Retinale arterielle Verschlüsse (RAV)
Retinale arterielle Verschlüsse bezeichnen den plötzlichen Verschluss einer der die Netzhaut versorgenden Arterien, wodurch der betroffene Netzhautbereich nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und innerhalb kurzer Zeit irreversibel geschädigt werden kann. Je nachdem, ob die zentrale Netzhautarterie oder nur einer ihrer kleineren Äste betroffen ist, wird zwischen einem Zentralarterienverschluss mit meist vollständigem Ausfall des Sehvermögens des betroffenen Auges sowie einem Astarterienverschluss mit einem umschriebenen, auf einen Teil des Gesichtsfeldes begrenzten Sehausfall unterschieden. Da die Netzhaut äußerst empfindlich auf einen Sauerstoffmangel reagiert und bereits nach kurzer Zeit irreversible Schäden entstehen, zählt der retinale arterielle Verschluss zu den absoluten augenärztlichen Notfällen, bei dem jede Minute bis zum Beginn einer Behandlung für den Erhalt des Sehvermögens von Bedeutung sein kann.
Ursachen
Retinale arterielle Verschlüsse entstehen meist durch ein kleines Blutgerinnsel oder einen abgelösten Ablagerungspartikel, der sich in der Blutbahn löst und über den Blutstrom bis in die feinen Netzhautarterien gelangt, wo er das Gefäß verschließt. Die häufigste Ursache solcher Gerinnsel oder Ablagerungen ist eine fortgeschrittene Gefäßverkalkung der großen, zum Kopf führenden Halsschlagadern, von der sich kleinste Partikel lösen und in den Kreislauf des Auges gelangen können. Auch das Herz kann als Ursprungsort solcher Gerinnsel dienen, insbesondere bei Vorliegen von Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder bestimmten Herzklappenerkrankungen. Eine entzündliche Gefäßerkrankung, insbesondere die Riesenzellarteriitis bei älteren Menschen, stellt eine seltenere, jedoch besonders zu beachtende Ursache dar, da sie eine grundlegend andere, dringliche Behandlung erfordert.
Symptome
Der retinale arterielle Verschluss äußert sich durch einen plötzlichen, in aller Regel schmerzlosen Sehverlust des betroffenen Auges, der beim Zentralarterienverschluss das gesamte Gesichtsfeld betrifft und häufig als vollständige Erblindung des Auges wahrgenommen wird, während beim Astarterienverschluss nur ein umschriebener Teil des Gesichtsfeldes ausfällt. Manche Betroffene berichten über vorausgegangene, kurze, von selbst wieder abklingende Episoden eines vorübergehenden Sehverlustes in den Tagen oder Wochen vor dem eigentlichen Ereignis, die als Warnzeichen einer drohenden, endgültigen Gefäßverlegung zu werten sind und eine umgehende Abklärung erfordern sollten. Bei zugrunde liegender Riesenzellarteriitis können zusätzlich Kopfschmerzen im Schläfenbereich, Kieferschmerzen beim Kauen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten.
Diagnostik
Die Diagnose des retinalen arteriellen Verschlusses wird durch eine augenärztliche Untersuchung des Augenhintergrundes gestellt, in der sich die charakteristische, blasse, geschwollene Netzhaut mit einem kirschroten Fleck im Bereich der Stelle des schärfsten Sehens zeigt, ein typisches Bild, das durch die im Vergleich zur übrigen Netzhaut erhaltene Durchblutung dieser zentralen Region entsteht. Eine ergänzende Untersuchung der Blutgefäße mittels Fluoreszenzangiographie kann den genauen Ort des Gefäßverschlusses sowie das Ausmaß der betroffenen Netzhautfläche verdeutlichen. Aufgrund der häufigen zugrunde liegenden Gefäßerkrankung wird umgehend eine Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern sowie eine kardiologische Abklärung, einschließlich einer Herzultraschalluntersuchung sowie eines Langzeit-EKGs, zur Erregung möglicher Herzrhythmusstörungen empfohlen. Bei Verdacht auf eine Riesenzellarteriitis wird umgehend eine gezielte Blutuntersuchung auf Entzündungswerte durchgeführt.
Behandlung
Die Behandlung des retinalen arteriellen Verschlusses muss aufgrund der geringen zeitlichen Reserve, innerhalb derer eine Schädigung der Netzhaut noch teilweise reversibel ist, so rasch wie möglich nach Auftreten der Beschwerden eingeleitet werden, wobei die Erfolgsaussichten mit jeder verstreichenden Stunde deutlich abnehmen. Verschiedene Maßnahmen zur Senkung des Augeninnendrucks sowie zur Erweiterung der Netzhautgefäße können versucht werden, um das verlagerte Gerinnsel weiter in Richtung der kleineren Gefäßäste zu verschieben und dadurch einen größeren, zentralen Netzhautbereich zu erhalten. In spezialisierten Zentren kann in ausgewählten Fällen innerhalb eines engen Zeitfensters eine gerinnselauflösende Behandlung erwogen werden. Bei zugrunde liegender Riesenzellarteriitis ist eine sofortige, hochdosierte Kortisonbehandlung notwendig, um das Risiko einer Erblindung des zweiten Auges zu minimieren.
Verlauf und Prognose
Die Prognose des retinalen arteriellen Verschlusses ist insgesamt eingeschränkt, da sich das Sehvermögen des betroffenen Auges bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen trotz Behandlung nicht oder nur teilweise erholt, was den retinalen arteriellen Verschluss zu einer der ernstesten Ursachen eines dauerhaften Sehverlustes macht. Ein Astarterienverschluss hat aufgrund des auf einen Teil der Netzhaut begrenzten Ausfalls insgesamt eine etwas günstigere Prognose als der vollständige Zentralarterienverschluss. Über den unmittelbaren Sehverlust hinaus weist ein retinaler arterieller Verschluss auf ein erhöhtes Risiko für zukünftige, andere Gefäßereignisse wie einen Schlaganfall oder Herzinfarkt hin, weshalb eine umfassende Abklärung sowie Behandlung der zugrunde liegenden Gefäßerkrankung von großer Bedeutung für die weitere Gesundheit der Betroffenen ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Retinale arterielle Verschlüsse (RAV): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum ist schnelles Handeln bei diesem Sehverlust so wichtig?
Weil die Netzhaut äußerst empfindlich auf Sauerstoffmangel reagiert und bereits nach kurzer Zeit irreversible Schäden entstehen können.
Was ist ein kirschroter Fleck bei der Augenuntersuchung?
Ein charakteristisches Zeichen des Zentralarterienverschlusses, bei dem die zentrale Netzhautregion im Vergleich zur übrigen, blassen Netzhaut auffällig rot erscheint.
Welche Vorwarnzeichen können auftreten?
Kurze, von selbst wieder abklingende Episoden eines vorübergehenden Sehverlustes in den Tagen oder Wochen vor dem eigentlichen Ereignis.
Warum ist die Riesenzellarteriitis als Ursache besonders zu beachten?
Weil sie eine sofortige, hochdosierte Kortisonbehandlung erfordert, um eine Erblindung des zweiten Auges zu verhindern.
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