Schädlicher Gebrauch von nichtabhängigkeitserzeugenden Substanzen
Der schädliche Gebrauch nichtabhängigkeitserzeugender Substanzen beschreibt einen wiederholten, gesundheitsschädlichen Konsum von Mitteln, die im eigentlichen Sinne kein körperliches Abhängigkeitspotenzial besitzen, wie es etwa bei Alkohol oder Opioiden der Fall ist, aber dennoch in schädlicher Weise und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Dazu zählen unter anderem der übermäßige, nicht medizinisch begründete Gebrauch von Abführmitteln, ein übertriebener Konsum von Vitaminpräparaten oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln sowie der missbräuchliche Einsatz pflanzlicher oder homöopathischer Mittel in gesundheitsschädlicher Weise. Im Unterschied zu klassischen Suchterkrankungen fehlt bei diesen Substanzen meist eine körperliche Abhängigkeit mit Toleranzentwicklung und Entzugserscheinungen; im Vordergrund steht vielmehr ein zwanghaftes, gesundheitlich schädliches Konsummuster, das häufig mit einer zugrunde liegenden psychischen Problematik, etwa einer Essstörung oder übertriebenen Gesundheitssorgen, in Verbindung steht.
Ursachen
Der schädliche Gebrauch solcher Substanzen entsteht häufig im Zusammenhang mit einer zugrunde liegenden psychischen Problematik: Ein übermäßiger Gebrauch von Abführmitteln findet sich beispielsweise häufig im Rahmen von Essstörungen wie der Bulimie, bei der die Substanz missbräuchlich zur Gewichtskontrolle eingesetzt wird, obwohl sie hierfür medizinisch nicht wirksam und zudem gesundheitsschädlich ist. Ein übertriebener Konsum von Vitaminpräparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln kann aus übersteigerten Gesundheitssorgen, einem verzerrten Körperbild oder dem irrigen Glauben entstehen, dass mehr grundsätzlich besser sei, ohne dass eine tatsächliche medizinische Notwendigkeit für die hohe Dosierung besteht. Auch kulturell geprägte Vorstellungen über die Wirksamkeit bestimmter pflanzlicher Mittel können zu einem übermäßigen, gesundheitsschädlichen Gebrauch beitragen. Anders als bei klassischen Suchtstoffen liegt hier meist keine primäre pharmakologische Abhängigkeit, sondern ein psychologisch bedingtes, zwanghaftes Konsummuster vor.
Symptome
Die Beschwerden hängen stark von der jeweils missbräuchlich verwendeten Substanz ab. Ein chronischer Abführmittelmissbrauch kann zu Elektrolytstörungen, einer Schädigung der Darmschleimhaut sowie einer zunehmenden Abhängigkeit des Darms von der äußeren Stimulation führen, was paradoxerweise zu einer Verschlechterung der natürlichen Darmfunktion beiträgt. Ein übermäßiger Konsum bestimmter Vitamine, insbesondere fettlöslicher Vitamine, kann zu spezifischen Vergiftungserscheinungen mit Übelkeit, Kopfschmerzen und, bei sehr hohen Dosen über lange Zeit, zu Organschäden führen. Betroffene mit einem schädlichen Gebrauch solcher Substanzen zeigen häufig ein zwanghaftes, schwer zu unterbrechendes Konsumverhalten, das trotz Kenntnis der gesundheitlichen Risiken fortgesetzt wird, sowie mitunter eine ausgeprägte Fixierung auf die vermeintliche Notwendigkeit der Substanzeinnahme, die im Widerspruch zur tatsächlichen medizinischen Erfordernis steht.
Diagnostik
Die Diagnose erfordert eine sorgfältige Anamnese des Konsummusters, die Art, Menge, Häufigkeit und Dauer der Einnahme sowie die zugrunde liegenden Beweggründe erfasst, wobei häufig eine begleitende psychische Erkrankung wie eine Essstörung oder eine somatoforme Störung mitursächlich ist und aktiv danach gesucht wird. Blutuntersuchungen können bei Verdacht auf einen Elektrolytmangel infolge von Abführmittelmissbrauch oder auf eine Vitaminüberdosierung wichtige Hinweise liefern und das Ausmaß der gesundheitlichen Folgen objektivieren. Eine körperliche Untersuchung dient der Erfassung möglicher Organschäden durch die missbräuchliche Substanzeinnahme. Da Betroffene den Gebrauch häufig verheimlichen, insbesondere wenn er mit einer Essstörung in Zusammenhang steht, ist eine einfühlsame, nicht wertende Gesprächsführung für eine erfolgreiche Diagnostik von großer Bedeutung.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich vorrangig nach der zugrunde liegenden psychischen Problematik, die dem schädlichen Gebrauch zugrunde liegt: Liegt eine Essstörung vor, steht deren spezifische Behandlung im Vordergrund, wobei der Abführmittelmissbrauch als ein Symptom dieser Erkrankung mitbehandelt wird. Bei übersteigerten Gesundheitssorgen als Ursache eines übermäßigen Vitaminkonsums kann eine psychotherapeutische Bearbeitung dieser Ängste hilfreich sein. Begleitend werden bereits eingetretene körperliche Folgeschäden, etwa Elektrolytstörungen, gezielt medizinisch behandelt und ausgeglichen. Eine gute Aufklärung über die tatsächliche Wirkungslosigkeit oder gar Schädlichkeit der missbräuchlich verwendeten Substanz für den beabsichtigten Zweck ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung, wird jedoch häufig erst wirksam, wenn die zugrunde liegende psychische Problematik parallel angegangen wird.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf hängt wesentlich davon ab, ob und wie erfolgreich die zugrunde liegende psychische Problematik behandelt wird, da der schädliche Substanzgebrauch meist nur ein Symptom eines tieferliegenden Problems darstellt. Wird beispielsweise eine zugrunde liegende Essstörung erfolgreich behandelt, bessert sich in der Regel auch der begleitende Abführmittelmissbrauch. Körperliche Folgeschäden wie Elektrolytstörungen sind bei rechtzeitiger Behandlung meist gut reversibel, während lange bestehende Schäden, etwa an der Darmschleimhaut, sich unter Umständen nur langsam oder unvollständig zurückbilden. Ohne Behandlung der zugrunde liegenden psychischen Ursache besteht ein hohes Risiko für ein Fortbestehen oder Wiederauftreten des schädlichen Konsummusters, weshalb eine ganzheitliche, die psychische Grundproblematik einschließende Behandlung für einen günstigen langfristigen Verlauf entscheidend ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Schädlicher Gebrauch von nichtabhängigkeitserzeugenden Substanzen: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum wird ein Abführmittelmissbrauch nicht als klassische Sucht eingestuft?
Weil Abführmittel im eigentlichen Sinne kein pharmakologisches Abhängigkeitspotenzial mit Toleranzentwicklung und typischen Entzugserscheinungen besitzen. Im Vordergrund steht ein zwanghaftes, psychologisch bedingtes Konsummuster.
Welche zugrunde liegende Erkrankung steht häufig hinter einem Abführmittelmissbrauch?
Häufig eine Essstörung wie die Bulimie, bei der das Mittel missbräuchlich zur vermeintlichen Gewichtskontrolle eingesetzt wird, obwohl es hierfür nicht wirksam und zudem gesundheitsschädlich ist.
Kann ein übermäßiger Vitaminkonsum tatsächlich schädlich sein?
Ja, insbesondere bei fettlöslichen Vitaminen kann eine dauerhaft zu hohe Zufuhr zu Vergiftungserscheinungen und, bei sehr hohen Dosen über lange Zeit, zu Organschäden führen.
Wie wird ein schädlicher Substanzgebrauch dieser Art behandelt?
Vorrangig durch die Behandlung der zugrunde liegenden psychischen Problematik, etwa einer Essstörung oder übersteigerter Gesundheitssorgen, begleitet von der medizinischen Behandlung bereits eingetretener körperlicher Folgeschäden.
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