Rezidivierende depressive Störung
Eine rezidivierende depressive Störung liegt vor, wenn eine Person im Laufe ihres Lebens mindestens zwei voneinander abgrenzbare depressive Episoden durchlebt hat, zwischen denen sich die Stimmung in der Regel über einen längeren Zeitraum weitgehend normalisiert. Im Unterschied zu einer einzelnen depressiven Episode handelt es sich hierbei um eine wiederkehrende, chronisch verlaufende Erkrankung, bei der das Risiko für weitere Episoden mit jedem bereits durchlebten Ereignis zunimmt. Die einzelnen Episoden können sich in ihrem Schweregrad, ihrer Dauer sowie ihren auslösenden Umständen unterscheiden, wobei manche Betroffene über Jahre beschwerdefrei bleiben, während bei anderen die Abstände zwischen den Episoden deutlich kürzer ausfallen können.
Ursachen
Der rezidivierenden depressiven Störung liegt, ähnlich wie der einzelnen depressiven Episode, ein Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren zugrunde. Eine genetische Veranlagung spielt bei der wiederkehrenden Form eine besonders wichtige Rolle, da das Risiko für weitere Episoden bei entsprechender familiärer Häufung deutlich erhöht ist. Mit jeder durchlebten depressiven Episode scheint sich zudem die Anfälligkeit des Gehirns für weitere Episoden zu erhöhen, sodass spätere Episoden mitunter auch ohne einen klar erkennbaren auslösenden Faktor auftreten können, während frühere Episoden häufiger im Zusammenhang mit belastenden Lebensereignissen stehen. Eine unzureichende oder vorzeitig beendete Behandlung früherer Episoden erhöht ebenfalls das Risiko für ein erneutes Auftreten.
Symptome
Die einzelnen Episoden einer rezidivierenden depressiven Störung ähneln in ihrem Beschwerdebild einer einzelnen depressiven Episode und umfassen eine gedrückte Stimmung, einen Verlust von Interesse und Freude sowie eine verminderte Energie, ergänzt durch weitere Symptome wie Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen oder ein vermindertes Selbstwertgefühl. Zwischen den einzelnen Episoden erleben viele Betroffene eine weitgehend normale Stimmung und Alltagsfunktion, wobei manche auch in den beschwerdefreien Phasen eine gewisse Unsicherheit oder Angst vor einem erneuten Auftreten empfinden. Die Dauer und der Schweregrad der einzelnen Episoden können sich im Verlauf des Lebens verändern, wobei bei manchen Betroffenen spätere Episoden schwerer oder länger ausfallen als frühere.
Diagnostik
Die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung wird durch eine sorgfältige Erfassung der Krankengeschichte gestellt, bei der frühere depressive Episoden, ihre Anzahl, Dauer und der zeitliche Abstand zwischen ihnen dokumentiert werden. Wie bei einer einzelnen Episode dient eine körperliche Untersuchung sowie gezielte Blutuntersuchungen dem Ausschluss körperlicher Erkrankungen als Ursache der Beschwerden. Eine sorgfältige Abgrenzung zu anderen affektiven Erkrankungen, insbesondere zu einer bipolaren Störung mit zusätzlichen manischen Phasen, ist wichtig, da sich die Behandlung dieser Erkrankungen deutlich unterscheidet. Eine ausführliche Anamnese früherer Behandlungen sowie deren Wirksamkeit liefert wichtige Hinweise für die Planung der weiteren, langfristigen Behandlung.
Behandlung
Die Behandlung der akuten Episode einer rezidivierenden depressiven Störung entspricht der Behandlung einer einzelnen depressiven Episode und umfasst je nach Schweregrad Psychotherapie, eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva oder eine Kombination beider Ansätze. Aufgrund des erhöhten Risikos für weitere Episoden wird bei der rezidivierenden Form häufig eine über die akute Episode hinausgehende, längerfristige Erhaltungstherapie empfohlen, um das Risiko eines Rückfalls zu senken. Bei Personen mit mehreren bereits durchlebten Episoden kann eine langfristige, vorbeugende medikamentöse Behandlung über mehrere Jahre erwogen werden. Auch eine spezialisierte Psychotherapie, die gezielt auf die Rückfallprophylaxe ausgerichtet ist, hat sich bei dieser Erkrankungsform als wirksam erwiesen.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf einer rezidivierenden depressiven Störung ist individuell sehr unterschiedlich: Manche Betroffene erleben nach einer erfolgreich behandelten Episode über viele Jahre keine erneute Episode, während bei anderen die Abstände zwischen den Episoden im Laufe des Lebens kürzer werden können. Eine konsequente, ausreichend lange fortgeführte Behandlung sowohl der akuten Episode als auch einer möglichen Erhaltungstherapie senkt das Rückfallrisiko deutlich. Das Erkennen früher Warnzeichen einer sich anbahnenden neuen Episode ermöglicht es Betroffenen und ihrem Umfeld häufig, frühzeitig gegenzusteuern und eine erneute, schwerere Episode abzumildern oder zu verhindern. Insgesamt ist bei konsequenter langfristiger Betreuung eine gute Lebensqualität für die meisten Betroffenen erreichbar.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Rezidivierende depressive Störung: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ab wann spricht man von einer rezidivierenden depressiven Störung?
Wenn eine Person im Laufe ihres Lebens mindestens zwei voneinander abgrenzbare depressive Episoden durchlebt hat, zwischen denen sich die Stimmung meist über einen längeren Zeitraum weitgehend normalisiert.
Warum wird bei dieser Erkrankung häufig eine längerfristige Erhaltungstherapie empfohlen?
Weil das Risiko für weitere Episoden mit jedem bereits durchlebten Ereignis zunimmt und eine über die akute Episode hinausgehende Behandlung das Rückfallrisiko nachweislich senken kann.
Werden spätere Episoden immer schwerer als frühere?
Nicht zwangsläufig, der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich. Bei manchen Betroffenen fallen spätere Episoden schwerer oder länger aus, bei anderen bleibt der Schweregrad über die Jahre vergleichbar.
Wie unterscheidet sich diese Störung von einer bipolaren Störung?
Bei einer rezidivierenden depressiven Störung treten ausschließlich depressive Episoden auf, während bei einer bipolaren Störung zusätzlich manische Phasen bestehen, was eine sorgfältige Abgrenzung für die richtige Behandlung wichtig macht.
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