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Psyche & Nervensystem

Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika

Sedativa und Hypnotika sind Medikamente, die beruhigend beziehungsweise schlaffördernd wirken und häufig zur Behandlung von Angstzuständen, Schlafstörungen oder akuter Unruhe eingesetzt werden, wobei insbesondere Benzodiazepine und verwandte Wirkstoffe zu dieser Gruppe zählen. Obwohl diese Medikamente bei kurzfristiger, ärztlich begleiteter Anwendung wertvolle und wirksame Hilfe leisten können, besitzen sie ein relevantes Abhängigkeitspotenzial, das bei längerer, insbesondere über Wochen bis Monate hinausgehender Einnahme zu einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit führen kann. Da die Einnahme häufig zunächst im Rahmen einer legitimen ärztlichen Verordnung beginnt, wird die sich entwickelnde Abhängigkeit von Betroffenen und mitunter auch von ihrem Umfeld lange nicht als solche erkannt. Ein abruptes Absetzen nach längerer Einnahme kann zu ausgeprägten, im Extremfall gefährlichen Entzugserscheinungen führen, weshalb ein Absetzen stets schrittweise und unter ärztlicher Begleitung erfolgen sollte.

Ursachen

Eine Abhängigkeit von Sedativa oder Hypnotika entwickelt sich meist schleichend im Rahmen einer ursprünglich sinnvollen medizinischen Behandlung von Angstzuständen, Schlafstörungen oder akuter Unruhe, wenn die Einnahme über die empfohlene, meist kurze Anwendungsdauer hinaus fortgesetzt wird. Der Körper gewöhnt sich bei fortgesetzter Einnahme zunehmend an die Wirkung der Substanz, was zu einer Toleranzentwicklung führt und häufig den Wunsch nach höheren Dosen oder häufigerer Einnahme nach sich zieht. Begünstigende Faktoren für die Entwicklung einer Abhängigkeit sind eine lange Verordnungsdauer ohne regelmäßige ärztliche Überprüfung der Notwendigkeit, eine zugrunde liegende chronische Angst- oder Schlafstörung, die subjektiv weiterhin eine Linderung durch das Medikament erwarten lässt, sowie eine allgemeine Veranlagung zu Suchterkrankungen. Auch ein nicht ärztlich verordneter, eigenständig gesteigerter Gebrauch kann zur Abhängigkeitsentwicklung beitragen.

Symptome

Betroffene bemerken häufig, dass die ursprünglich wirksame Dosis nicht mehr ausreicht, um die gewünschte beruhigende oder schlaffördernde Wirkung zu erzielen, was zu einer schrittweisen Dosissteigerung führt. Ein Auslassen oder eine Reduktion der Einnahme löst charakteristische Entzugserscheinungen aus, darunter ausgeprägte innere Unruhe, Angst, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Zittern sowie, bei abruptem Absetzen nach langer, hochdosierter Einnahme, im schwersten Fall auch epileptische Anfälle, was diese Form der Abhängigkeit von vielen anderen unterscheidet und besondere Vorsicht beim Absetzen erfordert. Viele Betroffene entwickeln zudem eine ausgeprägte psychische Abhängigkeit mit starker Angst vor dem Leben ohne das Medikament, selbst wenn die ursprünglich behandelte Angst- oder Schlafstörung längst abgeklungen wäre. Kognitive Beeinträchtigungen wie eine verminderte Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisprobleme können bei langfristiger Einnahme ebenfalls auftreten.

Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf eine sorgfältige Medikamentenanamnese, die Dauer, Dosierung und den Verlauf der Einnahme erfasst, sowie auf das Vorliegen typischer Abhängigkeitskriterien wie Toleranzentwicklung, Kontrollverlust über die Einnahme und das Auftreten von Entzugserscheinungen bei Reduktion oder Absetzen. Da viele Betroffene die Substanz weiterhin über ein ärztliches Rezept beziehen, wird die Abhängigkeit häufig erst bei einem Versuch, die Dosis zu reduzieren, oder im Rahmen einer gezielten Nachfrage offenkundig. Eine körperliche Untersuchung dient der Erfassung möglicher Folgeerscheinungen der Langzeiteinnahme, etwa kognitiver Beeinträchtigungen oder einer erhöhten Sturzneigung, insbesondere bei älteren Menschen. Bei Verdacht auf eine gleichzeitige Einnahme mehrerer Substanzen können Blut- oder Urinuntersuchungen zusätzliche Informationen liefern.

Behandlung

Ein abruptes Absetzen von Sedativa oder Hypnotika nach längerer Einnahme wird dringend vermieden, da es zu ausgeprägten und im Extremfall lebensbedrohlichen Entzugserscheinungen einschließlich epileptischer Anfälle führen kann. Stattdessen erfolgt eine schrittweise, langsame Dosisreduktion über Wochen bis Monate unter ärztlicher Begleitung, wobei das Behandlungstempo individuell an die Reaktion der betroffenen Person angepasst wird. Begleitend werden häufig psychotherapeutische Verfahren eingesetzt, die helfen, alternative Strategien zur Bewältigung von Angst oder Schlafproblemen zu entwickeln, sowie zur Bearbeitung der psychischen Abhängigkeit vom Medikament beitragen. Bei ausgeprägter Abhängigkeit oder wiederholt gescheiterten ambulanten Absetzversuchen kann ein stationärer, kontrollierter Entzug in einer spezialisierten Einrichtung sinnvoll sein, um die Reduktion unter engmaschiger medizinischer Überwachung sicher durchzuführen.

Verlauf und Prognose

Mit einer sorgfältig geplanten, schrittweisen Dosisreduktion gelingt es einem erheblichen Teil der Betroffenen, die Abhängigkeit erfolgreich zu überwinden, wobei der Prozess je nach Dauer und Dosis der vorangegangenen Einnahme mehrere Monate in Anspruch nehmen kann. Während der Reduktionsphase können vorübergehend verstärkte Angst- oder Schlafprobleme auftreten, die sich jedoch mit fortschreitender Reduktion und begleitender psychotherapeutischer Unterstützung meist bessern. Ohne angemessene Behandlung besteht das Risiko einer chronischen, über Jahre fortbestehenden Abhängigkeit mit zunehmenden kognitiven und körperlichen Beeinträchtigungen, insbesondere bei älteren Menschen. Eine gute Aufklärung über die Risiken einer langfristigen Einnahme sowie eine regelmäßige ärztliche Überprüfung der Notwendigkeit einer fortgesetzten Behandlung sind wichtige vorbeugende Maßnahmen, um die Entwicklung einer Abhängigkeit von vornherein zu vermeiden.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum ist ein abruptes Absetzen von Beruhigungsmitteln gefährlich?

Weil es nach längerer Einnahme zu ausgeprägten Entzugserscheinungen einschließlich epileptischer Anfälle kommen kann. Ein Absetzen sollte deshalb immer schrittweise und unter ärztlicher Begleitung erfolgen.

Wie entsteht eine Abhängigkeit von Schlaf- oder Beruhigungsmitteln häufig?

Meist schleichend im Rahmen einer ursprünglich sinnvollen ärztlichen Verordnung, wenn die Einnahme über die empfohlene kurze Anwendungsdauer hinaus fortgesetzt wird.

Wie lange dauert ein sicheres Absetzen nach längerer Einnahme?

Das ist individuell unterschiedlich und kann je nach Dauer und Dosis der vorangegangenen Einnahme mehrere Monate in Anspruch nehmen, da die Dosis nur schrittweise reduziert wird.

Können ältere Menschen besonders betroffen sein?

Ja, bei älteren Menschen kann eine langfristige Einnahme zusätzlich zu kognitiven Beeinträchtigungen und einer erhöhten Sturzneigung führen, was eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung erforderlich macht.

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