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Innere Medizin

Kniegelenkluxation

Die Kniegelenkluxation bezeichnet eine vollständige Verrenkung des Kniegelenks, bei der sich der Oberschenkelknochen und der Schienbeinkopf gegeneinander verschieben, sodass die normale Gelenkstellung vollständig aufgehoben ist. Im Unterschied zur deutlich häufigeren Patellaluxation, bei der lediglich die Kniescheibe aus ihrer Führung springt, betrifft die Kniegelenkluxation das gesamte Gelenk und ist stets mit einer schwerwiegenden Verletzung mehrerer der das Kniegelenk stabilisierenden Bänder verbunden. Aufgrund der unmittelbaren anatomischen Nachbarschaft wichtiger Blutgefäße und Nerven zum Kniegelenk gilt die Kniegelenkluxation als einer der bedrohlichsten Notfälle der Unfallchirurgie, bei dem eine begleitende Verletzung der Kniekehlenarterie oder der versorgenden Nerven zu einer akuten Gefährdung des gesamten Beins führen kann.

Ursachen

Die Kniegelenkluxation entsteht durch eine massive Gewalteinwirkung auf das Kniegelenk, wie sie typischerweise bei Verkehrsunfällen, Stürzen aus großer Höhe oder schweren Sportverletzungen mit direkter Gewalteinwirkung auf das gebeugte oder gestreckte Kniegelenk auftritt. Aufgrund der erheblichen Krafteinwirkung, die notwendig ist, um das stabile Kniegelenk vollständig aus seiner Führung zu verrenken, reißen bei diesem Verletzungsmuster regelhaft mehrere der zentralen Kniebänder, insbesondere das vordere und hintere Kreuzband sowie häufig zusätzlich die seitlichen Kollateralbänder. Bei stark übergewichtigen Menschen kann in selteneren Fällen bereits eine vergleichsweise geringere Krafteinwirkung, etwa ein einfacher Sturz beim Gehen, zu einer Kniegelenkluxation führen, da das übermäßige Körpergewicht die notwendige Schwelle für eine vollständige Verrenkung des Gelenks deutlich herabsetzt.

Symptome

Die Kniegelenkluxation äußert sich durch eine deutlich sichtbare, grobe Fehlstellung des Kniegelenks mit starken Schmerzen sowie einer vollständigen Funktionsunfähigkeit des betroffenen Beins. Bei einem Teil der Betroffenen springt das Gelenk bereits am Unfallort spontan oder durch Ersthelfer wieder in eine annähernd normale Position zurück, sodass die ursprüngliche Fehlstellung bei der ärztlichen Erstuntersuchung mitunter nicht mehr sichtbar ist, was die Erkennung dieser schweren Verletzung erschweren kann. Von entscheidender Bedeutung ist die sorgfältige Überprüfung der Durchblutung sowie der Nervenfunktion des betroffenen Unterschenkels und Fußes, da eine begleitende Verletzung der Kniekehlenarterie zu einer kühlen, blassen Haut, einem abgeschwächten oder fehlenden Puls sowie starken Schmerzen im Unterschenkel führen kann, während eine begleitende Nervenschädigung Gefühlsstörungen oder eine Lähmung der Fußhebung verursachen kann.

Diagnostik

Nach der klinischen Erstuntersuchung mit besonderem Augenmerk auf die Durchblutung und Nervenfunktion des betroffenen Beins wird bei jeder Kniegelenkluxation umgehend eine bildgebende Diagnostik der Blutgefäße durchgeführt, meist mittels einer Computertomographie mit Kontrastmittel, um eine begleitende Verletzung der Kniekehlenarterie sicher nachzuweisen oder auszuschließen, da diese Untersuchung aufgrund der hohen Dringlichkeit nicht verzögert werden darf. Eine Röntgenaufnahme des Kniegelenks dient der Beurteilung der knöchernen Strukturen sowie möglicher begleitender Brüche. Eine Magnetresonanztomographie wird im weiteren Verlauf zur genauen Beurteilung des Ausmaßes der Bandverletzungen eingesetzt, die für die Planung der operativen Behandlung von entscheidender Bedeutung ist.

Behandlung

Die Kniegelenkluxation stellt einen unfallchirurgischen Notfall dar, bei dem umgehend eine Reposition des Gelenks in seine normale Stellung sowie eine sofortige Überprüfung und Sicherstellung der Durchblutung des betroffenen Beins erfolgen muss. Wird eine begleitende Verletzung der Kniekehlenarterie festgestellt, ist eine unmittelbare gefäßchirurgische Behandlung notwendig, um eine drohende, irreversible Schädigung des Beins durch die unterbrochene Blutversorgung zu verhindern. Nach Abklingen der akuten Schwellung wird die Verletzung der zerrissenen Kniebänder in der Regel operativ mittels einer Rekonstruktion oder Naht der betroffenen Bandstrukturen behandelt, wobei der genaue Zeitpunkt dieser Operation von der individuellen Situation sowie dem Ausmaß begleitender Verletzungen abhängt. Eine anschließende, strukturierte physiotherapeutische Rehabilitation über mehrere Monate ist für die Wiederherstellung der Kniefunktion von zentraler Bedeutung.

Verlauf und Prognose

Die Prognose der Kniegelenkluxation hängt entscheidend vom Vorliegen und der rechtzeitigen Behandlung einer begleitenden Gefäßverletzung ab, da eine unerkannte oder verzögert behandelte Schädigung der Kniekehlenarterie zu einer bleibenden Schädigung des Beins bis hin zu einer notwendigen Amputation führen kann, weshalb dieser Aspekt der Behandlung höchste Priorität besitzt. Bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung einer Gefäßverletzung sowie erfolgreicher Rekonstruktion der geschädigten Bänder ist eine funktionelle Wiederherstellung des Kniegelenks bei einem erheblichen Teil der Betroffenen möglich, wenngleich eine vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen sportlichen Leistungsfähigkeit aufgrund der Schwere der Verletzung nicht bei allen Betroffenen gelingt. Eine langfristige Nachsorge zur Überwachung der Kniefunktion sowie möglicher später auftretender Knorpelschäden wird bei allen Betroffenen empfohlen.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum gilt die Kniegelenkluxation als besonders gefährlich?

Weil aufgrund der unmittelbaren anatomischen Nachbarschaft ein hohes Risiko für eine begleitende Verletzung der Kniekehlenarterie besteht, die das gesamte Bein gefährden kann.

Kann die Fehlstellung des Kniegelenks bei der Untersuchung bereits wieder verschwunden sein?

Ja, das Gelenk kann bereits am Unfallort spontan zurückspringen, was die Erkennung der schweren Verletzung erschweren kann.

Welche Untersuchung ist bei Verdacht auf eine Kniegelenkluxation besonders dringlich?

Eine bildgebende Untersuchung der Blutgefäße, meist eine Computertomographie mit Kontrastmittel, zum Ausschluss einer Gefäßverletzung.

Sind bei dieser Verletzung immer mehrere Bänder betroffen?

Ja, aufgrund der erheblichen Krafteinwirkung, die für eine vollständige Verrenkung notwendig ist, reißen regelhaft mehrere der zentralen Kniebänder.

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