Neuroborreliose
Die Neuroborreliose bezeichnet eine Beteiligung des zentralen oder peripheren Nervensystems im Rahmen einer Infektion mit Borrelien, den durch Zeckenstich übertragenen Bakterien, die auch der bekannteren Hauterkrankung Erythema migrans zugrunde liegen. Bei einem Teil der mit Borrelien infizierten Menschen breiten sich die Bakterien über die Blutbahn bis in das Nervensystem aus und lösen dort eine Entzündungsreaktion der Hirnhäute, der Hirnnerven oder der aus dem Rückenmark austretenden Nervenwurzeln aus. Die Neuroborreliose stellt eine der häufigeren, ernsteren Verlaufsformen der Borreliose dar und tritt typischerweise einige Wochen nach dem ursprünglichen Zeckenstich auf, wobei ein vorausgegangener, charakteristischer Hautausschlag nicht bei allen Betroffenen bemerkt wurde oder überhaupt aufgetreten ist.
Ursachen
Die Neuroborreliose wird durch dieselben Borrelien-Bakterien verursacht, die auch die übrigen Verlaufsformen der Borreliose auslösen und über den Stich einer infizierten Zecke auf den Menschen übertragen werden. Nach der ursprünglichen Übertragung über die Haut können sich die Bakterien bei einem Teil der Betroffenen über die Blutbahn im Körper ausbreiten und dabei auch das Nervensystem erreichen, wo sie eine entzündliche Reaktion der Hirnhäute, einzelner Hirnnerven oder der Nervenwurzeln auslösen. Die genauen Gründe, warum sich bei einem Teil der Infizierten eine Beteiligung des Nervensystems entwickelt, während die Infektion bei anderen auf die Haut begrenzt bleibt, sind nicht abschließend geklärt, wobei individuelle Unterschiede in der körpereigenen Immunantwort sowie möglicherweise die Menge der übertragenen Bakterien eine Rolle spielen dürften.
Symptome
Die Neuroborreliose äußert sich bei Erwachsenen am häufigsten durch die charakteristische Kombination aus brennenden, oft nachts verstärkten Nervenschmerzen, die sich nicht immer eindeutig einem bestimmten Körperbereich zuordnen lassen, sowie einer oder mehreren Lähmungen einzelner Hirnnerven, wobei eine einseitige Lähmung der Gesichtsmuskulatur besonders häufig auftritt. Bei Kindern zeigt sich die Erkrankung demgegenüber häufiger als eine Hirnhautentzündung mit Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit sowie allgemeinem Krankheitsgefühl, wobei begleitende Hirnnervenlähmungen ebenfalls auftreten können. Eine deutlich seltenere, chronische Verlaufsform kann sich über Monate hinweg mit einer langsam fortschreitenden Entzündung des Gehirns oder Rückenmarks sowie entsprechenden neurologischen Ausfällen entwickeln, wenn die akute Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wurde.
Diagnostik
Die Diagnose der Neuroborreliose stützt sich auf eine Kombination aus dem klinischen Beschwerdebild, einer Untersuchung des Nervenwassers mittels Lumbalpunktion sowie einer Blutuntersuchung auf spezifische Antikörper gegen Borrelien. Im Nervenwasser zeigt sich bei einer Neuroborreliose typischerweise eine vermehrte Anzahl bestimmter Entzündungszellen sowie der Nachweis von im zentralen Nervensystem selbst gebildeten, gegen Borrelien gerichteten Antikörpern, was einen wichtigen Beleg für die tatsächliche Beteiligung des Nervensystems liefert und diese von einer bloßen, früheren Borrelien-Infektion ohne aktuelle Nervenbeteiligung unterscheidet. Eine sorgfältige Anamnese mit Frage nach einem vorausgegangenen Zeckenstich oder Aufenthalt in einem Risikogebiet liefert wichtige zusätzliche Hinweise, wobei ein solcher Zeckenstich nicht immer erinnerlich oder bemerkt worden sein muss.
Behandlung
Die Behandlung der Neuroborreliose erfolgt mit einer gezielten, meist zwei bis drei Wochen dauernden antibiotischen Behandlung, die je nach Schweregrad der Erkrankung oral oder intravenös verabreicht wird und bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen zu einer erfolgreichen Beseitigung der Bakterien sowie einer deutlichen Besserung der neurologischen Beschwerden führt. Eine begleitende Schmerzbehandlung ist insbesondere bei den häufig sehr belastenden Nervenschmerzen von großer Bedeutung für die Lebensqualität der Betroffenen während der Behandlungsphase. Bei bereits eingetretenen Nervenlähmungen, etwa einer Gesichtslähmung, kann eine begleitende physiotherapeutische Behandlung die Rückbildung der Lähmung unterstützen. Nach Abschluss der antibiotischen Behandlung ist in aller Regel keine weitere spezifische Therapie notwendig, da die zugrunde liegende Infektion durch die Antibiotikagabe erfolgreich beseitigt wird.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Neuroborreliose ist bei rechtzeitiger Diagnosestellung und gezielter antibiotischer Behandlung sehr gut, wobei sich die neurologischen Beschwerden bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen innerhalb weniger Wochen bis Monate nach Behandlungsbeginn vollständig oder weitgehend zurückbilden. Bei einem kleineren Teil der Betroffenen, insbesondere bei verzögerter Diagnosestellung oder ausgeprägten Hirnnervenlähmungen, können einzelne neurologische Beschwerden, etwa eine geringfügige Restschwäche der Gesichtsmuskulatur, über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben. Eine unbehandelte oder verzögert erkannte Neuroborreliose kann in eine chronische Verlaufsform mit fortschreitender Schädigung des Nervensystems übergehen, weshalb eine rechtzeitige Diagnosestellung und Behandlung von entscheidender Bedeutung für den langfristigen Verlauf ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Neuroborreliose: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie wird die Neuroborreliose übertragen?
Durch denselben Erreger wie die übrige Borreliose, der über den Stich einer infizierten Zecke auf den Menschen übertragen wird.
Welche Symptomkombination ist bei Erwachsenen typisch?
Brennende Nervenschmerzen kombiniert mit einer oder mehreren Hirnnervenlähmungen, wobei eine einseitige Gesichtslähmung besonders häufig ist.
Wie zeigt sich die Erkrankung häufig bei Kindern?
Eher als Hirnhautentzündung mit Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und allgemeinem Krankheitsgefühl.
Muss ein Zeckenstich immer bemerkt worden sein?
Nein, ein Zeckenstich muss nicht zwingend erinnerlich oder überhaupt bemerkt worden sein, damit sich eine Neuroborreliose entwickelt.
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