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Kinder & Jugendliche

Mikrozephalie

Mikrozephalie bezeichnet einen Kopfumfang, der deutlich unterhalb des für Alter und Geschlecht üblichen Normbereichs liegt, meist als Ausdruck eines zu klein angelegten oder nicht ausreichend gewachsenen Gehirns. Da der Kopfumfang bei Kindern eng mit dem Wachstum des Gehirns zusammenhängt, wird die regelmäßige Messung des Kopfumfangs als fester Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen genutzt, um eine Mikrozephalie frühzeitig zu erkennen. Die Erkrankung kann bereits während der Schwangerschaft angelegt sein oder sich erst nach der Geburt durch ein verlangsamtes Kopfwachstum zeigen. Die Ursachen sind sehr vielfältig, von genetischen Veränderungen über Infektionen während der Schwangerschaft bis hin zu Schädigungen während der Geburt, und das Ausmaß der begleitenden Entwicklungsstörungen reicht von kaum merklichen Einschränkungen bis zu schweren, lebenslangen Beeinträchtigungen.

Ursachen

Eine Mikrozephalie kann durch genetische Veränderungen entstehen, die die normale Zellteilung und Reifung des Gehirngewebes während der Schwangerschaft stören, wobei zahlreiche unterschiedliche Erbgutveränderungen als Ursache bekannt sind. Infektionen der Mutter während der Schwangerschaft, etwa mit dem Zytomegalievirus, dem Zika-Virus, Röteln oder Toxoplasmose, können das sich entwickelnde Gehirn des ungeborenen Kindes direkt schädigen und zu einer Mikrozephalie führen. Auch der Konsum von Alkohol während der Schwangerschaft, bestimmte Medikamente sowie eine schwere Mangelernährung der Mutter zählen zu den bekannten Risikofaktoren. Nach der Geburt kann sich eine Mikrozephalie zudem als Folge eines Sauerstoffmangels während der Geburt, einer schweren Hirnhautentzündung im frühen Kindesalter oder einer schweren Stoffwechselerkrankung entwickeln, die das weitere Wachstum des Gehirns beeinträchtigt.

Symptome

Das Leitsymptom ist ein deutlich zu kleiner Kopfumfang im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern, der entweder bereits bei der Geburt auffällt oder sich im Verlauf der ersten Lebensmonate durch ein zu langsames Kopfwachstum zeigt. Das Ausmaß der begleitenden Entwicklungsstörungen ist sehr unterschiedlich und hängt stark von der zugrunde liegenden Ursache sowie dem Schweregrad der Gehirnfehlbildung ab. Bei leichteren Formen können Kinder eine nahezu normale körperliche und geistige Entwicklung zeigen, während bei ausgeprägteren Formen häufig eine deutliche Entwicklungsverzögerung, Beeinträchtigungen der Sprachentwicklung, Bewegungsstörungen sowie eine erhöhte Neigung zu epileptischen Anfällen auftreten. Manche Kinder zeigen zudem besondere Gesichtsmerkmale wie eine fliehende Stirn, die mit der zugrunde liegenden Fehlbildung des Gehirns zusammenhängen können.

Diagnostik

Die Diagnose wird zunächst durch die Messung des Kopfumfangs gestellt, der im Vergleich zu alters- und geschlechtsspezifischen Wachstumskurven deutlich unterhalb des Normbereichs liegen muss. Bereits während der Schwangerschaft kann eine Mikrozephalie mittels Ultraschall oder, bei Bedarf, mittels Magnetresonanztomographie des ungeborenen Kindes vermutet werden, insbesondere wenn bekannte Risikofaktoren wie eine mütterliche Infektion vorliegen. Nach der Geburt wird zusätzlich zur Kopfumfangsmessung eine Bildgebung des Gehirns, meist mittels Magnetresonanztomographie, durchgeführt, um Art und Ausmaß der zugrunde liegenden Gehirnfehlbildung genauer zu beurteilen. Eine gezielte Suche nach der Ursache umfasst je nach klinischem Verdacht genetische Untersuchungen, eine Testung auf während der Schwangerschaft erworbene Infektionen sowie Stoffwechseluntersuchungen, um die weitere Behandlung und Beratung der Familie individuell auszurichten.

Behandlung

Eine ursächliche Behandlung, die eine bereits bestehende Mikrozephalie rückgängig machen könnte, existiert nicht, da die zugrunde liegende Fehlanlage oder Schädigung des Gehirngewebes nicht wiederhergestellt werden kann. Die Behandlung konzentriert sich daher auf die frühzeitige Förderung der kindlichen Entwicklung sowie die gezielte Behandlung begleitender Beschwerden, etwa durch Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie zur Unterstützung von Bewegung, Alltagsfähigkeiten und Sprache. Bei begleitenden epileptischen Anfällen kommt eine antiepileptische Medikation zum Einsatz. Eine interdisziplinäre, langfristige Betreuung durch ein Team aus Kinderärzten, Neuropädiatern und Frühförderern ist wichtig, um die individuellen Fähigkeiten des Kindes bestmöglich zu fördern und die Familie in der Bewältigung des Alltags zu unterstützen. Bei bekannter genetischer Ursache kann zusätzlich eine humangenetische Beratung der Familie sinnvoll sein.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf und die Prognose hängen entscheidend von der zugrunde liegenden Ursache sowie dem Ausmaß der Gehirnfehlbildung ab und sind daher individuell sehr unterschiedlich. Manche Kinder mit einer leichten Mikrozephalie entwickeln sich trotz des kleineren Kopfumfangs weitgehend normal, während andere Kinder mit ausgeprägteren Formen dauerhaft auf umfassende Unterstützung im Alltag angewiesen bleiben. Eine frühzeitige, konsequente Förderung kann die Entwicklung des Kindes positiv beeinflussen und dazu beitragen, vorhandene Fähigkeiten bestmöglich auszuschöpfen, auch wenn die zugrunde liegende Fehlbildung selbst nicht behoben werden kann. Eine gute vorgeburtliche Vorsorge, insbesondere die Vermeidung bekannter Risikofaktoren wie bestimmter Infektionen und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft, trägt wesentlich zur Vorbeugung bestimmter Formen der Mikrozephalie bei.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Kann eine Mikrozephalie bereits vor der Geburt festgestellt werden?

Ja, mittels Ultraschall oder, bei Bedarf, Magnetresonanztomographie des ungeborenen Kindes kann ein zu kleiner Kopfumfang bereits während der Schwangerschaft auffallen, insbesondere wenn bekannte Risikofaktoren vorliegen.

Bedeutet ein kleiner Kopfumfang automatisch eine schwere Behinderung?

Nein, das Ausmaß der Entwicklungsstörung ist sehr unterschiedlich und hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. Manche Kinder mit leichter Mikrozephalie entwickeln sich weitgehend normal.

Welche Infektionen während der Schwangerschaft können eine Mikrozephalie verursachen?

Unter anderem das Zytomegalievirus, das Zika-Virus, Röteln und Toxoplasmose können das sich entwickelnde Gehirn des ungeborenen Kindes schädigen und zu einer Mikrozephalie führen.

Kann eine Mikrozephalie behandelt werden?

Die zugrunde liegende Fehlanlage des Gehirns lässt sich nicht rückgängig machen, jedoch kann eine frühzeitige, gezielte Förderung durch Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie die kindliche Entwicklung positiv unterstützen.

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