Tularämie (Hasenpest)
Die Tularämie, umgangssprachlich auch Hasenpest genannt, ist eine seltene bakterielle Zoonose, verursacht durch das Bakterium Francisella tularensis. Es befällt vor allem wildlebende Nagetiere und Hasenartige und kann auf verschiedenen Wegen auf den Menschen übertragen werden. Je nach Eintrittspforte des Erregers reicht das Krankheitsbild von einer örtlich begrenzten Hautveränderung bis zu einer schweren Lungenentzündung.
Ursachen
Die Übertragung erfolgt meist durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, insbesondere beim Häuten oder Ausnehmen von Hasen und Kaninchen, durch Stiche blutsaugender Insekten wie Zecken oder Bremsen, die zuvor infizierte Tiere gestochen haben, durch den Verzehr von unzureichend erhitztem Wildfleisch oder kontaminiertem Wasser sowie durch das Einatmen erregerhaltigen Staubs, etwa bei landwirtschaftlichen Arbeiten. Jäger, Landwirte und Personen mit häufigem Wildkontakt tragen ein erhöhtes Risiko.
Symptome
Das Krankheitsbild hängt stark vom Übertragungsweg ab: Bei Eintritt über die Haut entsteht meist eine schmerzhafte, langsam heilende Hautveränderung an der Eintrittsstelle zusammen mit einer schmerzhaften Schwellung der nahegelegenen Lymphknoten. Bei Aufnahme über den Mund können Halsschmerzen und eine Mandelentzündung im Vordergrund stehen, bei Einatmen erregerhaltigen Staubs eine Lungenentzündung mit Husten und Atembeschwerden. Fast immer bestehen zusätzlich Fieber, Kopfschmerzen und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl.
Diagnostik
Der direkte Erregernachweis aus einer Gewebeprobe, Lymphknotenpunktion oder Atemwegssekret ist wegen der hohen Ansteckungsgefahr für Laborpersonal nur in spezialisierten Laboren mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen möglich. Häufiger wird die Diagnose durch den Nachweis spezifischer Antikörper im Blut gestellt, wobei diese erst nach ein bis zwei Wochen sicher nachweisbar werden. Eine sorgfältige Anamnese mit Hinweis auf Wild- oder Insektenkontakt ist für die Verdachtsdiagnose besonders wichtig.
Behandlung
Die Tularämie wird mit gezielt wirksamen Antibiotika behandelt, meist über ein bis zwei Wochen, wobei eine frühzeitige Behandlung den Krankheitsverlauf deutlich verkürzt und Komplikationen vorbeugt. Bei ausgeprägter Lymphknotenschwellung mit Einschmelzung kann zusätzlich ein kleiner operativer Eingriff zur Entlastung notwendig werden. Ohne Behandlung heilt die Erkrankung bei einem Teil der Betroffenen zwar auch von selbst aus, das Risiko für einen protrahierten oder schweren Verlauf ist jedoch deutlich erhöht.
Verlauf und Vorbeugung
Mit rechtzeitiger antibiotischer Behandlung ist die Prognose gut, unbehandelt kann die Erkrankung jedoch Wochen bis Monate andauern und in seltenen Fällen schwer verlaufen. Zur Vorbeugung wird empfohlen, beim Umgang mit erlegtem Wild Handschuhe zu tragen, Wildfleisch ausreichend zu erhitzen, sich vor Zecken- und Insektenstichen zu schützen und kein Wasser aus unklaren natürlichen Quellen ohne vorherige Aufbereitung zu trinken.
Quellen & weiterführende Stellen
- Robert Koch-Institut — Tularämie: RKI-Ratgeber
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist Tularämie von Mensch zu Mensch übertragbar?
Nein, eine Übertragung zwischen Menschen ist nicht bekannt, die Ansteckung erfolgt ausschließlich über Kontakt zu infizierten Tieren, deren Ausscheidungen oder vermittelnde Insekten.
Wer sollte beim Umgang mit erlegtem Wild besonders vorsichtig sein?
Jäger und Personen, die Wild ausnehmen oder häuten, sollten Handschuhe tragen und auf sorgfältige Handhygiene achten, um eine Ansteckung über kleine Hautverletzungen zu vermeiden.
Warum ist der direkte Erregernachweis im Labor so aufwendig?
Weil Francisella tularensis hochansteckend ist und schon geringe Mengen eine Infektion des Laborpersonals auslösen können, weshalb der direkte Nachweis besonderen Sicherheitsvorkehrungen unterliegt.
Kann man sich durch Trinkwasser anstecken?
Ja, kontaminiertes Wasser aus natürlichen Quellen kann den Erreger enthalten, weshalb unaufbereitetes Wasser aus unklaren Quellen gemieden werden sollte.
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