Hämatosalpinx
Die Hämatosalpinx bezeichnet eine Ansammlung von Blut im Eileiter, die entsteht, wenn Blut aus der Gebärmutter, aus dem Eierstock oder aus dem Eileiter selbst in dessen Hohlraum eintritt und dort, meist bedingt durch eine gleichzeitig bestehende Verlegung des Eileiters, nicht regelrecht abfließen kann. Sie stellt keine eigenständige Erkrankung im engeren Sinne dar, sondern ist stets Ausdruck einer zugrunde liegenden Störung, die entweder den Eileiter selbst betrifft, etwa eine narbige Verengung nach einer vorausgegangenen Entzündung, oder mit einem Abfluss von Blut aus einer benachbarten Struktur zusammenhängt, wie es bei einer Endometriose oder einer Eileiterschwangerschaft der Fall sein kann. Da eine Hämatosalpinx verschiedene, teils sehr unterschiedliche Ursachen haben kann, ist eine sorgfältige diagnostische Abklärung der zugrunde liegenden Störung von zentraler Bedeutung für die weitere Behandlung.
Ursachen
Die Hämatosalpinx entsteht am häufigsten als Folge einer bestehenden Verlegung des Eileiters, etwa durch eine narbige Verengung nach einer vorausgegangenen Eileiterentzündung, wodurch abfließendes Menstruationsblut aus der Gebärmutter nicht mehr ungehindert in den Bauchraum gelangen kann und sich stattdessen im Eileiter aufstaut. Auch eine Endometriose, bei der sich versprengtes Gebärmutterschleimhautgewebe außerhalb der Gebärmutter befindet und dort zyklusabhängig blutet, kann zu einer Blutansammlung im Eileiter führen, wenn sich entsprechendes Gewebe innerhalb oder in unmittelbarer Nähe des Eileiters befindet. Eine Eileiterschwangerschaft, bei der sich ein befruchtetes Ei im Eileiter statt in der Gebärmutter einnistet, kann durch die damit verbundene Blutungsneigung ebenfalls zu einer Hämatosalpinx führen. Seltener entsteht eine Hämatosalpinx im Rahmen angeborener Fehlbildungen des weiblichen Genitaltraktes, bei denen der Abfluss des Menstruationsblutes von Geburt an behindert ist.
Symptome
Eine Hämatosalpinx kann bei geringem Ausmaß völlig beschwerdefrei bleiben und nur zufällig im Rahmen einer bildgebenden Untersuchung entdeckt werden. Bei stärkerer Ausprägung äußert sie sich durch einseitige, häufig zyklusabhängig zunehmende Unterbauchschmerzen, die insbesondere während oder kurz nach der Menstruation auftreten können, wenn sich zusätzliches Blut im bereits gefüllten Eileiter ansammelt. Ein tastbarer, druckempfindlicher Tumor im Unterbauch kann bei ausgeprägter Größenzunahme des betroffenen Eileiters bemerkt werden. Bei zugrunde liegender Endometriose können zusätzlich die typischen Beschwerden dieser Erkrankung wie ausgeprägte Regelschmerzen sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten. Liegt eine Eileiterschwangerschaft als Ursache vor, können sich zusätzlich Zeichen einer Schwangerschaft sowie bei einem Reißen des Eileiters plötzliche, starke Schmerzen mit Kreislaufinstabilität entwickeln, was einen medizinischen Notfall darstellt.
Diagnostik
Die Diagnose der Hämatosalpinx wird durch eine Ultraschalluntersuchung des Beckens gestellt, in der sich der betroffene Eileiter als länglich erweiterte, mit echoreichem Inhalt gefüllte Struktur darstellt, die dem angesammelten Blut entspricht. Zur genaueren Abklärung der zugrunde liegenden Ursache, insbesondere zur Beurteilung einer möglichen Endometriose oder narbigen Eileiterverengung, kann eine Magnetresonanztomographie des Beckens ergänzend eingesetzt werden. Bei Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft als Ursache wird umgehend ein Schwangerschaftstest sowie eine Bestimmung des Schwangerschaftshormons im Blut durchgeführt, da diese Diagnose eine rasche, gezielte Behandlung erfordert. In unklaren Fällen kann eine Bauchspiegelung sowohl zur endgültigen diagnostischen Abklärung als auch zur gleichzeitigen Behandlung der zugrunde liegenden Ursache durchgeführt werden.
Behandlung
Die Behandlung der Hämatosalpinx richtet sich vollständig nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einer beschwerdearmen, zufällig entdeckten Hämatosalpinx ohne erkennbare bedrohliche Ursache kann zunächst eine abwartende Haltung mit regelmäßiger Verlaufskontrolle gerechtfertigt sein. Liegt eine zugrunde liegende Endometriose vor, richtet sich die Behandlung nach den allgemeinen Prinzipien der EndometrioseTherapie, mit hormonellen oder operativen Ansätzen je nach Ausmaß und Beschwerdebild. Bei einer narbigen Verlegung des Eileiters mit ausgeprägten Beschwerden kann eine operative Eröffnung oder, bei bereits stark geschädigtem Eileiter und abgeschlossener Familienplanung, eine operative Entfernung des betroffenen Eileiters erwogen werden. Eine Eileiterschwangerschaft als zugrunde liegende Ursache erfordert eine umgehende, spezifische Behandlung, die je nach Situation medikamentös oder operativ erfolgen kann.
Verlauf und Prognose
Die Prognose der Hämatosalpinx hängt entscheidend von der zugrunde liegenden Ursache ab. Eine durch eine narbige Verengung bedingte Hämatosalpinx kann bei bestehendem Kinderwunsch die Fruchtbarkeit erheblich beeinträchtigen, da der betroffene Eileiter seine normale Transportfunktion für die Eizelle nicht mehr erfüllen kann, weshalb bei Kinderwunsch eine gezielte reproduktionsmedizinische Beratung sinnvoll ist. Bei zugrunde liegender Endometriose richtet sich der weitere Verlauf nach dem Ansprechen auf die eingeleitete Behandlung dieser chronischen Erkrankung. Eine unerkannte oder unbehandelte Eileiterschwangerschaft als Ursache stellt eine potenziell lebensbedrohliche Situation dar, weshalb bei entsprechendem Verdacht eine rasche Abklärung und Behandlung von entscheidender Bedeutung ist. Nach erfolgreicher Behandlung der zugrunde liegenden Ursache ist die Prognose in der Regel gut.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Hämatosalpinx: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ist die Hämatosalpinx eine eigenständige Erkrankung?
Nein, sie ist stets Ausdruck einer zugrunde liegenden Störung, etwa einer narbigen Eileiterverengung, einer Endometriose oder einer Eileiterschwangerschaft.
Kann eine Hämatosalpinx die Fruchtbarkeit beeinträchtigen?
Ja, insbesondere wenn eine narbige Verlegung des Eileiters zugrunde liegt, die dessen normale Transportfunktion für die Eizelle beeinträchtigt.
Warum ist ein Schwangerschaftstest bei dieser Diagnose wichtig?
Weil eine Eileiterschwangerschaft eine mögliche, potenziell lebensbedrohliche Ursache darstellt, die rasch abgeklärt und behandelt werden muss.
Wie wird eine Hämatosalpinx behandelt?
Die Behandlung richtet sich vollständig nach der zugrunde liegenden Ursache und reicht von abwartender Kontrolle bis zu operativen oder medikamentösen Maßnahmen.
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