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Orthopädie & Bewegungsapparat

Kalzifikation und Ossifikation von Muskeln

Kalzifikation und Ossifikation von Muskeln bezeichnen die Bildung von Kalkablagerungen beziehungsweise von echtem, ausgereiftem Knochengewebe innerhalb der Muskulatur, an einer Stelle, an der normalerweise kein Knochen vorhanden ist. Am häufigsten entsteht eine solche Verkalkung oder Verknöcherung als Reaktion des Körpers auf eine vorangegangene Verletzung des Muskels, etwa nach einer stärkeren Prellung oder Zerrung, bei der es zu einer Einblutung in das Muskelgewebe gekommen ist. Im Rahmen des Heilungsprozesses kann sich das eingeblutete Gewebe anstelle einer normalen narbigen Ausheilung in Kalk- oder sogar echtes Knochengewebe umwandeln, was zu einer tastbaren, oft schmerzhaften Verhärtung innerhalb des Muskels sowie zu einer eingeschränkten Beweglichkeit des betroffenen Körperabschnitts führen kann.

Ursachen

Die häufigste Ursache einer Kalzifikation oder Ossifikation im Muskel ist eine vorangegangene, meist stumpfe Verletzung, etwa eine kräftige Prellung durch einen Stoß oder Schlag, insbesondere im Bereich großer Muskelgruppen wie am Oberschenkel oder Oberarm. Wird der betroffene Muskel während der frühen Heilungsphase zu früh wieder intensiv belastet oder massiert, kann dies die Wahrscheinlichkeit für eine solche Verknöcherung zusätzlich erhöhen. Auch nach größeren operativen Eingriffen im Bereich der Muskulatur oder der angrenzenden Gelenke sowie bei Menschen mit bestimmten neurologischen Erkrankungen, etwa nach einer Rückenmarksverletzung, kann es zu einer vermehrten Bildung von Kalk- oder Knochengewebe im Muskelgewebe kommen. Selten liegt eine seltene, erblich bedingte Erkrankung zugrunde, bei der sich ausgedehnte Verknöcherungen in verschiedenen Muskeln des Körpers bilden.

Symptome

Betroffene bemerken meist einige Wochen nach der ursächlichen Verletzung eine zunehmend tastbare, feste Verhärtung innerhalb des betroffenen Muskels, die häufig mit einem lokal begrenzten Druckschmerz sowie einer schmerzhaften Einschränkung der Beweglichkeit des angrenzenden Gelenks einhergeht. Die betroffene Stelle kann sich anfangs noch etwas warm und geschwollen anfühlen, während die eigentliche Verhärtung sich im weiteren Verlauf zunehmend fester und knochenähnlicher anfühlt. Je nach Größe und genauer Lage der Verkalkung beziehungsweise Verknöcherung kann die Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenks unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Bei sehr ausgedehnten Veränderungen können auch benachbarte Nerven oder Blutgefäße durch die neu gebildete Struktur bedrängt werden, was zusätzliche Beschwerden verursachen kann.

Diagnostik

Die Diagnose wird durch eine körperliche Untersuchung mit Tastbefund der Verhärtung sowie durch eine Röntgenuntersuchung gestellt, die eine bereits ausgereifte Verkalkung oder Verknöcherung innerhalb des Muskels sichtbar machen kann, wobei diese im Röntgenbild häufig erst einige Wochen nach der ursächlichen Verletzung deutlich erkennbar wird. In früheren Stadien, in denen die Röntgenuntersuchung noch unauffällig sein kann, liefert eine Ultraschalluntersuchung oder eine Magnetresonanztomographie zusätzliche Informationen über die Ausdehnung der Veränderung im Weichteilgewebe. Bei unklarem Befund kann eine Abgrenzung zu selteneren, ernsteren Veränderungen des Weichteilgewebes notwendig sein, wofür in Zweifelsfällen eine feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe erforderlich werden kann.

Behandlung

In der frühen Phase nach einer Muskelverletzung stehen eine konsequente Schonung sowie eine vorsichtige, schrittweise Steigerung der Beweglichkeit im Vordergrund, wobei eine zu frühe, intensive Belastung oder Massage des betroffenen Muskels vermieden werden sollte, um das Risiko einer Verkalkung zu verringern. Ist eine Verkalkung oder Verknöcherung bereits entstanden, wird zunächst häufig eine abwartende Haltung mit begleitender Physiotherapie zur Erhaltung der bestmöglichen Beweglichkeit eingenommen, da sich kleinere Verkalkungen im Laufe der Zeit teilweise von selbst zurückbilden können. Bei ausgeprägten, funktionell relevanten Verknöcherungen, die die Beweglichkeit dauerhaft erheblich einschränken oder Nerven beziehungsweise Blutgefäße bedrängen, kann eine operative Entfernung des verknöcherten Gewebes erwogen werden, wobei diese in der Regel erst nach vollständiger Ausreifung der Verknöcherung durchgeführt wird.

Verlauf und Prognose

Kleinere Verkalkungen im Muskelgewebe bilden sich bei einem Teil der Betroffenen im Laufe von Monaten teilweise oder vollständig von selbst zurück, insbesondere wenn die betroffene Region konsequent geschont und schrittweise wieder belastet wird. Größere, bereits ausgereifte Verknöcherungen bilden sich hingegen in der Regel nicht von selbst zurück und können bei funktionell relevanter Beeinträchtigung eine operative Behandlung erforderlich machen. Nach einer operativen Entfernung besteht ein gewisses Risiko für ein erneutes Auftreten der Verknöcherung, weshalb eine sorgfältige Nachbehandlung mit angepasster Physiotherapie wichtig ist. Insgesamt ist die Prognose bei rechtzeitiger, konsequenter Schonung nach der ursächlichen Verletzung sowie bei angemessener weiterer Behandlung überwiegend gut.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum sollte ein geprellter Muskel nicht zu früh massiert werden?

Weil eine zu frühe, intensive Belastung oder Massage in der frühen Heilungsphase die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, dass sich das eingeblutete Gewebe anstelle einer normalen narbigen Ausheilung in Kalk- oder Knochengewebe umwandelt.

Bilden sich Verkalkungen im Muskel immer von selbst zurück?

Kleinere Verkalkungen können sich im Laufe von Monaten teilweise oder vollständig von selbst zurückbilden, größere, bereits ausgereifte Verknöcherungen bilden sich in der Regel nicht von selbst zurück.

Wann wird eine operative Entfernung notwendig?

Bei ausgeprägten, funktionell relevanten Verknöcherungen, die die Beweglichkeit dauerhaft erheblich einschränken oder Nerven beziehungsweise Blutgefäße bedrängen, wobei die Operation in der Regel erst nach vollständiger Ausreifung der Verknöcherung erfolgt.

Warum wird die Verkalkung im Röntgenbild oft erst mit Verzögerung sichtbar?

Weil sich das eingeblutete Gewebe erst im Laufe mehrerer Wochen zunehmend verkalkt beziehungsweise verknöchert, weshalb frühe Stadien im Röntgenbild häufig noch nicht erkennbar sind.

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