Kalziumantagonisten-Vergiftung
Eine Kalziumantagonisten-Vergiftung entsteht durch die Einnahme einer für den Körper zu hohen Menge dieser weit verbreiteten Blutdruck- und Herzmedikamente. Kalziumantagonisten wirken normalerweise gefäßerweiternd und herzentlastend, in hoher Dosis führen sie jedoch zu einem gefährlichen Zusammenbruch des Kreislaufs mit stark erniedrigtem Blutdruck und deutlich verlangsamtem Herzschlag.
Ursachen
Eine Vergiftung entsteht meist durch die absichtliche Einnahme einer großen Menge, häufig in suizidaler Absicht, seltener durch eine versehentliche Überdosierung oder den Zugriff von Kindern auf Medikamente von Angehörigen. Retardierte, langsam freisetzende Präparate sind besonders tückisch, da die volle giftige Wirkung erst mit deutlicher Verzögerung von mehreren Stunden eintreten kann, was die Einschätzung der Gefährdung erschwert.
Symptome
Im Vordergrund stehen ein ausgeprägter Blutdruckabfall und ein deutlich verlangsamter Herzschlag, die zu Schwindel, Bewusstseinstrübung und im schweren Fall zu einem Kreislaufschock führen können. Zusätzlich kann der Blutzuckerspiegel ansteigen, da Kalziumantagonisten auch die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse hemmen. Bei sehr schweren Vergiftungen kann es zu einem vollständigen Kreislaufversagen kommen.
Diagnostik
Ein Elektrokardiogramm und eine kontinuierliche Blutdrucküberwachung sind zentral, um das Ausmaß der Kreislaufbeeinträchtigung zu erfassen. Bluttests zeigen häufig einen erhöhten Blutzuckerspiegel, der als zusätzlicher diagnostischer Hinweis dient. Da retardierte Präparate ihre volle Wirkung erst verzögert entfalten, wird bei diesen eine über viele Stunden verlängerte Überwachung durchgeführt, auch wenn die ersten Symptome zunächst mild erscheinen.
Behandlung
Bei rechtzeitiger Vorstellung kann die Gabe von Aktivkohle die weitere Aufnahme des Medikaments vermindern. Kalzium wird intravenös verabreicht, um die durch die Vergiftung blockierte Kalziumwirkung am Herzen teilweise auszugleichen. Bei schwerem Kreislaufversagen kommen zusätzlich hochdosierte Insulin- und Glukosegaben zum Einsatz, die die Pumpleistung des Herzens gezielt unterstützen können, sowie bei Bedarf kreislaufunterstützende Medikamente und in schweren Fällen mechanische Kreislaufunterstützungssysteme.
Verlauf und Prognose
Bei rechtzeitiger, konsequenter intensivmedizinischer Behandlung überleben die meisten Betroffenen auch eine schwere Kalziumantagonisten-Vergiftung ohne bleibende Schäden. Unbehandelt oder bei sehr hoher eingenommener Menge, insbesondere von retardierten Präparaten, kann die Vergiftung jedoch durch anhaltendes Kreislaufversagen lebensbedrohlich verlaufen. Eine ausreichend lange Überwachung ist wegen der verzögerten Wirkung retardierter Präparate besonders wichtig.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Kalziumantagonisten-Vergiftung: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum sind retardierte Präparate bei dieser Vergiftung besonders gefährlich?
Weil sich ihre volle giftige Wirkung erst mit deutlicher Verzögerung von mehreren Stunden zeigt, was die Gefährdung zunächst unterschätzen lässt.
Warum wird Kalzium als Gegenmaßnahme gegeben?
Weil es die durch die Vergiftung blockierte Kalziumwirkung am Herzen teilweise ausgleichen und die Herzfunktion unterstützen kann.
Warum steigt bei dieser Vergiftung der Blutzucker an?
Weil Kalziumantagonisten auch die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse hemmen, wodurch der Blutzuckerspiegel ansteigt.
Wie wird schweres Kreislaufversagen behandelt?
Mit hochdosierten Insulin- und Glukosegaben zur Unterstützung der Herzpumpleistung sowie bei Bedarf mit kreislaufunterstützenden Medikamenten oder mechanischen Unterstützungssystemen.
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