Gonarthrose
Die Gonarthrose bezeichnet den fortschreitenden Verschleiß des Kniegelenks, bei dem sich der schützende Gelenkknorpel zwischen Oberschenkelknochen, Schienbein und Kniescheibe allmählich abnutzt, wodurch die Belastbarkeit sowie die reibungslose Beweglichkeit des Kniegelenks zunehmend beeinträchtigt werden. Sie zählt zu den häufigsten Gelenkerkrankungen überhaupt und betrifft aufgrund der komplexen mechanischen Beanspruchung des Kniegelenks im Alltag besonders häufig ältere sowie übergewichtige Menschen. Ähnlich wie bei der Koxarthrose des Hüftgelenks wird auch bei der Gonarthrose zwischen einer primären Form ohne erkennbare zugrunde liegende Ursache und einer sekundären Form infolge vorbestehender Fehlstellungen, Verletzungen oder anderer Erkrankungen des Kniegelenks unterschieden.
Ursachen
Die primäre Gonarthrose entsteht durch ein Zusammenwirken altersbedingter Abnutzungsprozesse des Gelenkknorpels mit einer über Jahre anhaltenden mechanischen Belastung des Kniegelenks, wobei starkes Übergewicht aufgrund der direkten Gewichtsbelastung des Kniegelenks einen besonders bedeutsamen Risikofaktor darstellt. Eine genetische Veranlagung sowie das weibliche Geschlecht werden ebenfalls mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko in Verbindung gebracht. Die sekundäre Gonarthrose entwickelt sich häufig infolge einer angeborenen oder erworbenen X- oder O-Bein-Fehlstellung, die zu einer ungleichmäßigen Belastung des Gelenkknorpels führt, sowie nach vorausgegangenen Meniskus- oder Kreuzbandverletzungen, die die normale Gelenkmechanik dauerhaft verändern können. Auch entzündliche Gelenkerkrankungen sowie eine wiederholte, berufsbedingte kniebelastende Tätigkeit, etwa häufiges Knien oder Hocken, können zur Entstehung einer sekundären Gonarthrose beitragen.
Symptome
Die Gonarthrose äußert sich zunächst durch einen belastungsabhängigen Kniegelenkschmerz, der sich insbesondere beim Treppensteigen, längerem Gehen oder Aufstehen aus dem Sitzen bemerkbar macht, sowie durch einen charakteristischen Anlaufschmerz nach längerer Ruhephase, der sich nach kurzer Bewegung zunächst bessert. Im weiteren Verlauf können sich wiederkehrende Schwellungen des Kniegelenks entwickeln, die durch eine reizbedingte, vermehrte Bildung von Gelenkflüssigkeit entstehen. Ein knirschendes oder reibendes Gefühl im Kniegelenk bei Bewegung, das sogenannte Krepitieren, wird von vielen Betroffenen ebenfalls wahrgenommen. Im fortgeschrittenen Stadium nimmt die Beweglichkeit des Kniegelenks zunehmend ab, und eine bestehende Beinachsenfehlstellung kann sich durch den fortschreitenden, ungleichmäßigen Knorpelverlust weiter verstärken.
Diagnostik
Die Diagnose der Gonarthrose wird durch eine Kombination aus der klinischen Untersuchung, bei der die Beweglichkeit, eine mögliche Beinachsenfehlstellung sowie eine Schwellung des Kniegelenks beurteilt werden, sowie einer Röntgenaufnahme des Kniegelenks im Stehen gestellt, in der sich die charakteristische Verschmälerung des Gelenkspalts sowie knöcherne Anbauten am Gelenkrand darstellen lassen. Eine Aufnahme im Stehen unter Belastung des Gelenks ist dabei aussagekräftiger als eine Aufnahme im Liegen, da sich die tatsächliche, belastungsabhängige Verschmälerung des Gelenkspalts so besser beurteilen lässt. Eine Magnetresonanztomographie wird bei speziellen Fragestellungen eingesetzt, etwa zur genaueren Beurteilung begleitender Meniskusschäden oder bei unklarem klinischem Befund, ist für die alleinige Diagnose der Gonarthrose jedoch in aller Regel nicht notwendig.
Behandlung
Die Behandlung der Gonarthrose erfolgt zunächst überwiegend konservativ, wobei eine gezielte Physiotherapie zur Kräftigung der kniestabilisierenden Muskulatur, insbesondere des Quadrizepsmuskels, eine zentrale Rolle spielt und die Belastung des geschädigten Knorpels reduzieren kann. Eine Gewichtsreduktion bei bestehendem Übergewicht ist aufgrund der direkten Entlastung des Kniegelenks von besonderer Bedeutung. Schmerzlindernde sowie entzündungshemmende Medikamente werden bei Bedarf eingesetzt, und eine speziell angepasste Schuhversorgung oder Kniebandage kann die Beschwerden bei manchen Betroffenen zusätzlich lindern. Bei fortgeschrittener Erkrankung mit erheblichen, durch konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichend beherrschbaren Schmerzen wird ein künstlicher Kniegelenkersatz erwogen, der je nach Ausmaß der Gelenkschädigung als teilweiser oder vollständiger Ersatz des Kniegelenks durchgeführt werden kann.
Verlauf und Prognose
Die Gonarthrose verläuft in aller Regel chronisch fortschreitend, wobei die Geschwindigkeit des Fortschreitens stark von individuellen Faktoren wie Körpergewicht, körperlicher Belastung sowie dem Vorliegen einer Beinachsenfehlstellung abhängt. Durch konsequente konservative Maßnahmen, insbesondere Gewichtsreduktion und gezieltes Muskeltraining, kann das Fortschreiten der Erkrankung in frühen bis mittleren Stadien häufig deutlich verlangsamt und die Beschwerden gelindert werden. Nach einem künstlichen Kniegelenkersatz ist die Prognose hinsichtlich Schmerzfreiheit bei den meisten Betroffenen gut, wobei die vollständige Wiedererlangung der ursprünglichen Beweglichkeit und Belastbarkeit im Vergleich zum Hüftgelenkersatz mitunter etwas länger dauert und eine konsequente Nachbehandlung durch Physiotherapie erfordert. Eine langfristige orthopädische Verlaufskontrolle wird allen Betroffenen empfohlen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Gonarthrose: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Welcher Faktor beeinflusst die Gonarthrose besonders stark?
Starkes Übergewicht, da es das Kniegelenk direkt und dauerhaft mechanisch belastet.
Warum ist eine Röntgenaufnahme im Stehen aussagekräftiger?
Weil sich die tatsächliche, belastungsabhängige Verschmälerung des Gelenkspalts so besser beurteilen lässt als im Liegen.
Was ist Krepitieren?
Ein knirschendes oder reibendes Gefühl im Kniegelenk bei Bewegung, das viele Betroffene wahrnehmen.
Kann eine Beinachsenfehlstellung die Erkrankung verstärken?
Ja, sie kann sich durch den fortschreitenden, ungleichmäßigen Knorpelverlust im Krankheitsverlauf weiter verstärken.
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