Divertikelkrankheit des Darmes
Als Divertikelkrankheit wird das Vorhandensein kleiner, sackartiger Ausstülpungen der Darmwand bezeichnet, sogenannter Divertikel, die sich am häufigsten im absteigenden Teil des Dickdarms bilden. Solche Divertikel entstehen an natürlichen Schwachstellen der Darmwand, an denen Blutgefäße die Muskelschicht durchdringen, und treten mit zunehmendem Alter immer häufiger auf, sodass ein erheblicher Teil der Menschen über 70 Jahren betroffen ist. Solange die Divertikel keine Beschwerden verursachen, spricht man von einer Divertikulose, die in den meisten Fällen zufällig entdeckt wird und keiner Behandlung bedarf. Entzündet sich eines oder mehrere der Divertikel, entwickelt sich eine sogenannte Divertikulitis, die mit Bauchschmerzen, Fieber und, in schwereren Fällen, mit ernsten Komplikationen wie einem Darmdurchbruch einhergehen kann.
Ursachen
Die Entstehung von Darmdivertikeln wird wesentlich durch eine ballaststoffarme Ernährung begünstigt, die zu härterem, kleinvolumigerem Stuhl und dadurch zu einem erhöhten Druck im Darminneren beim Stuhlgang führt. Dieser erhöhte Innendruck drückt die Darmschleimhaut an den natürlichen Schwachstellen der Darmwand, an denen kleine Blutgefäße die Muskelschicht durchqueren, nach außen und führt so im Laufe der Jahre zur Bildung der Ausstülpungen. Weitere begünstigende Faktoren sind ein zunehmendes Alter, das mit einer nachlassenden Elastizität der Darmwand einhergeht, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie Rauchen. Eine Divertikulitis entsteht, wenn sich Stuhlreste oder Bakterien in einem Divertikel ansammeln und dort eine Entzündung auslösen, die sich, wenn unbehandelt, auf die umgebende Darmwand und das Bauchfell ausbreiten kann.
Symptome
Eine unkomplizierte Divertikulose verursacht in der Regel keine Beschwerden und wird häufig zufällig im Rahmen einer Darmspiegelung entdeckt. Manche Betroffene berichten über ein unspezifisches Völlegefühl, Blähungen oder einen wechselnden Stuhlgang. Entwickelt sich eine Divertikulitis, treten typischerweise anhaltende Schmerzen im linken Unterbauch auf, häufig begleitet von Fieber, einer Veränderung des Stuhlgangs sowie Übelkeit. Bei der körperlichen Untersuchung zeigt sich meist ein deutlicher Druckschmerz im betroffenen Bauchbereich. Bei einer ausgeprägten oder komplizierten Divertikulitis, etwa mit Durchbruch eines Divertikels oder Abszessbildung, können sich die Schmerzen deutlich verstärken und mit Zeichen einer beginnenden Bauchfellentzündung einhergehen, was einen medizinischen Notfall darstellt. Eine Blutung aus einem Divertikel äußert sich durch plötzlichen, meist schmerzlosen Blutabgang mit dem Stuhl.
Diagnostik
Bei Verdacht auf eine akute Divertikulitis stützt sich die Diagnose auf die typische Krankengeschichte sowie die körperliche Untersuchung mit dem charakteristischen Druckschmerz im linken Unterbauch. Eine Blutuntersuchung zeigt bei einer akuten Entzündung meist erhöhte Entzündungswerte. Die Computertomographie des Bauches gilt heute als Standarduntersuchung zur sicheren Diagnose einer Divertikulitis und erlaubt zugleich die Beurteilung des Schweregrades sowie möglicher Komplikationen wie eines Abszesses oder eines Darmdurchbruchs. Eine Darmspiegelung wird in der akuten Entzündungsphase wegen des erhöhten Perforationsrisikos meist vermieden und stattdessen einige Wochen nach Abklingen der akuten Beschwerden durchgeführt, um andere Erkrankungen wie einen Darmtumor sicher auszuschließen und das Ausmaß der Divertikulose zu erfassen.
Behandlung
Eine beschwerdefreie Divertikulose erfordert keine spezifische Behandlung, wobei eine ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr empfohlen wird, um der Bildung weiterer Divertikel vorzubeugen. Eine unkomplizierte, leichte Divertikulitis kann häufig ambulant mit Schonkost, ausreichender Flüssigkeitszufuhr und, je nach Situation, einer antibiotischen Behandlung therapiert werden. Bei ausgeprägteren Verläufen oder Komplikationen wie einem Abszess oder Anzeichen einer beginnenden Bauchfellentzündung ist eine stationäre Behandlung mit intravenöser Antibiotikagabe notwendig, wobei ein Abszess gegebenenfalls durch eine gezielte Drainage entlastet werden kann. Bei schweren Komplikationen wie einem Darmdurchbruch oder bei wiederholten, ausgeprägten Entzündungsschüben kann eine operative Entfernung des betroffenen Darmabschnitts erforderlich werden. Eine akute Divertikelblutung wird häufig im Rahmen einer Darmspiegelung endoskopisch gestillt.
Verlauf und Prognose
Die meisten Menschen mit Divertikulose bleiben lebenslang beschwerdefrei, und nur ein kleinerer Teil entwickelt im Laufe des Lebens eine Divertikulitis. Eine unkomplizierte Divertikulitis heilt bei angemessener Behandlung meist innerhalb weniger Wochen folgenlos aus, wobei ein gewisses Risiko für ein erneutes Auftreten bestehen bleibt. Bei wiederholten Entzündungsschüben oder komplizierten Verläufen mit Abszess-, Fistel- oder Engstellenbildung kann sich der Verlauf deutlich komplizieren und eine operative Behandlung notwendig machen. Ein Darmdurchbruch mit nachfolgender Bauchfellentzündung stellt die schwerwiegendste, potenziell lebensbedrohliche Komplikation dar und erfordert eine notfallmäßige Behandlung. Eine ballaststoffreiche Ernährung und ein gesunder Lebensstil können das Risiko für erneute Entzündungsschübe langfristig senken und werden daher nach überstandener Divertikulitis empfohlen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Divertikelkrankheit des Darmes: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Muss jede Divertikulose behandelt werden?
Nein, eine beschwerdefreie Divertikulose erfordert keine spezifische Behandlung. Eine ballaststoffreiche Ernährung wird jedoch empfohlen, um der Bildung weiterer Divertikel vorzubeugen.
Woran erkennt man eine akute Divertikulitis?
Typisch sind anhaltende Schmerzen im linken Unterbauch, häufig begleitet von Fieber und einer Veränderung des Stuhlgangs. Bei diesen Beschwerden sollte zeitnah ärztliche Hilfe gesucht werden.
Wann ist bei einer Divertikulitis eine Operation notwendig?
Bei schweren Komplikationen wie einem Darmdurchbruch, einem nicht ausreichend drainierbaren Abszess oder bei wiederholten, ausgeprägten Entzündungsschüben kann eine operative Entfernung des betroffenen Darmabschnitts erforderlich werden.
Kann man dem Entstehen von Divertikeln vorbeugen?
Eine ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Rauchen können das Risiko für die Entstehung von Divertikeln verringern.
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