Hypothermie beim Neugeborenen
Neugeborene sind aufgrund ihrer im Verhältnis zum Körpergewicht großen Körperoberfläche, ihres geringen Anteils an isolierendem Unterhautfettgewebe sowie ihrer noch unreifen Fähigkeit zur eigenständigen Wärmeregulation besonders anfällig für einen raschen Wärmeverlust. Eine Hypothermie beim Neugeborenen liegt vor, wenn die Körperkerntemperatur des Kindes unter den normalen Bereich absinkt, was insbesondere in den ersten Lebensstunden und -tagen, aber auch bei zu früh geborenen oder kranken Kindern, ein ernstzunehmendes Problem darstellt. Eine anhaltende oder ausgeprägte Unterkühlung kann den Stoffwechsel, die Atmung und den Kreislauf des Neugeborenen erheblich belasten, weshalb das Erkennen und rasche Behandeln einer Unterkühlung ein wichtiger Bestandteil der Erstversorgung und der weiteren Betreuung von Neugeborenen ist.
Ursachen
Die Hauptursache einer neonatalen Hypothermie liegt in den besonderen körperlichen Voraussetzungen von Neugeborenen: Ihre Körperoberfläche ist im Verhältnis zum Körpergewicht deutlich größer als bei älteren Kindern und Erwachsenen, wodurch Wärme über die Haut sehr viel schneller verloren geht, während gleichzeitig das isolierende Unterhautfettgewebe noch wenig ausgeprägt ist. Unmittelbar nach der Geburt ist das Kind zudem nass vom Fruchtwasser, was den Wärmeverlust durch Verdunstung zusätzlich verstärkt, wenn es nicht rasch abgetrocknet und warmgehalten wird. Frühgeborene sind besonders gefährdet, da bei ihnen sowohl das Unterhautfettgewebe als auch die Reifung der körpereigenen Wärmeregulation noch weniger ausgeprägt sind. Weitere begünstigende Faktoren sind eine kühle Umgebungstemperatur im Kreißsaal oder zu Hause, ein längerer Transport ohne ausreichenden Wärmeschutz sowie eine bestehende Erkrankung des Kindes, die den Energieverbrauch und damit den Bedarf an Wärmeproduktion zusätzlich erhöht.
Symptome
Ein unterkühltes Neugeborenes zeigt häufig eine kühle, blasse oder bläulich-marmorierte Haut, insbesondere an Händen und Füßen, sowie eine auffällige Trägheit mit vermindertem Schreien und Bewegung. Mit fortschreitender Unterkühlung nimmt die Aktivität des Kindes weiter ab, das Trinkverhalten verschlechtert sich, und die Atmung kann unregelmäßig oder verlangsamt werden. Bei ausgeprägter Hypothermie kann sich zusätzlich eine Unterzuckerung entwickeln, da der Körper bei der Wärmeproduktion vermehrt Energiereserven verbraucht, sowie eine metabolische Übersäuerung des Blutes, die die Situation des Kindes weiter verschlechtert. In schweren Fällen kann eine anhaltende Unterkühlung zu einer gefährlichen Verschlechterung von Atmung und Kreislauf führen, weshalb die frühzeitige Erkennung erster Anzeichen von großer Bedeutung ist.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch die Messung der Körperkerntemperatur gestellt, üblicherweise rektal oder mittels eines geeigneten Hauttemperatursensors, wobei Werte unterhalb des für Neugeborene definierten Normbereichs auf eine Hypothermie hinweisen. Bei jedem Neugeborenen wird die Körpertemperatur routinemäßig in den ersten Lebensstunden sowie bei Auffälligkeiten wiederholt kontrolliert, um eine beginnende Unterkühlung frühzeitig zu erkennen. Bei festgestellter Hypothermie werden ergänzend der Blutzucker sowie bei ausgeprägteren Fällen der Säure-Basen-Status im Blut bestimmt, um mögliche begleitende Stoffwechselentgleisungen zu erfassen. Auch die Atem- und Herzfrequenz werden engmaschig überwacht, da eine anhaltende Unterkühlung diese vitalen Funktionen beeinträchtigen kann.
Behandlung
Die Behandlung einer Hypothermie beim Neugeborenen zielt auf eine kontrollierte, schonende Wiedererwärmung ab, die je nach Schweregrad der Unterkühlung unterschiedlich rasch erfolgen sollte, um Kreislaufschwankungen zu vermeiden. Bei leichteren Formen reicht häufig der direkte Hautkontakt mit einem Elternteil, das sogenannte Känguruhen, in Kombination mit warmer Kleidung und einer angemessenen Raumtemperatur aus, um die Körpertemperatur wieder zu normalisieren. Bei ausgeprägterer Unterkühlung wird das Kind in einem speziellen Wärmebett oder Inkubator behandelt, der eine kontrollierte, gleichmäßige Erwärmung ermöglicht. Begleitend werden eine bestehende Unterzuckerung sowie eine mögliche Übersäuerung des Blutes gezielt behandelt. Vorbeugend wird bereits unmittelbar nach der Geburt großer Wert auf das rasche Abtrocknen, Warmhalten und den frühen Hautkontakt mit der Mutter gelegt, um eine Unterkühlung von vornherein zu verhindern.
Verlauf und Prognose
Wird eine Hypothermie beim Neugeborenen frühzeitig erkannt und angemessen behandelt, ist die Prognose in der Regel sehr gut, und die meisten Kinder erholen sich rasch und vollständig, ohne bleibende Folgen davonzutragen. Bleibt eine ausgeprägte Unterkühlung jedoch unerkannt oder wird sie nicht rechtzeitig behandelt, kann sie den Stoffwechsel, die Atmung und den Kreislauf des Kindes erheblich belasten und im ungünstigen Fall zu ernsteren Komplikationen führen, insbesondere bei bereits geschwächten oder frühgeborenen Kindern. Aus diesem Grund ist die konsequente Vorbeugung durch geeignete Wärmeschutzmaßnahmen unmittelbar nach der Geburt sowie eine regelmäßige Temperaturkontrolle in den ersten Lebenstagen von großer Bedeutung, um eine Unterkühlung erst gar nicht entstehen zu lassen oder frühzeitig zu erkennen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hypothermie beim Neugeborenen: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum kühlen Neugeborene so viel schneller aus als ältere Kinder?
Weil ihre Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht deutlich größer ist und gleichzeitig das isolierende Unterhautfettgewebe noch wenig ausgeprägt ist, wodurch Wärme sehr viel schneller verloren geht.
Was ist Känguruhen und wie hilft es bei einer leichten Unterkühlung?
Känguruhen bezeichnet den direkten Hautkontakt zwischen Kind und Elternteil, meist auf der Brust der Mutter oder des Vaters. Die Körperwärme des Erwachsenen unterstützt dabei die Wiedererwärmung des Kindes auf natürliche Weise.
Welche Anzeichen deuten auf eine Unterkühlung beim Neugeborenen hin?
Kühle, blasse oder bläulich-marmorierte Haut, auffällige Trägheit, vermindertes Schreien und Bewegen sowie ein verschlechtertes Trinkverhalten können auf eine beginnende Unterkühlung hinweisen.
Warum wird bei unterkühlten Neugeborenen auch der Blutzucker kontrolliert?
Weil der Körper bei der Wärmeproduktion vermehrt Energiereserven verbraucht, was bei einer Unterkühlung zu einer Unterzuckerung führen kann, die zusätzlich behandelt werden muss.
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