Dysthymia (chronische Verstimmung)
Die Dysthymia, im Deutschen auch als chronische Verstimmung bezeichnet, beschreibt eine über mindestens zwei Jahre anhaltende, meist mild bis mäßig ausgeprägte depressive Stimmungslage, bei der die betroffene Person zwar dauerhaft unter einer gedrückten Stimmung sowie einer verminderten Freude sowie Energie leidet, ohne dass die einzelnen Symptome jedoch die für eine akute, ausgeprägte depressive Episode geforderte Intensität sowie Anzahl erreichen. Aufgrund dieses über sehr lange Zeit bestehenden, jedoch nur mäßig ausgeprägten Beschwerdebildes wird die Dysthymia von den Betroffenen selbst sowie ihrem Umfeld häufig nicht als eigenständige, behandlungsbedürftige Erkrankung erkannt, sondern fälschlicherweise als grundsätzlich pessimistische Persönlichkeitseigenschaft oder allgemeine Lebenshaltung fehlgedeutet, obwohl die Dysthymia die langfristige Lebensqualität sowie das soziale sowie berufliche Funktionsniveau der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann.
Ursachen
Die genaue Ursache der Dysthymia ist, ähnlich wie bei anderen depressiven Erkrankungen, nicht abschließend geklärt, wobei ein Zusammenspiel aus erblicher Veranlagung, einer veränderten Regulation bestimmter Botenstoffe im Gehirn sowie belastenden Lebensumständen als zugrunde liegende Faktoren angenommen wird. Ein Beginn der Erkrankung bereits im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter, häufig im Zusammenhang mit belastenden familiären Umständen oder frühen Verlusterfahrungen, ist bei der Dysthymia besonders charakteristisch. Chronischer, über lange Zeit anhaltender Stress sowie das Fehlen einer ausreichenden sozialen Unterstützung können die Aufrechterhaltung der chronischen Verstimmung über die Jahre zusätzlich begünstigen.
Symptome
Die Dysthymia äußert sich durch eine über mindestens zwei Jahre anhaltende, meist mild bis mäßig ausgeprägte gedrückte Stimmung, die von einer verminderten Freude an gewöhnlich angenehmen Aktivitäten, einer verringerten Energie sowie Antriebslosigkeit, einem gemindertem Selbstwertgefühl sowie Konzentrationsschwierigkeiten begleitet wird, ohne dass die betroffene Person über längere, vollständig beschwerdefreie Phasen verfügt. Da die Beschwerden über so lange Zeit bestehen sowie im Vergleich zu einer akuten depressiven Episode weniger stark ausgeprägt sind, integrieren viele Betroffene ihre chronische Verstimmung in ihr Selbstbild als grundlegenden Persönlichkeitszug, was die Erkennung sowie frühzeitige Behandlung der Erkrankung erschwert. Bei einem Teil der Betroffenen kann sich zusätzlich zur bestehenden Dysthymia eine akute, ausgeprägte depressive Episode entwickeln, was als sogenannte doppelte Depression bezeichnet wird.
Diagnostik
Die Diagnose der Dysthymia wird durch eine ausführliche psychiatrische Anamnese gestellt, bei der der charakteristische, über mindestens zwei Jahre anhaltende Verlauf der gedrückten Stimmung sowie der begleitenden Symptome sorgfältig erfasst wird, wobei eine genaue Abgrenzung von der akuten depressiven Episode anhand der geringeren Symptomintensität sowie der Fehlens ausgeprägter, vollständig beschwerdefreier Zwischenphasen von zentraler Bedeutung ist. Eine sorgfältige körperliche sowie laborchemische Untersuchung dient dem Ausschluss einer zugrunde liegenden körperlichen Ursache der anhaltenden Verstimmung, insbesondere einer Schilddrüsenunterfunktion. Eine gezielte Nachfrage nach dem Vorliegen einer zusätzlichen, akuten depressiven Episode im Sinne einer doppelten Depression ist für die weitere Behandlungsplanung von Bedeutung.
Behandlung
Die Behandlung der Dysthymia umfasst sowohl psychotherapeutische als auch medikamentöse Ansätze, wobei eine gezielte Psychotherapie, insbesondere eine kognitive Verhaltenstherapie, bei vielen Betroffenen zu einer deutlichen Besserung der lang anhaltenden Verstimmung beitragen kann, indem sie ungünstige Denkmuster sowie Verhaltensweisen gezielt bearbeitet. Bei ausgeprägteren Beschwerden oder unzureichendem Ansprechen auf eine alleinige Psychotherapie kann eine ergänzende medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva eingesetzt werden, die auch bei der Dysthymia eine nachgewiesene Wirksamkeit besitzen. Eine Kombination aus Psychotherapie sowie medikamentöser Behandlung erweist sich bei vielen Betroffenen mit chronischer Verstimmung als besonders wirksam.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der Dysthymia ist definitionsgemäß chronisch, wobei sich die Erkrankung ohne gezielte Behandlung häufig über viele Jahre bis Jahrzehnte fortsetzt. Bei konsequenter, kombinierter psychotherapeutischer sowie medikamentöser Behandlung kann sich die dauerhafte Stimmungslage bei einem erheblichen Teil der Betroffenen deutlich sowie nachhaltig verbessern. Betroffene mit einer bestehenden Dysthymia tragen zudem ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer zusätzlichen, akuten depressiven Episode im Sinne einer doppelten Depression, weshalb eine regelmäßige Verlaufskontrolle sowie eine frühzeitige Erkennung einer solchen zusätzlichen Verschlechterung von großer Bedeutung ist.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Dysthymia (chronische Verstimmung): Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie lange muss die Verstimmung mindestens bestehen?
Mindestens zwei Jahre.
Warum wird die Erkrankung häufig nicht erkannt?
Weil viele Betroffene die chronische Verstimmung als grundlegenden Persönlichkeitszug statt als behandlungsbedürftige Erkrankung einordnen.
Was ist eine doppelte Depression?
Das zusätzliche Auftreten einer akuten depressiven Episode bei einer bereits bestehenden Dysthymia.
Welche Behandlung ist besonders wirksam?
Eine Kombination aus Psychotherapie, insbesondere kognitiver Verhaltenstherapie, sowie medikamentöser Behandlung.
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