Crigler-Najjar-Syndrom
Das Crigler-Najjar-Syndrom ist eine seltene, erblich bedingte Störung des Bilirubinstoffwechsels, bei der das Enzym fehlt oder in stark verminderter Menge vorhanden ist, das in der Leber für den Abbau des gelben Blutabbauprodukts Bilirubin notwendig ist. Dadurch reichert sich unverarbeitetes Bilirubin im Blut an und führt zu einer ausgeprägten, dauerhaften Gelbsucht. Man unterscheidet eine schwere Typ-1-Form mit vollständigem Enzymausfall von einer milderen Typ-2-Form mit teilweise erhaltener Enzymfunktion.
Ursachen
Ursächlich ist eine Veränderung im Gen für das Enzym UDP-Glucuronosyltransferase, das normalerweise Bilirubin in eine wasserlösliche, ausscheidbare Form umwandelt. Bei der schweren Typ-1-Form fehlt die Enzymaktivität nahezu vollständig, meist bedingt durch die Vererbung veränderter Genkopien von beiden Elternteilen. Bei der milderen Typ-2-Form ist noch eine geringe Restaktivität des Enzyms vorhanden, wodurch der Bilirubinspiegel weniger stark ansteigt.
Symptome
Das Hauptmerkmal ist eine ausgeprägte, anhaltende Gelbfärbung von Haut und Augenweiß, die bei der schweren Typ-1-Form bereits in den ersten Lebenstagen auffällt und deutlich stärker ausgeprägt ist als eine gewöhnliche Neugeborenengelbsucht. Bei sehr hohen Bilirubinwerten besteht das Risiko einer Schädigung des Gehirns durch das Bilirubin (Kernikterus), die zu bleibenden neurologischen Schäden führen kann. Bei der milderen Typ-2-Form ist die Gelbsucht schwächer ausgeprägt und das Risiko einer Hirnschädigung deutlich geringer.
Diagnostik
Ein deutlich erhöhter unkonjugierter Bilirubinwert im Blut bei ansonsten unauffälligen Leberwerten liefert einen wichtigen Hinweis. Eine genetische Untersuchung des betroffenen Gens sichert die Diagnose und erlaubt die Unterscheidung zwischen der schweren Typ-1- und der milderen Typ-2-Form, was für die Einschätzung des Risikos und die Behandlungsplanung entscheidend ist. Eine testweise Gabe eines bestimmten Medikaments, das die Enzymaktivität anregen kann, hilft ebenfalls, zwischen beiden Formen zu unterscheiden, da nur die Typ-2-Form darauf anspricht.
Behandlung
Bei der schweren Typ-1-Form ist eine tägliche Lichttherapie notwendig, bei der das Bilirubin in der Haut durch bestimmte Wellenlängen des Lichts in eine besser ausscheidbare Form umgewandelt wird; diese Behandlung muss meist lebenslang mehrere Stunden täglich fortgeführt werden. Bei unzureichender Kontrolle oder zunehmender Wirkungslosigkeit der Lichttherapie im Jugendlichenalter ist häufig eine Lebertransplantation notwendig, die das fehlende Enzym dauerhaft ersetzt. Bei der milderen Typ-2-Form kann ein bestimmtes Medikament die vorhandene Restenzymaktivität anregen und den Bilirubinspiegel deutlich senken.
Verlauf und Prognose
Ohne konsequente Behandlung besteht bei der schweren Typ-1-Form ein hohes Risiko für eine bleibende Hirnschädigung durch Bilirubin, besonders im Säuglings- und Kleinkindalter. Mit konsequenter, lebenslanger Lichttherapie oder einer Lebertransplantation lässt sich dieses Risiko deutlich senken und ein weitgehend normales Leben ermöglichen. Die mildere Typ-2-Form hat insgesamt eine bessere Prognose mit geringerem Risiko für schwere Komplikationen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Crigler-Najjar-Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum ist eine Neugeborenengelbsucht bei diesem Syndrom gefährlicher als sonst?
Weil die Bilirubinwerte durch den fehlenden oder stark verminderten Enzymabbau deutlich höher ansteigen können als bei gewöhnlicher, vorübergehender Neugeborenengelbsucht, was das Risiko einer Hirnschädigung erhöht.
Muss man die Lichttherapie wirklich täglich durchführen?
Bei der schweren Typ-1-Form ja, meist lebenslang mehrere Stunden täglich, um den Bilirubinspiegel im sicheren Bereich zu halten, bis gegebenenfalls eine Lebertransplantation erfolgt.
Warum hilft eine Lebertransplantation?
Weil die transplantierte Leber das fehlende Enzym in ausreichender Menge produziert und dadurch den gestörten Bilirubinabbau dauerhaft normalisiert.
Ist die mildere Typ-2-Form genauso gefährlich?
Nein, sie verläuft insgesamt deutlich milder mit geringerem Risiko für eine Hirnschädigung, kann aber ebenfalls eine gezielte Behandlung erfordern.
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