Baastrup-Syndrom
Das Baastrup-Syndrom, nach seinem Erstbeschreiber benannt und umgangssprachlich mitunter auch als Küssende Wirbel bezeichnet, entsteht durch einen abnormen, direkten Kontakt sowie eine dadurch bedingte reaktive Veränderung benachbarter Dornfortsätze der Lendenwirbelsäule, jener nach hinten ragenden knöchernen Fortsätze der Wirbelkörper, die im gesunden Zustand durch einen ausreichenden Abstand voneinander getrennt sind. Durch eine altersbedingte oder anderweitig verursachte Verringerung dieses normalen Abstands berühren sich benachbarte Dornfortsätze zunehmend, was zu einer schmerzhaften, reaktiven Entzündung sowie im Verlauf zu strukturellen Veränderungen der betroffenen Knochenstrukturen führen kann. Das Baastrup-Syndrom tritt überwiegend bei älteren Menschen auf und verursacht einen charakteristischen, bei rückwärtiger Überstreckung des Rückens deutlich verstärkten unteren Rückenschmerz.
Ursachen
Das Baastrup-Syndrom entsteht durch eine Verringerung des normalen Abstands zwischen benachbarten Dornfortsätzen der Lendenwirbelsäule, die überwiegend durch einen altersbedingten Höhenverlust der zwischen den Wirbelkörpern gelegenen Bandscheiben verursacht wird, wodurch sich die gesamte Wirbelsäule zunehmend zusammenschiebt sowie die Dornfortsätze einander näherkommen. Eine ausgeprägte, übermäßige rückwärtige Krümmung der Lendenwirbelsäule kann diesen Prozess zusätzlich begünstigen, da sie den Abstand zwischen den betroffenen Dornfortsätzen weiter verringert. Auch eine vorausgegangene operative Versteifung benachbarter Wirbelsäulenabschnitte kann durch eine veränderte Belastungsverteilung der Wirbelsäule zur Entstehung eines Baastrup-Syndroms an angrenzenden, nicht versteiften Wirbelsäulenabschnitten beitragen.
Symptome
Das Baastrup-Syndrom äußert sich durch einen im unteren Rückenbereich lokalisierten, häufig genau in der Mittellinie der Wirbelsäule tastbaren Druckschmerz, der sich bei rückwärtiger Überstreckung des Rückens, etwa beim Zurücklehnen oder längerem Stehen, deutlich verstärkt, während er sich beim Nachvornebeugen oder Sitzen mit gekrümmtem Rücken typischerweise bessert, da sich der Abstand zwischen den betroffenen Dornfortsätzen bei dieser Körperhaltung wieder vergrößert. Dieses charakteristische Schmerzverhalten in Abhängigkeit von der Körperhaltung stellt ein wichtiges diagnostisches Hinweiszeichen dar. Der Schmerz kann bei einem Teil der Betroffenen in das angrenzende Gesäß ausstrahlen, wobei eine tatsächliche Nervenwurzelbeteiligung im Unterschied zu anderen Ursachen für Rückenschmerzen beim Baastrup-Syndrom nicht vorliegt.
Diagnostik
Die Diagnose des Baastrup-Syndroms wird durch eine Bildgebung der Lendenwirbelsäule gestellt, wobei eine Röntgenaufnahme oder Magnetresonanztomografie den verringerten Abstand sowie den direkten Kontakt zwischen benachbarten Dornfortsätzen gemeinsam mit reaktiven, entzündlich bedingten Veränderungen der betroffenen Knochenstrukturen sichtbar machen kann. Eine sorgfältige Übereinstimmung des bildgebenden Befundes mit der klinischen Beschwerdesymptomatik, insbesondere dem charakteristischen, haltungsabhängigen Schmerzverhalten, ist von Bedeutung, da ein enger Kontakt der Dornfortsätze auch bei beschwerdefreien Menschen als Zufallsbefund vorkommen kann. Eine gezielte, diagnostische Injektion eines örtlichen Betäubungsmittels in den betroffenen Bereich kann bei unklarem Befund zur Bestätigung der Diagnose beitragen, wenn sich die Beschwerden dadurch vorübergehend deutlich bessern.
Behandlung
Die Behandlung des Baastrup-Syndroms erfolgt bei den meisten Betroffenen zunächst konservativ mit entzündungshemmenden sowie schmerzlindernden Medikamenten sowie einer gezielten physiotherapeutischen Behandlung, die insbesondere auf eine Vermeidung einer übermäßigen rückwärtigen Überstreckung der Lendenwirbelsäule sowie eine Kräftigung der stabilisierenden Rumpfmuskulatur abzielt. Bei anhaltenden, konservativ nicht ausreichend beherrschbaren Beschwerden kann eine gezielte örtliche Injektionsbehandlung mit einem entzündungshemmenden Medikament in den Bereich der betroffenen Dornfortsätze zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden beitragen. Bei besonders hartnäckigen Verläufen steht als letzte Behandlungsoption eine operative Entfernung des überschüssigen, sich berührenden Knochengewebes zur Verfügung.
Verlauf und Prognose
Die Prognose des Baastrup-Syndroms ist bei konsequenter konservativer Behandlung insgesamt gut, wobei sich die Beschwerden bei einem erheblichen Teil der Betroffenen durch eine Kombination aus physiotherapeutischer Behandlung sowie einer gezielten Anpassung belastender Körperhaltungen deutlich bessern lassen. Bei anhaltenden, therapieresistenten Beschwerden kann eine gezielte Injektionsbehandlung oder, in ausgewählten Fällen, eine operative Behandlung zu einer dauerhaften Beschwerdelinderung führen. Da das Baastrup-Syndrom überwiegend eine altersbedingte, degenerative Ursache hat, ist eine vollständige Rückbildung der zugrunde liegenden strukturellen Veränderungen nicht zu erwarten, wobei die überwiegende Mehrheit der Betroffenen dennoch eine deutliche, anhaltende Beschwerdelinderung durch die verfügbaren Behandlungsmaßnahmen erreicht.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Baastrup-Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum wird das Baastrup-Syndrom umgangssprachlich auch als 'Küssende Wirbel' bezeichnet?
Weil sich benachbarte Dornfortsätze der Wirbelsäule durch einen verringerten Abstand direkt berühren.
Wann verstärken sich die Beschwerden typischerweise?
Bei rückwärtiger Überstreckung des Rückens, etwa beim Zurücklehnen oder längerem Stehen.
Was ist die häufigste zugrunde liegende Ursache?
Ein altersbedingter Höhenverlust der Bandscheiben, wodurch sich die Wirbelsäule zusammenschiebt.
Liegt beim Baastrup-Syndrom eine Nervenwurzelbeteiligung vor?
Nein, im Unterschied zu anderen Ursachen für Rückenschmerzen liegt keine tatsächliche Nervenwurzelbeteiligung vor.
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