Albinismus
Der Albinismus bezeichnet eine Gruppe erblicher Stoffwechselstörungen, bei denen die Bildung des Hautfarbstoffs Melanin durch eine Veränderung bestimmter, für die Melaninproduktion notwendiger Gene stark vermindert oder vollständig aufgehoben ist, was sich durch eine charakteristisch helle bis vollständig weiße Haut- sowie Haarfarbe sowie eine auffällig helle Augenfarbe äußert. Da das Melanin im gesunden Zustand sowohl eine wichtige Schutzfunktion der Haut vor schädlicher Sonnenstrahlung als auch eine bedeutsame Rolle bei der normalen Entwicklung des Sehsystems während der frühen Kindheit übernimmt, geht der Albinismus neben der auffälligen äußeren Erscheinung stets mit einer deutlich erhöhten Sonnenempfindlichkeit der Haut sowie mit einer meist lebenslang bestehenden, unterschiedlich stark ausgeprägten Sehbeeinträchtigung einher. Der Albinismus wird in mehrere Untertypen unterteilt, die sich hinsichtlich der genauen zugrunde liegenden genetischen Veränderung sowie des Ausmaßes der Pigmentminderung unterscheiden.
Ursachen
Der Albinismus wird durch angeborene Veränderungen bestimmter Gene verursacht, die für die normale Bildung des Hautfarbstoffs Melanin in den dafür zuständigen Zellen der Haut, der Haare sowie der Augen notwendig sind, wobei die verschiedenen bekannten Untertypen des Albinismus jeweils auf Veränderungen unterschiedlicher, an diesem Stoffwechselweg beteiligter Gene zurückgehen. Die Vererbung erfolgt bei den meisten Untertypen autosomal-rezessiv, sodass beide Elternteile eine unauffällige Anlageträgerschaft der veränderten Genvariante aufweisen müssen, damit ein Kind tatsächlich am Albinismus erkrankt, wobei die Eltern selbst in aller Regel keine sichtbaren Anzeichen der Erkrankung zeigen. Eine seltenere Untergruppe des Albinismus wird X-chromosomal vererbt und betrifft daher überwiegend männliche Nachkommen.
Symptome
Der Albinismus äußert sich durch eine charakteristisch stark aufgehellte, häufig vollständig weiße oder blassrosa erscheinende Haut sowie sehr helle, meist weißlich-blonde Haare, wobei das genaue Ausmaß der Pigmentminderung je nach vorliegendem Untertyp der Erkrankung variieren kann. Die Augen zeigen typischerweise eine sehr helle, mitunter bläulich-rötlich erscheinende Iris sowie eine deutliche Sehbeeinträchtigung, die durch eine gestörte Entwicklung der Netzhaut sowie der Sehnervenbahnen während der frühen Kindheit verursacht wird und sich unter anderem durch eine verminderte Sehschärfe, ein unwillkürliches Augenzittern sowie eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit äußert. Aufgrund der stark verminderten Pigmentierung der Haut besteht zudem ein deutlich erhöhtes Risiko für Sonnenbrand sowie für die Entstehung von Hautkrebs bei unzureichendem Sonnenschutz.
Diagnostik
Die Diagnose des Albinismus wird bereits im Säuglings- oder frühen Kindesalter anhand des charakteristischen äußeren Erscheinungsbildes mit stark aufgehellter Haut- sowie Haarfarbe sowie den typischen Augenveränderungen nahegelegt und durch eine augenärztliche Untersuchung, die die charakteristischen Veränderungen der Netzhaut sowie der Sehnervenbahnen nachweist, weiter untermauert. Eine gezielte genetische Untersuchung kann zur endgültigen Bestätigung der Diagnose sowie zur genauen Bestimmung des vorliegenden Untertyps durchgeführt werden, was für die genetische Beratung betroffener Familien von Bedeutung ist. Da bestimmte, sehr seltene Untertypen des Albinismus zusätzlich mit einer erhöhten Blutungsneigung oder einer Immunschwäche einhergehen können, wird bei entsprechendem klinischem Verdacht eine gezielte weiterführende Abklärung empfohlen.
Behandlung
Eine ursächliche Behandlung, die die zugrunde liegende genetische Störung der Melaninbildung beheben könnte, existiert nicht, weshalb sich die Behandlung des Albinismus auf einen konsequenten Schutz vor den beiden Hauptfolgen der Erkrankung, der erhöhten Sonnenempfindlichkeit sowie der Sehbeeinträchtigung, konzentriert. Ein konsequenter, lebenslanger Sonnenschutz mit hochwirksamer Sonnencreme, schützender Kleidung sowie der Vermeidung starker Sonnenexposition ist von zentraler Bedeutung, um Sonnenbrand sowie das erhöhte Hautkrebsrisiko zu minimieren. Die bestehende Sehbeeinträchtigung wird durch eine optimale optische Korrektur mittels Brille oder Kontaktlinsen sowie durch spezielle, stark tönende Brillengläser zur Reduktion der ausgeprägten Lichtempfindlichkeit behandelt, wobei eine frühzeitige augenärztliche sowie sehpädagogische Betreuung betroffener Kinder von großer Bedeutung ist.
Verlauf und Prognose
Die Lebenserwartung von Menschen mit Albinismus ist bei konsequentem Sonnenschutz sowie regelmäßigen dermatologischen Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Hautveränderungen nicht eingeschränkt, wobei ein konsequentes lebenslanges Sonnenschutzverhalten von entscheidender Bedeutung für die langfristige Hautgesundheit ist. Die bestehende Sehbeeinträchtigung bleibt in aller Regel lebenslang bestehen, wobei sich das Sehvermögen durch eine optimale optische Korrektur sowie geeignete sehpädagogische Fördermaßnahmen bei vielen Betroffenen deutlich verbessern lässt und ein weitgehend selbstständiges Leben ermöglicht. Eine offene, unterstützende Begleitung betroffener Kinder sowie ihrer Familien ist angesichts der auffälligen äußeren Erscheinung sowie der bestehenden Sehbeeinträchtigung von großer Bedeutung für eine gute psychosoziale Entwicklung.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Albinismus: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie wird der Albinismus meist vererbt?
Bei den meisten Untertypen autosomal-rezessiv, sodass beide Elternteile eine unauffällige Anlageträgerschaft aufweisen müssen.
Welche zwei Hauptfolgen der verminderten Pigmentierung bestehen?
Eine deutlich erhöhte Sonnenempfindlichkeit der Haut sowie eine meist lebenslang bestehende Sehbeeinträchtigung.
Warum entsteht die Sehbeeinträchtigung?
Durch eine gestörte Entwicklung der Netzhaut sowie der Sehnervenbahnen während der frühen Kindheit.
Was ist die wichtigste vorbeugende Maßnahme?
Ein konsequenter, lebenslanger Sonnenschutz zur Vermeidung von Sonnenbrand sowie Hautkrebs.
Weiterlesen
Erweiterte Tuba auditiva (Tuba-auditiva-Offenstand)
Ein abnorm offen stehender Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Rachenraum, der zu störendem Hören der eigenen Stimme sowie des eigenen Atemgeräuschs führt.
Weiterlesen →Augen & SehkraftOptikusatrophie
Ein dauerhafter, nicht umkehrbarer Untergang von Nervenfasern des Sehnervs, der als Endstrecke verschiedenster Augen- sowie Allgemeinerkrankungen zu bleibendem Sehverlust führt.
Weiterlesen →Augen & SehkraftPurulente Endophthalmitis
Eine seltene, jedoch akut sehbedrohliche bakterielle Infektion der inneren Augenstrukturen, die meist als Komplikation einer Augenoperation oder Verletzung auftritt und sofortige Behandlung erfordert.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.