Postmyokardinfarkt-Syndrom
Das Postmyokardinfarkt-Syndrom, auch als Dressler-Syndrom bezeichnet, ist eine entzündliche Reaktion des Herzbeutels sowie mitunter des Rippenfells, die typischerweise einige Wochen bis wenige Monate nach einem Herzinfarkt auftritt und auf eine fehlgeleitete, autoimmune Reaktion des Körpers gegen das eigene, durch den Infarkt geschädigte Herzmuskelgewebe zurückgeführt wird. Im Unterschied zu den unmittelbaren Komplikationen eines Herzinfarkts, die sich innerhalb der ersten Tage entwickeln, tritt das Postmyokardinfarkt-Syndrom mit einer charakteristischen zeitlichen Verzögerung auf und kann durch die dabei auftretenden erneuten Brustschmerzen zunächst fälschlicherweise als erneuter Herzinfarkt fehlgedeutet werden, obwohl der zugrunde liegende Mechanismus ein grundlegend anderer ist.
Ursachen
Dem Postmyokardinfarkt-Syndrom liegt eine autoimmune Reaktion des Körpers zugrunde, bei der das körpereigene Immunsystem gegen Bestandteile des durch den vorausgegangenen Herzinfarkt geschädigten Herzmuskelgewebes gerichtete Antikörper bildet. Diese Antikörper, die ursprünglich im Rahmen der normalen Aufräumreaktion nach dem Infarkt gegen abgestorbenes Herzmuskelgewebe entstehen, können bei einem Teil der Betroffenen zusätzlich das gesunde Gewebe des Herzbeutels sowie mitunter des Rippenfells angreifen und dort eine entzündliche Reaktion auslösen. Das Syndrom kann nicht nur nach einem klassischen Herzinfarkt, sondern auch nach anderen Verletzungen des Herzmuskels, etwa im Rahmen einer Herzoperation, auftreten, was auf einen gemeinsamen, dem geschädigten Herzmuskelgewebe zugrunde liegenden auslösenden Mechanismus hindeutet. Seit der Einführung moderner, rasch wiedereröffnender Behandlungsverfahren beim akuten Herzinfarkt ist das Postmyokardinfarkt-Syndrom insgesamt deutlich seltener geworden.
Symptome
Das Postmyokardinfarkt-Syndrom äußert sich typischerweise durch erneut auftretende Brustschmerzen, die sich im Unterschied zu den Schmerzen des ursprünglichen Herzinfarkts häufig durch Einatmen, Husten oder eine Änderung der Körperlage verstärken, was auf die entzündliche Beteiligung des Herzbeutels hinweist. Begleitend entwickelt sich häufig Fieber sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl, das dem Bild eines fieberhaften Infekts ähneln kann. Bei Beteiligung des Rippenfells können zusätzlich atemabhängige Schmerzen im Bereich des Brustkorbs auftreten. Eine Ansammlung von entzündlicher Flüssigkeit im Herzbeutel, ein sogenannter Perikarderguss, kann sich entwickeln und bei ausgeprägter Menge zu einer Beeinträchtigung der Herzfunktion führen, was in seltenen, schweren Fällen eine dringliche Behandlung erforderlich macht.
Diagnostik
Die Diagnose des Postmyokardinfarkt-Syndroms wird durch die charakteristische zeitliche Abfolge nach einem vorausgegangenen Herzinfarkt in Kombination mit dem klinischen Beschwerdebild sowie erhöhten Entzündungswerten im Blut gestellt. Eine Echokardiographie dient dem Nachweis sowie der Beurteilung eines möglichen Perikardergusses sowie dem Ausschluss anderer, ernsterer Komplikationen des Herzens. Ein Elektrokardiogramm kann charakteristische, für eine Herzbeutelentzündung typische Veränderungen zeigen, die sich von den Veränderungen eines erneuten Herzinfarkts unterscheiden lassen, was für die richtige Einordnung der Beschwerden von großer Bedeutung ist. Da die erneuten Brustschmerzen zunächst den dringenden Verdacht auf einen erneuten Herzinfarkt nahelegen können, wird dieser durch eine gezielte Bestimmung der spezifischen Herzmuskelmarker im Blut sorgfältig ausgeschlossen.
Behandlung
Die Behandlung des Postmyokardinfarkt-Syndroms erfolgt in erster Linie mit entzündungshemmenden Medikamenten, die die zugrunde liegende autoimmune Entzündungsreaktion des Herzbeutels wirksam lindern und bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen zu einer raschen Besserung der Beschwerden führen. Bei unzureichendem Ansprechen auf diese Behandlung oder bei besonders ausgeprägten Beschwerden kann ergänzend eine Kortisonbehandlung eingesetzt werden. Ein größerer, die Herzfunktion beeinträchtigender Perikarderguss kann eine gezielte Entlastung durch eine Punktion des Herzbeutels erforderlich machen. Da die Erkrankung zu Rückfällen neigen kann, wird die entzündungshemmende Behandlung häufig über mehrere Wochen fortgeführt und erst nach Rückgang der Entzündungswerte sowie der Beschwerden schrittweise reduziert.
Verlauf und Prognose
Die Prognose des Postmyokardinfarkt-Syndroms ist bei rechtzeitiger Diagnosestellung und gezielter entzündungshemmender Behandlung bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen gut, wobei sich die Beschwerden innerhalb weniger Wochen vollständig zurückbilden. Ein Teil der Betroffenen erlebt jedoch einen oder mehrere Rückfälle der Entzündung, insbesondere wenn die Behandlung zu früh beendet wird, weshalb eine ausreichend lange Fortführung der Therapie sowie eine sorgfältige, schrittweise Reduktion der Medikamente wichtig sind. In seltenen, schweren Fällen mit ausgeprägtem Perikarderguss kann die Erkrankung zu einer bedrohlichen Beeinträchtigung der Herzfunktion führen, die eine dringliche Behandlung erfordert. Insgesamt hat die Einführung moderner Herzinfarktbehandlungsverfahren dazu beigetragen, dass das Postmyokardinfarkt-Syndrom heute seltener sowie insgesamt milder verläuft als in früheren Jahrzehnten.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Postmyokardinfarkt-Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wann tritt das Postmyokardinfarkt-Syndrom typischerweise auf?
Einige Wochen bis wenige Monate nach einem Herzinfarkt, mit einer charakteristischen zeitlichen Verzögerung.
Handelt es sich um einen erneuten Herzinfarkt?
Nein, es handelt sich um eine autoimmune Entzündungsreaktion des Herzbeutels, auch wenn die Brustschmerzen zunächst so gedeutet werden könnten.
Woran unterscheiden sich die Schmerzen von einem Herzinfarkt?
Sie verstärken sich häufig durch Einatmen, Husten oder eine Änderung der Körperlage, was auf die entzündliche Beteiligung des Herzbeutels hinweist.
Kann die Erkrankung erneut auftreten?
Ja, ein Teil der Betroffenen erlebt einen oder mehrere Rückfälle, insbesondere wenn die Behandlung zu früh beendet wird.
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