Intrakranielle und intraspinale Abszesse und Granulome
Intrakranielle und intraspinale Abszesse und Granulome bezeichnen umschriebene Ansammlungen von Eiter beziehungsweise entzündlich verändertem Gewebe innerhalb des Schädels oder des Wirbelkanals, die durch eine bakterielle, seltener durch eine pilzbedingte oder parasitäre Infektion entstehen. Ein Abszess besteht aus einer mit Eiter gefüllten Höhle, die von einer bindegewebigen Kapsel umschlossen ist, während ein Granulom eine knötchenartige Ansammlung von entzündlichem Gewebe darstellt, die im Rahmen bestimmter chronischer Infektionen entstehen kann. Da sich diese Ansammlungen innerhalb des begrenzten Raumes von Schädel oder Wirbelkanal befinden, können sie durch den zunehmenden Druck auf das umgebende Nervengewebe rasch zu schwerwiegenden neurologischen Ausfällen führen, weshalb eine zügige Diagnose und Behandlung von entscheidender Bedeutung ist.
Ursachen
Intrakranielle und intraspinale Abszesse entstehen meist durch eine Ausbreitung von Bakterien aus einer benachbarten Infektionsquelle, etwa einer chronischen Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündung, einer Zahnwurzelentzündung oder einer Infektion im Bereich der Wirbelsäule, die sich in das umgebende Gewebe innerhalb des Schädels oder des Wirbelkanals ausbreitet. Seltener gelangen die Erreger über die Blutbahn aus einem entfernten Infektionsherd, etwa einer Herzklappenentzündung, in das Zentralnervensystem. Nach einer offenen Kopf- oder Wirbelsäulenverletzung sowie nach bestimmten neurochirurgischen Eingriffen besteht ebenfalls ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Abszesses, da Krankheitserreger direkt in das betroffene Gewebe eindringen können. Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr tragen ein zusätzlich erhöhtes Risiko sowohl für bakterielle Abszesse als auch für seltenere, pilzbedingte Formen.
Symptome
Die Symptome eines intrakraniellen oder intraspinalen Abszesses hängen von dessen Lokalisation sowie dem Ausmaß des durch die Raumforderung verursachten Drucks auf das umgebende Nervengewebe ab. Häufige Beschwerden sind zunehmende Kopfschmerzen, Fieber sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl, das sich über Tage bis Wochen entwickeln kann. Je nach betroffener Region können zusätzlich neurologische Ausfälle wie eine Lähmung, Sprachstörungen, epileptische Anfälle oder eine zunehmende Bewusstseinstrübung auftreten. Bei einem intraspinalen Abszess innerhalb des Wirbelkanals stehen häufig Rückenschmerzen sowie eine fortschreitende Schwäche und Empfindungsstörung der Beine im Vordergrund, die auf eine zunehmende Kompression des Rückenmarks hinweisen. Da sich die Beschwerden mitunter langsam entwickeln, kann die Diagnose zunächst erschwert sein.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch eine bildgebende Untersuchung mittels Magnetresonanztomographie oder, insbesondere in der Notfallsituation, Computertomographie von Gehirn oder Wirbelsäule gestellt, die die Ansammlung von Eiter oder entzündlichem Gewebe sowie das Ausmaß der Verdrängung des umgebenden Nervengewebes sichtbar macht. Blutuntersuchungen zeigen häufig erhöhte Entzündungswerte, die auf eine akute Infektion hinweisen. Zur gezielten Behandlung ist die Bestimmung des ursächlichen Erregers von großer Bedeutung, wofür häufig eine gezielte Punktion oder operative Entnahme einer Gewebe- oder Eiterprobe erfolgt, die mikrobiologisch untersucht wird. Eine sorgfältige Suche nach einer möglichen zugrunde liegenden Infektionsquelle, etwa im Bereich der Nasennebenhöhlen, der Zähne oder des Herzens, ist wichtiger Bestandteil der Abklärung.
Behandlung
Die Behandlung eines intrakraniellen oder intraspinalen Abszesses besteht in einer hochdosierten, meist über mehrere Wochen fortgesetzten antibiotischen Behandlung, die auf den nachgewiesenen oder vermuteten Erreger abgestimmt wird. Bei größeren Abszessen oder bei Anzeichen einer relevanten Verdrängung des umgebenden Nervengewebes ist häufig zusätzlich eine operative Entlastung notwendig, bei der der Eiter durch eine gezielte Punktion oder operative Eröffnung entfernt wird, um den Druck auf das Nervengewebe rasch zu verringern. Eine möglicherweise zugrunde liegende Infektionsquelle, etwa eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung oder eine Zahnwurzelentzündung, muss ebenfalls gezielt mitbehandelt werden, um ein erneutes Auftreten zu verhindern. Die Behandlung erfolgt in der Regel stationär unter engmaschiger neurologischer Überwachung.
Verlauf und Prognose
Die Prognose eines intrakraniellen oder intraspinalen Abszesses hängt entscheidend vom Zeitpunkt der Diagnose und dem Beginn der Behandlung ab, da eine Verzögerung das Risiko für bleibende neurologische Schäden durch die anhaltende Kompression des Nervengewebes deutlich erhöht. Bei rechtzeitiger, konsequenter antibiotischer und, falls notwendig, operativer Behandlung kann sich ein erheblicher Teil der Betroffenen gut erholen, wobei manche neurologischen Ausfälle sich zurückbilden können, während andere, insbesondere bei ausgeprägter oder lang anhaltender Kompression, bestehen bleiben können. Unbehandelt oder bei verzögerter Behandlung stellt ein solcher Abszess eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung dar, weshalb bei entsprechendem Verdacht stets eine rasche, umfassende Diagnostik und Behandlung notwendig ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Intrakranielle und intraspinale Abszesse und Granulome: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie gelangen die Erreger meist in Schädel oder Wirbelkanal?
Am häufigsten durch eine Ausbreitung von Bakterien aus einer benachbarten Infektionsquelle, etwa einer chronischen Mittelohr-, Nasennebenhöhlen- oder Zahnwurzelentzündung, seltener über die Blutbahn aus einem entfernten Infektionsherd.
Warum ist eine rasche Diagnose bei Verdacht auf einen solchen Abszess so wichtig?
Weil der zunehmende Druck auf das umgebende Nervengewebe innerhalb des begrenzten Raumes von Schädel oder Wirbelkanal rasch zu bleibenden neurologischen Schäden führen kann, wenn nicht rechtzeitig behandelt wird.
Reicht eine antibiotische Behandlung allein aus?
Bei kleineren Abszessen kann eine alleinige antibiotische Behandlung ausreichend sein, bei größeren Abszessen oder relevanter Verdrängung des Nervengewebes ist meist zusätzlich eine operative Entlastung notwendig.
Warum wird nach einer zugrunde liegenden Infektionsquelle gesucht?
Weil eine unbehandelte Infektionsquelle, etwa eine chronische Nasennebenhöhlen- oder Zahnwurzelentzündung, zu einem erneuten Auftreten des Abszesses führen kann, wenn sie nicht gezielt mitbehandelt wird.
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