Hintere Kreuzbandruptur
Die hintere Kreuzbandruptur bezeichnet einen Riss des hinteren Kreuzbandes, das gemeinsam mit dem vorderen Kreuzband im Inneren des Kniegelenks für dessen Stabilität bei Dreh- und Verschiebebewegungen sorgt, jedoch im Unterschied zum vorderen Kreuzband insbesondere ein Verschieben des Schienbeinkopfes nach hinten gegenüber dem Oberschenkelknochen verhindert. Sie tritt deutlich seltener auf als die vordere Kreuzbandruptur und entsteht typischerweise durch andere Verletzungsmechanismen, insbesondere eine direkte Gewalteinwirkung auf den vorderen Bereich des Schienbeinkopfes bei gebeugtem Knie, wie sie klassischerweise beim Aufprall des Knies auf das Armaturenbrett im Rahmen eines Verkehrsunfalls auftritt. Aufgrund ihrer selteneren Häufigkeit sowie ihres oft weniger dramatischen initialen Beschwerdebildes wird die hintere Kreuzbandruptur im Vergleich zur vorderen Form häufiger übersehen oder verzögert diagnostiziert.
Ursachen
Die häufigste Ursache der hinteren Kreuzbandruptur ist eine direkte Gewalteinwirkung auf den vorderen Bereich des Schienbeinkopfes bei gebeugtem Kniegelenk, wie sie typischerweise beim Aufprall des Knies auf das Armaturenbrett im Rahmen eines Verkehrsunfalls entsteht, weshalb diese Verletzung gelegentlich auch als Armaturenbrettverletzung bezeichnet wird. Eine weitere häufige Ursache ist ein Sturz auf das gebeugte Kniegelenk bei nach unten gerichtetem Fuß, wie er etwa bei bestimmten Sportarten oder beim Sturz von einer Leiter auftreten kann. Im Unterschied zur vorderen Kreuzbandruptur entsteht die hintere Form seltener durch reine Dreh- oder Abbremsbewegungen ohne direkte Krafteinwirkung, sondern erfordert meist eine deutlichere, direkte Gewalt gegen das gebeugte Kniegelenk. Bei ausgeprägter Gewalteinwirkung treten häufig gleichzeitig weitere Verletzungen anderer Bandstrukturen des Kniegelenks auf.
Symptome
Die hintere Kreuzbandruptur verursacht im Vergleich zur vorderen Kreuzbandruptur häufig weniger dramatische, zunächst mildere Beschwerden, was die Erkennung der Verletzung erschweren kann. Betroffene berichten über Schmerzen sowie eine Schwellung im hinteren Kniebereich, die jedoch mitunter geringer ausgeprägt sind als bei anderen schweren Kniegelenkverletzungen. Ein Instabilitätsgefühl des Kniegelenks entwickelt sich häufig erst allmählich und äußert sich insbesondere beim Treppabsteigen oder bei Bewegungen, die eine Belastung des Knies in gebeugter Stellung erfordern, wobei viele Betroffene die Beschwerden zunächst nicht eindeutig einer Kreuzbandverletzung zuordnen. Bei begleitenden Verletzungen weiterer Bandstrukturen des Kniegelenks können sich zusätzliche, ausgeprägtere Instabilitätsbeschwerden in verschiedene Richtungen zeigen.
Diagnostik
Die Diagnose der hinteren Kreuzbandruptur wird durch eine körperliche Untersuchung des Kniegelenks gestellt, bei der ein spezieller Untersuchungstest, der sogenannte hintere Schubladentest, eine vermehrte Verschiebbarkeit des Schienbeinkopfes gegenüber dem Oberschenkelknochen nach hinten aufdeckt, was auf den fehlenden stabilisierenden Halt des gerissenen hinteren Kreuzbandes hinweist. Eine Magnetresonanztomographie des Kniegelenks bestätigt die Diagnose durch die direkte Darstellung des gerissenen Bandes und ist von besonderer Bedeutung, um begleitende Verletzungen weiterer Bandstrukturen zu erfassen, die bei dieser Verletzung häufiger vorkommen als bei einer isolierten vorderen Kreuzbandruptur. Aufgrund des häufig unauffälligeren klinischen Erscheinungsbildes wird bei entsprechendem Unfallmechanismus, insbesondere nach einem Verkehrsunfall mit Aufprall des Knies, auch bei nur geringen Beschwerden eine gezielte Untersuchung des hinteren Kreuzbandes empfohlen.
Behandlung
Die Behandlung der hinteren Kreuzbandruptur erfolgt bei den meisten Betroffenen zunächst konservativ, da das hintere Kreuzband im Vergleich zum vorderen Kreuzband ein größeres Potenzial zur spontanen Heilung sowie zur funktionellen Kompensation durch die umgebende Muskulatur aufweist. Eine gezielte physiotherapeutische Behandlung zur Kräftigung der kniestreckenden Oberschenkelmuskulatur, die die fehlende Stabilisierungsfunktion des gerissenen Bandes teilweise übernehmen kann, steht dabei im Vordergrund. Eine operative Rekonstruktion des hinteren Kreuzbandes wird nur bei ausgeprägter, durch konservative Maßnahmen nicht ausreichend kompensierbarer Instabilität, bei begleitenden Verletzungen weiterer Bandstrukturen des Kniegelenks oder bei besonders hohen sportlichen Ansprüchen des Betroffenen erwogen, wobei der operative Eingriff technisch anspruchsvoller ist als die Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der isolierten hinteren Kreuzbandruptur ist bei konsequenter konservativer Behandlung insgesamt gut, wobei viele Betroffene durch eine ausreichende muskuläre Kompensation eine zufriedenstellende Kniefunktion ohne wesentliche Beeinträchtigung des Alltags erreichen. Bei begleitenden Verletzungen weiterer Bandstrukturen des Kniegelenks ist die Prognose deutlich abhängig vom Ausmaß der gesamten Verletzung sowie von der Notwendigkeit einer umfassenderen operativen Versorgung. Eine unbehandelte, ausgeprägte Instabilität des Kniegelenks kann langfristig zu einer erhöhten Belastung des Gelenkknorpels sowie zu einer vorzeitigen Entwicklung einer Gonarthrose beitragen, weshalb auch bei zunächst mild erscheinenden Beschwerden nach einer entsprechenden Verletzung eine sorgfältige Abklärung sowie eine angemessene Nachbehandlung empfohlen werden.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hintere Kreuzbandruptur: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum wird diese Verletzung auch als Armaturenbrettverletzung bezeichnet?
Weil sie klassischerweise durch den Aufprall des gebeugten Knies auf das Armaturenbrett im Rahmen eines Verkehrsunfalls entsteht.
Warum wird die hintere Kreuzbandruptur häufiger übersehen?
Weil sie im Vergleich zur vorderen Kreuzbandruptur oft weniger dramatische, zunächst mildere Beschwerden verursacht.
Wird diese Verletzung meist operiert?
In der Regel nicht, da das hintere Kreuzband ein größeres Potenzial zur spontanen Heilung sowie zur muskulären Kompensation aufweist als das vordere Kreuzband.
Wann wird eine Operation dennoch erwogen?
Bei ausgeprägter, nicht ausreichend kompensierbarer Instabilität, begleitenden Verletzungen weiterer Bandstrukturen oder besonders hohen sportlichen Ansprüchen.
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