Abnorme unwillkürliche Bewegungen
Abnorme unwillkürliche Bewegungen bezeichnen Bewegungen des Körpers, die außerhalb der bewussten Kontrolle der betroffenen Person auftreten und nicht dem normalen, gewollten Bewegungsablauf entsprechen. Dieses Symptom kann sich in sehr unterschiedlichen Formen zeigen, etwa als rhythmisches Zittern (Tremor), als plötzliche, kurze, unwillkürliche Muskelzuckungen (Myoklonien), als langsame, geschraubte Bewegungen (Dystonie), als unregelmäßige, fließende Bewegungen (Chorea) oder als plötzliche, stereotype Bewegungen und Laute (Tics). Da diese Bewegungsformen unterschiedliche Ursprünge im Nervensystem haben, liefert die genaue Beobachtung der Bewegungsart wichtige Hinweise für die weitere Abklärung. Unwillkürliche Bewegungen können harmlose, vorübergehende Erscheinungen sein oder Ausdruck einer ernsthaften neurologischen Erkrankung, weshalb eine sorgfältige ärztliche Einordnung wichtig ist.
Ursachen
Die Ursachen unwillkürlicher Bewegungen sind sehr vielfältig und hängen eng mit der Art der Bewegung zusammen. Ein Tremor kann physiologisch, etwa durch Aufregung oder Kaffeekonsum verstärkt, oder krankheitsbedingt sein, wie beim essentiellen Tremor oder bei Morbus Parkinson, bei dem eine gestörte Funktion bestimmter Hirnregionen, der sogenannten Basalganglien, zugrunde liegt. Myoklonien können bei Stoffwechselstörungen, bestimmten Medikamenten, epileptischen Erkrankungen oder als harmloses Einschlafzucken auftreten. Chorea, ein fließendes, unregelmäßiges Bewegungsmuster, kann bei der erblichen Huntington-Krankheit, bei bestimmten Autoimmunerkrankungen oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente entstehen. Dystonien können angeboren oder erworben sein, etwa nach einer Hirnschädigung, während Tics häufig bei der Tourette-Erkrankung auftreten, deren Ursache eine komplexe Störung der Reizverarbeitung im Gehirn ist. Auch bestimmte Medikamente, insbesondere manche Antipsychotika, können als Nebenwirkung unwillkürliche Bewegungen auslösen.
Symptome
Das Erscheinungsbild richtet sich nach der Art der zugrunde liegenden Bewegungsstörung. Ein Tremor zeigt sich als rhythmisches Zittern, das in Ruhe, bei Haltearbeit oder bei gezielten Bewegungen auftreten kann, je nachdem, welcher Typ vorliegt. Myoklonien äußern sich als kurze, blitzartige Muskelzuckungen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen. Bei einer Chorea wirken die Bewegungen unregelmäßig, fließend und tänzelnd, wobei Betroffene diese teils bewusst in scheinbar absichtliche Bewegungen einzubauen versuchen, um sie zu kaschieren. Dystone Bewegungen führen zu anhaltenden, oft schmerzhaften Verdrehungen einzelner Körperregionen, etwa des Halses oder der Hand. Tics äußern sich als plötzliche, wiederholte, stereotype Bewegungen oder Lautäußerungen, die kurzzeitig unterdrückt werden können, jedoch mit zunehmender innerer Anspannung einhergehen, die sich nach dem Ausführen des Tics löst. Begleitend können, je nach Ursache, weitere neurologische oder psychische Symptome bestehen.
Diagnostik
Die genaue Beobachtung und Beschreibung der Bewegung, idealerweise auch per Videoaufnahme, ist ein zentraler erster Schritt der Diagnostik, da sich verschiedene Bewegungsstörungen in ihrem Erscheinungsbild oft charakteristisch unterscheiden. Eine ausführliche neurologische Untersuchung prüft Muskeltonus, Reflexe, Koordination und weitere neurologische Funktionen. Je nach vermuteter Ursache können ergänzende Untersuchungen wie eine Bildgebung des Gehirns mittels Magnetresonanztomographie, ein EEG bei Verdacht auf eine epileptische Genese der Bewegungen, Blutuntersuchungen zur Abklärung von Stoffwechsel- oder Autoimmunerkrankungen sowie, bei Verdacht auf eine erbliche Erkrankung wie die Huntington-Krankheit, eine genetische Untersuchung sinnvoll sein. Eine sorgfältige Medikamentenanamnese ist wichtig, um medikamentös bedingte unwillkürliche Bewegungen zu erkennen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich vollständig nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einem essentiellen Tremor oder Morbus Parkinson kommen spezifische, auf die jeweilige Erkrankung abgestimmte Medikamente zum Einsatz, die die Bewegungsstörung lindern können. Medikamentös bedingte unwillkürliche Bewegungen bessern sich häufig nach Anpassung oder Absetzen des auslösenden Medikaments. Bei Dystonien können, je nach betroffener Körperregion, lokale Injektionen von Botulinumtoxin die überaktive Muskulatur gezielt entspannen. Bei Tics im Rahmen einer Tourette-Erkrankung stehen verhaltenstherapeutische Verfahren sowie, bei ausgeprägten Beschwerden, spezifische Medikamente zur Verfügung. Bei ausgeprägten, medikamentös schwer beherrschbaren Bewegungsstörungen, etwa bei fortgeschrittenem Morbus Parkinson oder bestimmten Dystonien, kann in ausgewählten Fällen eine tiefe Hirnstimulation erwogen werden, bei der über implantierte Elektroden gezielt in die Aktivität bestimmter Hirnregionen eingegriffen wird.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf und die Prognose hängen wesentlich von der zugrunde liegenden Ursache ab. Harmlose, physiologische Formen unwillkürlicher Bewegungen, etwa ein leichter, situationsbedingter Tremor, sind meist vorübergehend und erfordern keine spezifische Behandlung. Medikamentös bedingte unwillkürliche Bewegungen bilden sich nach Absetzen des auslösenden Medikaments häufig zurück, wenngleich manche Formen auch nach Absetzen über längere Zeit bestehen bleiben können. Chronische, neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder die Huntington-Krankheit verlaufen in der Regel fortschreitend, wobei eine angepasste Behandlung die Beschwerden über längere Zeit lindern und die Lebensqualität verbessern kann, ohne die zugrunde liegende Erkrankung ursächlich aufzuhalten. Tics im Rahmen einer Tourette-Erkrankung bessern sich bei einem Teil der Betroffenen im Laufe des Erwachsenenalters spontan, während sie bei anderen dauerhaft bestehen bleiben.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Abnorme unwillkürliche Bewegungen: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum ist die genaue Art der unwillkürlichen Bewegung so wichtig für die Diagnose?
Weil verschiedene Bewegungsstörungen wie Tremor, Myoklonien, Chorea, Dystonie und Tics unterschiedliche Ursachen im Nervensystem haben und sich in ihrem charakteristischen Erscheinungsbild oft gut voneinander unterscheiden lassen.
Können Medikamente unwillkürliche Bewegungen auslösen?
Ja, bestimmte Medikamente, insbesondere manche Antipsychotika, können als Nebenwirkung unwillkürliche Bewegungen verursachen, die sich nach Anpassung oder Absetzen des Medikaments oft, aber nicht immer, wieder zurückbilden.
Ist jedes Zittern gleich krankhaft?
Nein, ein leichtes, situationsbedingtes Zittern, etwa durch Aufregung oder Koffein, ist meist harmlos und vorübergehend. Ein anhaltendes oder sich verstärkendes Zittern sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden.
Wie wird eine Dystonie behandelt?
Je nach betroffener Körperregion können lokale Injektionen von Botulinumtoxin eingesetzt werden, um die überaktive Muskulatur gezielt zu entspannen und die dystone Fehlhaltung zu lindern.
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