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Orthopädie & Bewegungsapparat

Dermatomyositis und Polymyositis

Dermatomyositis und Polymyositis gehören zur Gruppe der entzündlichen Muskelerkrankungen, bei denen sich das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise gegen die eigene Skelettmuskulatur richtet und eine chronische Entzündung mit fortschreitender Muskelschwäche auslöst. Während die Polymyositis überwiegend die Muskulatur betrifft, geht die Dermatomyositis zusätzlich mit charakteristischen Hautveränderungen einher, etwa einer rötlich-violetten Verfärbung der Augenlider oder schuppigen, geröteten Hautveränderungen über den Fingergelenken. Beide Erkrankungen betreffen typischerweise die körpernahe Muskulatur der Schultern und Hüften stärker als die körperferne Muskulatur der Hände und Füße, was sich häufig zuerst durch Schwierigkeiten beim Treppensteigen oder beim Heben der Arme über Kopfhöhe bemerkbar macht. Es handelt sich um seltene Erkrankungen, die in jedem Lebensalter auftreten können, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer.

Ursachen

Die genaue Ursache dieser Autoimmunerkrankungen ist nicht abschließend geklärt, es wird jedoch angenommen, dass ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung und äußeren Auslösern, etwa bestimmten Virusinfektionen, zu einer fehlgeleiteten Immunreaktion gegen die eigene Muskulatur führt. Bei der Dermatomyositis richten sich die Immunzellen und Antikörper vor allem gegen die kleinen Blutgefäße, die Haut und Muskulatur versorgen, während bei der Polymyositis die Immunzellen direkt die Muskelfasern angreifen. Bei einem Teil der Betroffenen, insbesondere bei älteren Erwachsenen, tritt die Erkrankung im Zusammenhang mit einer bislang unentdeckten bösartigen Tumorerkrankung auf, weshalb bei Erstdiagnose stets nach möglichen zugrunde liegenden Krebserkrankungen gesucht wird. Bestimmte Medikamente sowie andere Autoimmunerkrankungen, etwa der systemische Lupus erythematodes oder die systemische Sklerose, können ebenfalls mit einer entzündlichen Muskelerkrankung einhergehen.

Symptome

Das Leitsymptom beider Erkrankungen ist eine langsam fortschreitende, meist symmetrische Schwäche der körpernahen Muskulatur, die sich zuerst in Schwierigkeiten beim Treppensteigen, Aufstehen aus tiefen Sitzpositionen oder beim Heben der Arme über Kopfhöhe äußert. Viele Betroffene berichten zusätzlich über eine allgemeine Erschöpfung sowie gelegentliche Muskelschmerzen, wobei die Schwäche in der Regel im Vordergrund steht. Bei der Dermatomyositis treten begleitend charakteristische Hautveränderungen auf, darunter eine violett-rötliche Verfärbung der Augenlider mit begleitender Schwellung sowie schuppige, gerötete Knötchen über den Streckseiten der Fingergelenke. Bei einem Teil der Betroffenen ist zusätzlich die Muskulatur des Rachens beteiligt, was zu Schluckbeschwerden führen kann, während eine Beteiligung der Atemmuskulatur oder der Lunge in schwereren Fällen zu Atembeschwerden führen kann.

Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf eine Kombination aus dem charakteristischen klinischen Beschwerdebild, Blutuntersuchungen und weiterführenden Untersuchungen. Im Blut finden sich häufig erhöhte Muskelenzymwerte, insbesondere der Kreatinkinase, als Zeichen der Muskelschädigung, sowie bei einem Teil der Betroffenen spezifische Autoantikörper, die auf die Erkrankung hindeuten können. Eine Elektromyographie kann die typischen Veränderungen der elektrischen Muskelaktivität bei einer entzündlichen Muskelerkrankung nachweisen. Die endgültige Diagnosesicherung erfolgt häufig durch eine Muskelbiopsie, bei der eine kleine Gewebeprobe entnommen und feingeweblich auf die charakteristischen entzündlichen Veränderungen untersucht wird. Da bei einem Teil der Betroffenen eine zugrunde liegende Tumorerkrankung besteht, wird bei Erstdiagnose eine umfassende Tumorsuche durchgeführt, die je nach Alter und Risikoprofil unterschiedliche bildgebende und laborchemische Untersuchungen umfassen kann.

Behandlung

Die Basis der Behandlung bilden Kortikosteroide in zunächst hoher Dosierung, die die überschießende Immunreaktion wirksam unterdrücken und häufig zu einer deutlichen Besserung der Muskelkraft führen. Da eine langfristige, hoch dosierte Kortisonbehandlung mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein kann, werden häufig zusätzlich immunsuppressive Medikamente eingesetzt, die eine schrittweise Reduktion der Kortisondosis ermöglichen. Bei therapieresistenten oder besonders schweren Verläufen können weitere spezialisierte Behandlungen, etwa intravenöse Immunglobuline oder gezielte biologische Medikamente, in Betracht gezogen werden. Begleitend spielt ein individuell angepasstes physiotherapeutisches Training eine wichtige Rolle, um die Muskelkraft zu erhalten und einer Muskelschwäche durch Inaktivität vorzubeugen. Wird eine zugrunde liegende Tumorerkrankung festgestellt, richtet sich deren Behandlung nach den spezifischen onkologischen Therapieprinzipien und kann sich auch positiv auf die Muskelerkrankung auswirken.

Verlauf und Prognose

Mit einer konsequenten immunsuppressiven Behandlung erreicht ein erheblicher Teil der Betroffenen eine deutliche Besserung oder sogar eine weitgehende Kontrolle der Erkrankung, wobei der Verlauf individuell sehr unterschiedlich sein kann, von einer einzelnen, gut behandelbaren Episode bis zu einem chronischen, in Schüben verlaufenden Geschehen. Eine Beteiligung der Atem- oder Schluckmuskulatur sowie der Lunge kann den Verlauf erheblich erschweren und erfordert eine besonders engmaschige Überwachung. Bei Betroffenen mit einer zugrunde liegenden Tumorerkrankung hängt die Gesamtprognose maßgeblich vom Verlauf dieser Krebserkrankung ab. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung sind entscheidend, um bleibende Muskelschäden und Funktionseinschränkungen möglichst gering zu halten und die Lebensqualität der Betroffenen langfristig zu erhalten.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Was unterscheidet die Dermatomyositis von der Polymyositis?

Bei der Dermatomyositis treten zusätzlich zur Muskelschwäche charakteristische Hautveränderungen auf, etwa eine violett-rötliche Verfärbung der Augenlider, während bei der Polymyositis überwiegend die Muskulatur betroffen ist.

Warum wird bei der Diagnose nach einer möglichen Tumorerkrankung gesucht?

Weil bei einem Teil der Betroffenen, insbesondere bei älteren Erwachsenen, die Muskelerkrankung im Zusammenhang mit einer bislang unentdeckten bösartigen Tumorerkrankung auftritt, weshalb eine gezielte Tumorsuche Bestandteil der Erstdiagnostik ist.

Wie wird eine Dermatomyositis oder Polymyositis diagnostiziert?

Durch eine Kombination aus klinischem Beschwerdebild, Blutuntersuchungen mit erhöhten Muskelenzymwerten, einer Elektromyographie sowie, zur endgültigen Sicherung, meist einer Muskelbiopsie.

Ist eine Dermatomyositis oder Polymyositis heilbar?

Eine vollständige Heilung ist nicht in jedem Fall möglich, jedoch lässt sich die Erkrankung bei vielen Betroffenen mit konsequenter immunsuppressiver Behandlung gut kontrollieren, sodass eine deutliche Besserung der Muskelkraft erreicht werden kann.

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