Nichtrheumatische Mitralklappenstenose
Die Mitralklappe reguliert als Segelklappe den Blutfluss zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer und verhindert einen Rückfluss des Blutes während der Pumpphase des Herzens. Eine Mitralklappenstenose bezeichnet eine Verengung dieser Klappe, die den Blutfluss vom linken Vorhof in die linke Herzkammer behindert. Während eine Mitralklappenstenose historisch am häufigsten als Folge eines durchgemachten rheumatischen Fiebers auftrat, gewinnen in westlichen Ländern zunehmend nichtrheumatische Ursachen an Bedeutung, insbesondere eine altersbedingte Verkalkung des Klappenrings sowie der angrenzenden Strukturen, die zu einer ähnlichen, jedoch in ihrer Entstehung und ihrem Verlauf unterschiedlichen Verengung der Klappe führen kann.
Ursachen
Die häufigste nichtrheumatische Ursache einer Mitralklappenstenose ist eine altersbedingte Verkalkung des sogenannten Mitralklappenrings sowie der angrenzenden Klappenstrukturen, die im Laufe des Lebens zunehmend versteifen und dadurch die Öffnungsfähigkeit der Klappe einschränken können. Diese Form tritt bevorzugt bei älteren Menschen sowie bei Personen mit bestimmten Risikofaktoren wie einer chronischen Nierenerkrankung oder einem gestörten Kalziumstoffwechsel auf. Seltener können angeborene Fehlbildungen der Mitralklappe, bestimmte Tumoren im Bereich des linken Vorhofs, die den Klappenausgang verlegen, oder eine strahlenbedingte Schädigung des Herzens nach einer Strahlentherapie im Brustbereich zu einer nichtrheumatischen Mitralklappenstenose führen.
Symptome
Die Symptome einer Mitralklappenstenose entwickeln sich meist schleichend über Jahre und äußern sich zunächst durch eine bei körperlicher Anstrengung auftretende Atemnot, da sich das Blut vor der verengten Klappe im linken Vorhof sowie in den Lungengefäßen zurückstaut. Im weiteren Verlauf kann die Atemnot auch bei geringerer Belastung oder in Ruhe auftreten, begleitet von einer raschen Ermüdbarkeit sowie gelegentlichem Husten, insbesondere im Liegen. Ein unregelmäßiger Herzschlag durch Vorhofflimmern, das durch die Überdehnung des linken Vorhofs begünstigt wird, tritt bei einem erheblichen Teil der Betroffenen im Krankheitsverlauf hinzu und kann zusätzlich Herzstolpern oder Schwindel verursachen. Bei fortgeschrittener Erkrankung können Anzeichen einer Rechtsherzschwäche wie Wassereinlagerungen in den Beinen hinzukommen.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens gestellt, die die verengte Klappe, deren Öffnungsfläche sowie das Ausmaß der Verkalkung direkt darstellt und dabei gleichzeitig zwischen einer rheumatischen und einer nichtrheumatischen Ursache unterscheiden kann, da sich das Erscheinungsbild der Klappenveränderung meist charakteristisch unterscheidet. Ein Elektrokardiogramm kann Hinweise auf ein begleitendes Vorhofflimmern sowie eine Überlastung des linken Vorhofs liefern. Bei geplanter operativer oder kathetergestützter Behandlung wird häufig eine ergänzende, spezialisierte bildgebende Untersuchung der Klappe durchgeführt, um das genaue Ausmaß der Verkalkung sowie die für die Behandlungsplanung relevanten anatomischen Strukturen detailliert darzustellen.
Behandlung
Bei einer geringgradigen, beschwerdearmen Mitralklappenstenose ist häufig zunächst keine spezifische Behandlung notwendig, sondern lediglich eine regelmäßige Verlaufskontrolle mittels Ultraschalluntersuchung. Bei zunehmenden Beschwerden kommen zunächst Medikamente zum Einsatz, die den Blutstau vor der verengten Klappe lindern sowie ein begleitendes Vorhofflimmern kontrollieren können. Bei einer ausgeprägten, beschwerdeverursachenden Stenose wird eine Erweiterung oder ein Ersatz der Klappe erwogen. Im Unterschied zur rheumatischen Form, bei der eine kathetergestützte Ballonaufdehnung häufig gut wirksam ist, ist diese Methode bei der stark verkalkten, nichtrheumatischen Form meist weniger erfolgreich, weshalb häufiger ein operativer oder kathetergestützter Klappenersatz notwendig wird.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf einer nichtrheumatischen Mitralklappenstenose ist meist langsam fortschreitend, wobei sich die Verkalkung und damit die Verengung der Klappe über Jahre allmählich verstärken kann. Bei rechtzeitiger Diagnose und angemessener Behandlung, einschließlich eines gegebenenfalls notwendigen Klappenersatzes, ist die Prognose überwiegend gut. Bleibt eine ausgeprägte Stenose unbehandelt, kann sich im Laufe der Zeit eine zunehmende Belastung des linken Vorhofs sowie der Lungengefäße mit nachfolgender Rechtsherzbelastung entwickeln. Ein begleitendes Vorhofflimmern erhöht zusätzlich das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln im linken Vorhof und damit für einen Schlaganfall, weshalb bei entsprechendem Risiko eine gerinnungshemmende Behandlung empfohlen wird.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Nichtrheumatische Mitralklappenstenose: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was unterscheidet die nichtrheumatische von der rheumatischen Mitralklappenstenose?
Die nichtrheumatische Form entsteht meist durch eine altersbedingte Verkalkung der Klappe und angrenzender Strukturen, während die rheumatische Form Folge eines durchgemachten rheumatischen Fiebers ist; beide Formen zeigen im Ultraschall meist ein charakteristisch unterschiedliches Erscheinungsbild.
Warum ist eine Ballonaufdehnung bei dieser Form oft weniger wirksam?
Weil die altersbedingte Verkalkung die Klappenstrukturen deutlich versteift, wodurch eine Aufdehnung mittels Ballon technisch schwieriger und weniger erfolgreich ist als bei der elastischeren, rheumatisch bedingten Klappenveränderung.
Warum begünstigt eine Mitralklappenstenose Vorhofflimmern?
Weil sich das Blut vor der verengten Klappe im linken Vorhof zurückstaut, wodurch sich dieser überdehnt und dadurch anfälliger für die Entstehung von Vorhofflimmern wird.
Wann wird bei einer Mitralklappenstenose eine Behandlung notwendig?
Bei zunehmenden Beschwerden wie Atemnot oder bei einer ausgeprägten, im Ultraschall nachgewiesenen Verengung wird eine Erweiterung oder ein Ersatz der Klappe erwogen, während geringgradige, beschwerdearme Formen zunächst nur beobachtet werden.
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