Zerebrale Sinus- und Venenthrombose
Die zerebrale Sinus- und Venenthrombose bezeichnet die Bildung eines Blutgerinnsels innerhalb der großen venösen Blutleiter, der sogenannten Sinus, oder der kleineren Venen des Gehirns, wodurch der normale Abfluss des venösen Blutes aus dem Gehirn behindert wird. Im Unterschied zum deutlich häufigeren ischämischen Schlaganfall, bei dem eine Arterie verschlossen ist und dadurch ein Hirngebiet nicht mehr mit Blut versorgt wird, führt die venöse Thrombose zu einem Rückstau des Blutes mit erhöhtem Druck in den betroffenen Hirnabschnitten, was sowohl zu einer Schwellung des Hirngewebes als auch zu Einblutungen führen kann. Die Erkrankung betrifft überproportional häufig jüngere Frauen und wird in ihrer Entstehung eng mit bestimmten, das Thromboserisiko erhöhenden Faktoren wie der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel sowie einer Schwangerschaft in Verbindung gebracht.
Ursachen
Die zerebrale Sinus- und Venenthrombose entsteht durch dieselben grundlegenden Mechanismen, die auch anderen venösen Thrombosen im Körper zugrunde liegen, insbesondere eine erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes, eine verlangsamte Fließgeschwindigkeit sowie eine Schädigung der Gefäßinnenwand. Zu den bedeutsamsten Risikofaktoren zählen die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel, eine bestehende Schwangerschaft sowie die Zeit unmittelbar nach einer Entbindung, was die deutlich höhere Betroffenheit junger Frauen erklärt. Eine erblich bedingte oder erworbene Thrombophilie, also eine gesteigerte Neigung zur Blutgerinnselbildung, erhöht das Risiko zusätzlich erheblich. Auch Infektionen im Kopf-Hals-Bereich, insbesondere eine Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung, können sich über anatomisch benachbarte Venen auf die Hirnvenen ausbreiten und dort eine Thrombose auslösen. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt trotz sorgfältiger Abklärung keine eindeutige Ursache erkennbar.
Symptome
Das mit Abstand häufigste Symptom der zerebralen Sinus- und Venenthrombose sind anhaltende, oft zunehmend stärker werdende Kopfschmerzen, die sich in ihrer Charakteristik von gewohnten Kopfschmerzen der betroffenen Person deutlich unterscheiden und sich typischerweise nicht durch übliche Schmerzmittel ausreichend lindern lassen. Begleitend können sich Zeichen eines erhöhten Hirndrucks entwickeln, etwa Übelkeit, Erbrechen sowie Sehstörungen durch eine Schwellung des Sehnervenkopfes. Je nach Lokalisation und Ausdehnung der Thrombose können zusätzlich fokale neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Krampfanfälle auftreten, die einem klassischen Schlaganfall ähneln können, jedoch aufgrund der venösen Ursache ein anderes Verteilungsmuster im Gehirn zeigen. Eine zunehmende Bewusstseinstrübung kann bei ausgeprägter Erkrankung auf einen bedrohlich erhöhten Hirndruck hinweisen.
Diagnostik
Die Diagnose der zerebralen Sinus- und Venenthrombose wird durch eine spezielle, gefäßdarstellende Bildgebung des Gehirns gestellt, meist mittels einer Magnetresonanztomographie mit einer speziellen venösen Gefäßdarstellung, in der sich der fehlende Blutfluss im betroffenen Venenabschnitt direkt nachweisen lässt. Eine Computertomographie mit entsprechender venöser Gefäßdarstellung stellt eine rasch verfügbare Alternative dar, insbesondere in der Akutsituation. Eine Blutuntersuchung auf den sogenannten D-Dimer-Wert, ein Abbauprodukt von Blutgerinnseln, kann bei unauffälligem Ergebnis eine bestehende Thrombose unwahrscheinlich machen, schließt sie jedoch nicht mit letzter Sicherheit aus, weshalb bei fortbestehendem klinischem Verdacht trotz unauffälligem D-Dimer-Wert eine bildgebende Diagnostik erfolgen sollte. Nach Diagnosesicherung wird eine gezielte Abklärung möglicher zugrunde liegender Risikofaktoren, insbesondere einer Thrombophilie, empfohlen.
Behandlung
Die Behandlung der zerebralen Sinus- und Venenthrombose erfolgt, trotz der bei einem Teil der Betroffenen bereits vorliegenden begleitenden Einblutungen in das Hirngewebe, mit einer gerinnungshemmenden Behandlung, da diese die Ausbreitung des Gerinnsels wirksam verhindert und den Blutfluss durch die betroffenen Venen wiederherstellen kann, was heute als Standardbehandlung gilt. Bei ausgeprägtem, bedrohlich erhöhtem Hirndruck können zusätzliche, gezielt hirndrucksenkende Maßnahmen notwendig werden. Bei sehr schwerem Verlauf mit trotz gerinnungshemmender Behandlung fortschreitender Verschlechterung kann in spezialisierten Zentren eine gezielte, über einen Katheter direkt in das Gerinnsel eingebrachte, auflösende Behandlung erwogen werden. Nach der Akutphase wird die gerinnungshemmende Behandlung über mehrere Monate fortgeführt, wobei die genaue Dauer von der zugrunde liegenden Ursache sowie dem individuellen Risiko für ein erneutes Ereignis abhängt.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der zerebralen Sinus- und Venenthrombose ist bei rechtzeitiger Diagnosestellung und konsequenter gerinnungshemmender Behandlung deutlich besser als die des arteriellen ischämischen Schlaganfalls, wobei sich bei der Mehrheit der Betroffenen eine gute bis vollständige Erholung ohne bleibende neurologische Ausfälle einstellt. Ein Teil der Betroffenen behält jedoch bleibende neurologische Beeinträchtigungen, insbesondere bei ausgedehnter Thrombose mit begleitenden größeren Einblutungen. Nach überstandener Erkrankung besteht ein gewisses Risiko für ein erneutes thrombotisches Ereignis, weshalb bei bekannten, vermeidbaren Risikofaktoren, etwa der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel, eine Anpassung dieser Faktoren empfohlen wird. Eine regelmäßige neurologische Nachsorge sowie gegebenenfalls eine erneute bildgebende Kontrolle werden zur Überwachung des Heilungsverlaufs empfohlen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Zerebrale Sinus- und Venenthrombose: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich diese Erkrankung vom klassischen Schlaganfall?
Beim klassischen ischämischen Schlaganfall ist eine Arterie verschlossen, während bei der Sinus- und Venenthrombose der venöse Abfluss des Blutes aus dem Gehirn behindert ist, was zu Rückstau und erhöhtem Druck führt.
Warum sind besonders junge Frauen betroffen?
Wegen des erhöhten Risikos durch die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel sowie durch Schwangerschaft und die Zeit nach der Entbindung.
Ist eine gerinnungshemmende Behandlung nicht gefährlich bei begleitenden Einblutungen?
Trotz möglicher Einblutungen gilt die gerinnungshemmende Behandlung als Standardtherapie, da sie die Ausbreitung des Gerinnsels verhindert und den Blutfluss wiederherstellt.
Welches Symptom tritt am häufigsten auf?
Anhaltende, zunehmend stärker werdende Kopfschmerzen, die sich von gewohnten Kopfschmerzen deutlich unterscheiden.
Weiterlesen
Störungen der Stimme
Verschiedene Veränderungen von Klang, Lautstärke oder Belastbarkeit der Stimme, die von einer vorübergehenden Heiserkeit bis zu einer dauerhaften Stimmlosigkeit reichen können und vielfältige Ursachen haben.
Weiterlesen →SymptomePlötzlicher Kindstod (SIDS)
Der unerwartete, im Schlaf eintretende Tod eines ansonsten gesund erscheinenden Säuglings ohne erkennbare Ursache, dessen Risiko durch bestimmte, gut belegte Vorsichtsmaßnahmen deutlich gesenkt werden kann.
Weiterlesen →SymptomeSprech- und Sprachstörungen
Verschiedene Beeinträchtigungen der Lautbildung oder des Sprachvermögens, die angeboren oder erworben sein können und von leichten Aussprachefehlern bis zu einem vollständigen Verlust der Sprachfähigkeit reichen.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.