatory Syndrome in Children) bezeichnet, ist eine seltene, aber ernstzunehmende entzündliche Erkrankung, die typischerweise einige Wochen nach einer durchgemachten, teils auch unbemerkt verlaufenen Coronavirus-Infektion auftritt. Im Unterschied zur eigentlichen akuten COVID-19-Erkrankung handelt es sich um eine überschießende, verzögerte Reaktion des körpereigenen Immunsystems, die gleichzeitig mehrere Organsysteme betreffen kann, darunter das Herz, die Lunge, die Nieren, den Verdauungstrakt sowie das Nervensystem. Die Erkrankung betrifft überwiegend Kinder und Jugendliche und weist in ihrem klinischen Erscheinungsbild gewisse Ähnlichkeiten zum Kawasaki-Syndrom auf, unterscheidet sich davon jedoch in wichtigen Aspekten.
Ursachen
Dem multisystemischen Entzündungssyndrom liegt eine überschießende, fehlgeleitete Reaktion des körpereigenen Immunsystems zugrunde, die sich typischerweise zwei bis sechs Wochen nach einer durchgemachten Coronavirus-Infektion entwickelt. Im Unterschied zur akuten COVID-19-Erkrankung, bei der das Virus selbst die Beschwerden direkt verursacht, richtet sich die Immunreaktion beim multisystemischen Entzündungssyndrom gegen körpereigenes Gewebe verschiedener Organe, obwohl das eigentliche Virus zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend aus dem Körper eliminiert sein kann. Die genauen immunologischen Mechanismen, die zu dieser verzögerten, überschießenden Reaktion führen, sind noch nicht vollständig verstanden, wobei eine besondere Empfindlichkeit des kindlichen Immunsystems gegenüber bestimmten viralen Bestandteilen diskutiert wird.
Symptome
Das multisystemische Entzündungssyndrom äußert sich durch anhaltendes hohes Fieber über mehrere Tage sowie eine Kombination verschiedener Beschwerden, die auf die Beteiligung unterschiedlicher Organsysteme hinweisen. Häufig bestehen ausgeprägte Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall, ein Hautausschlag, gerötete Augen sowie gerötete, rissige Lippen. Bei einem erheblichen Teil der betroffenen Kinder ist das Herz-Kreislauf-System beteiligt, was sich durch eine niedrige Blutdrucklage, eine beschleunigte Herzfrequenz sowie, bei ausgeprägten Verläufen, durch Anzeichen eines Kreislaufschocks äußern kann. Manche Kinder zeigen zusätzlich neurologische Symptome wie Kopfschmerzen oder Verwirrtheit. Aufgrund der Kombination aus anhaltendem Fieber und mehreren gleichzeitig betroffenen Organsystemen kann sich der Zustand rasch verschlechtern.
Diagnostik
Die Diagnose wird anhand einer Kombination aus dem charakteristischen klinischen Beschwerdebild, laborchemischen Entzündungszeichen sowie dem Nachweis einer vorangegangenen, teils unbemerkt verlaufenen Coronavirus-Infektion gestellt, die entweder durch einen direkten Erregernachweis oder durch den Nachweis spezifischer Antikörper im Blut bestätigt wird. Umfangreiche Blutuntersuchungen zeigen typischerweise deutlich erhöhte Entzündungswerte sowie Hinweise auf eine Beteiligung verschiedener Organe. Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens ist wichtiger Bestandteil der Diagnostik, um eine mögliche Beeinträchtigung der Herzfunktion sowie eine Beteiligung der Herzkranzgefäße frühzeitig zu erkennen. Eine sorgfältige Abgrenzung zu anderen Erkrankungen mit ähnlichem Beschwerdebild, insbesondere zum Kawasaki-Syndrom sowie zu bakteriellen Infektionen, ist wichtiger Bestandteil der Abklärung.
Behandlung
Die Behandlung des multisystemischen Entzündungssyndroms erfolgt stationär, häufig unter intensivmedizinischer Überwachung, da sich der Zustand der betroffenen Kinder rasch verändern kann. Zur Eindämmung der überschießenden Immunreaktion kommen intravenös verabreichte Immunglobuline sowie entzündungshemmende Medikamente wie Kortison zum Einsatz, die bei einem erheblichen Teil der betroffenen Kinder zu einer raschen Besserung führen. Bei einer Beteiligung des Herz-Kreislauf-Systems werden zusätzlich Medikamente zur Kreislaufunterstützung sowie eine engmaschige Überwachung der Herzfunktion eingesetzt. Blutverdünnende Medikamente können bei Hinweisen auf eine Beteiligung der Herzkranzgefäße vorbeugend eingesetzt werden. Die Behandlung erfolgt in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Kinderheilkunde, Kinderkardiologie sowie Intensivmedizin.
Verlauf und Prognose
Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung ist die Prognose des multisystemischen Entzündungssyndroms bei den meisten betroffenen Kindern gut, wobei sich der überwiegende Teil innerhalb weniger Tage bis Wochen deutlich erholt. Eine mögliche Beteiligung des Herzens, insbesondere der Herzkranzgefäße, erfordert jedoch regelmäßige kardiologische Nachkontrollen über einen längeren Zeitraum, da sich manche Veränderungen erst im Verlauf zurückbilden oder in seltenen Fällen bestehen bleiben können. Unbehandelt oder bei verzögerter Diagnose besteht bei einem Teil der Betroffenen ein erhöhtes Risiko für einen schweren, kreislaufbedrohlichen Verlauf, weshalb bei anhaltendem hohem Fieber in Kombination mit den beschriebenen Begleitsymptomen nach einer durchgemachten Coronavirus-Infektion eine rasche ärztliche Vorstellung wichtig ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Multisystemisches Entzündungssyndrom in Verbindung mit COVID-19: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wann tritt das multisystemische Entzündungssyndrom typischerweise auf?
Meist zwei bis sechs Wochen nach einer durchgemachten, teils auch unbemerkt verlaufenen Coronavirus-Infektion, als verzögerte, überschießende Reaktion des Immunsystems, nicht während der akuten Infektion selbst.
Was unterscheidet dieses Syndrom vom Kawasaki-Syndrom?
Beide Erkrankungen weisen gewisse Ähnlichkeiten im klinischen Erscheinungsbild auf, unterscheiden sich jedoch unter anderem im Alter der betroffenen Kinder, im Ausmaß der Kreislaufbeteiligung sowie in bestimmten Laborbefunden, weshalb eine sorgfältige Abgrenzung wichtig ist.
Warum wird eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durchgeführt?
Um eine mögliche Beeinträchtigung der Herzfunktion sowie eine Beteiligung der Herzkranzgefäße frühzeitig zu erkennen, da diese Organe bei einem erheblichen Teil der betroffenen Kinder mitbetroffen sein können.
Ist das multisystemische Entzündungssyndrom heilbar?
Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung erholt sich der überwiegende Teil der betroffenen Kinder innerhalb weniger Tage bis Wochen deutlich, wobei eine mögliche Herzbeteiligung regelmäßige Nachkontrollen über einen längeren Zeitraum erforderlich machen kann.
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