Vergiftung durch Erdölprodukte
Erdölprodukte sind flüssige Kohlenwasserstoffe wie Benzin, Petroleum, Kerosin, Lampenöl, Grillanzünder und Lösungsmittel. Sie kommen in vielen Haushalten und Werkstätten vor und werden Kindern oft zum Verhängnis, wenn sie in Trinkflaschen umgefüllt oder unverschlossen aufbewahrt werden. Anders als bei vielen anderen Vergiftungen entsteht die Hauptgefahr nicht im Magen, sondern in der Lunge, wenn Tropfen beim Verschlucken oder Erbrechen in die Atemwege gelangen.
Ursachen
Vergiftungen entstehen meist durch versehentliches Trinken, vor allem bei Kleinkindern, durch Ansaugen mit dem Mund beim Umfüllen, das Einatmen der Dämpfe in schlecht belüfteten Räumen oder absichtlichen Missbrauch als Schnüffelstoff. Lampenöl und Grillanzünder sind besonders gefährlich, weil sie geruchs- und farbarm sind und als Getränk verwechselt werden können.
Symptome
Kurz nach dem Verschlucken treten Husten, Würgen, Erbrechen und Brennen im Mund und Rachen auf. Gelangt Flüssigkeit in die Lunge, folgen Atemnot, schnelle Atmung, Fieber und eine chemische Lungenentzündung, oft innerhalb von Stunden. Resorbierte Anteile wirken auf das Nervensystem mit Schwindel, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Verwirrtheit bis zur Bewusstlosigkeit, Herzrhythmusstörungen sind möglich.
Diagnostik
Wichtig sind Art, Menge und Zeitpunkt des Kontakts. Atmung, Sauerstoffsättigung und Bewusstsein werden überwacht, eine Röntgenaufnahme der Lunge zeigt Veränderungen, die erst nach einigen Stunden sichtbar werden können. Blutuntersuchungen und EKG ergänzen die Diagnostik.
Behandlung
Erste Hilfe: Kein Erbrechen auslösen, keine Milch oder Öl geben, Notruf 112 oder Giftnotruf anrufen, Mund ausspülen, Kind aufrecht halten, bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, benetzte Kleidung entfernen und Haut mit Wasser und Seife reinigen. Die Verpackung wird mitgegeben. In der Klinik werden Sauerstoff gegeben, Atmung und Kreislauf überwacht und Lungenentzündung sowie Atemnot behandelt, gegebenenfalls maschinell beatmet. Magenspülung wird nicht routinemäßig durchgeführt.
Verlauf und Prognose
Bei geringer Menge ohne Atemwegsbeteiligung verläuft die Vergiftung meist mild. Ein Eindringen in die Lunge kann zu schwerer Lungenentzündung führen, die meist ausheilt, aber lebensbedrohlich sein kann. Vorbeugend sollten Erdölprodukte kindersicher und nur in Originalbehältern aufbewahrt und nie in Getränkeflaschen umgefüllt werden.
Weiterführende Informationen der Organisation
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Die verlinkten Angebote sind allgemeine Informationsquellen der jeweiligen Organisation, kein Einzelbeleg für jede Aussage dieses Artikels. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Darf ich Erbrechen auslösen?
Nein, dabei kann die Flüssigkeit in die Lunge gelangen und eine schwere Lungenentzündung verursachen.
Soll ich Milch trinken lassen?
Nein, Milch oder Öl helfen nicht und können schaden, stattdessen den Notruf 112 oder Giftnotruf anrufen.
Was ist das Hauptrisiko?
Das Eindringen von Tropfen in die Lunge mit chemischer Lungenentzündung.
Wie beuge ich vor?
Durch kindersichere Aufbewahrung in Originalbehältern und niemals in Getränkeflaschen.
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