Postpartale Gerinnungsstörungen
Nach der Geburt eines Kindes durchläuft das mütterliche Gerinnungssystem eine allmähliche Rückbildung der während der Schwangerschaft bestehenden Veränderungen, wobei dieser Übergang mit verschiedenen möglichen Störungen einhergehen kann. Postpartale Gerinnungsstörungen bezeichnen Störungen der Blutgerinnung, die sich nach der Geburt entwickeln oder aus der Schwangerschaft heraus fortbestehen und die je nach genauer Ausprägung sowohl zu einer erhöhten Blutungsneigung als auch, im Gegenteil, zu einem erhöhten Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln führen können.
Ursachen
Postpartale Gerinnungsstörungen können verschiedene Ursachen haben. Nach einer während der Geburt aufgetretenen, ausgeprägten Blutung kann sich eine erschöpfte Gerinnungsreserve entwickeln, bei der die körpereigenen Gerinnungsfaktoren aufgebraucht sind und dadurch eine anhaltende Blutungsneigung besteht. Umgekehrt bleibt das während der Schwangerschaft erhöhte Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln auch nach der Geburt noch für einige Wochen bestehen, insbesondere bei Frauen mit zusätzlichen Risikofaktoren wie einer eingeschränkten Beweglichkeit nach einer Schnittentbindung. Seltener liegt einer postpartalen Gerinnungsstörung eine bereits vor der Schwangerschaft bestehende, bislang unerkannte Gerinnungserkrankung zugrunde.
Symptome
Die Symptomatik richtet sich nach der Art der vorliegenden Gerinnungsstörung. Bei einer erhöhten Blutungsneigung kann sich eine ungewöhnlich starke oder anhaltende Blutung im Wochenbett zeigen, die über das übliche Ausmaß der normalen Wochenflussblutung hinausgeht. Bei einem erhöhten Risiko für Blutgerinnsel können sich Anzeichen einer tiefen Venenthrombose, etwa eine einseitige Beinschwellung mit Schmerzen, oder in schwereren Fällen Anzeichen einer Lungenembolie, etwa eine plötzliche Atemnot, zeigen.
Diagnostik
Die Diagnostik richtet sich nach der Art der vermuteten Gerinnungsstörung. Bei Verdacht auf eine erhöhte Blutungsneigung erfolgt eine gezielte Untersuchung der Gerinnungswerte im Blut, um das Ausmaß der Störung einzuschätzen. Bei Verdacht auf ein erhöhtes Thromboserisiko mit entsprechenden Beschwerden erfolgt eine Ultraschalluntersuchung der betroffenen Venen. Eine sorgfältige Erfassung des Geburtsverlaufs, insbesondere eines möglichen Blutverlusts während der Geburt, ist wichtiger Bestandteil der Abklärung, um die Ursache der Gerinnungsstörung besser einordnen zu können.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich individuell nach der Art der vorliegenden Gerinnungsstörung. Bei einer erschöpften Gerinnungsreserve mit anhaltender Blutungsneigung erfolgt eine gezielte Substitution der fehlenden Gerinnungsfaktoren, bei ausgeprägtem Blutverlust gegebenenfalls ergänzt durch eine Bluttransfusion. Bei einem erhöhten Risiko für Blutgerinnsel wird je nach individuellem Risikoprofil eine vorbeugende oder, bei bereits eingetretener Thrombose, eine gezielte gerinnungshemmende Behandlung eingeleitet, wobei auf eine für die Stillzeit geeignete Medikation geachtet wird.
Verlauf und Prognose
Bei rechtzeitiger Erkennung und gezielter Behandlung ist die Prognose postpartaler Gerinnungsstörungen in aller Regel gut. Eine erschöpfte Gerinnungsreserve normalisiert sich bei den meisten Frauen innerhalb weniger Tage nach der Geburt wieder. Das erhöhte Thromboserisiko bildet sich im Verlauf der folgenden Wochen nach der Geburt allmählich zurück, wobei die genaue Dauer der erhöhten Risikoperiode individuell unterschiedlich sein kann. Eine aufmerksame Beobachtung möglicher Beschwerden im Wochenbett sowie eine rechtzeitige ärztliche Vorstellung bei Auffälligkeiten sind für eine günstige Prognose von Bedeutung.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Wochenbett: Ablauf, Beschwerden, Betreuung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Können nach der Geburt sowohl eine erhöhte Blutungsneigung als auch ein erhöhtes Thromboserisiko bestehen?
Ja, je nach genauer Ausprägung der Gerinnungsstörung kann sowohl das eine als auch das andere im Vordergrund stehen.
Warum kann sich nach einer starken Geburtsblutung eine Blutungsneigung entwickeln?
Die körpereigenen Gerinnungsfaktoren können durch den Blutverlust erschöpft sein, wodurch eine anhaltende Blutungsneigung entstehen kann.
Wie lange bleibt das Thromboserisiko nach der Geburt erhöht?
Das während der Schwangerschaft erhöhte Risiko bleibt auch nach der Geburt noch für einige Wochen bestehen, die genaue Dauer ist individuell unterschiedlich.
Worauf sollte im Wochenbett geachtet werden?
Auf eine ungewöhnlich starke oder anhaltende Blutung sowie auf Anzeichen einer Beinvenenthrombose wie eine einseitige Schwellung mit Schmerzen.
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