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Orthopädie & Bewegungsapparat

Osteolyse

Als Osteolyse wird ein lokal begrenzter, krankhafter Abbau von Knochensubstanz bezeichnet, bei dem gesundes Knochengewebe durch verschiedene Prozesse zunehmend aufgelöst und ersetzt wird. Dieser Vorgang kann durch ganz unterschiedliche zugrunde liegende Ursachen entstehen, von entzündlichen Prozessen im Rahmen einer Knochen- oder Gelenkinfektion über tumorbedingte Veränderungen bis hin zu einer mechanisch bedingten Reaktion des Knochens auf ein künstliches Gelenkimplantat. Da der betroffene Knochen durch den Substanzverlust an Stabilität einbüßt, kann eine ausgeprägte Osteolyse das Risiko für einen Knochenbruch erhöhen oder, bei Beteiligung eines künstlichen Gelenks, zu dessen Lockerung führen. Die Osteolyse selbst ist meist ein Befund, der auf eine zugrunde liegende Erkrankung oder Ursache hinweist, weshalb ihre Abklärung stets auch der Suche nach dieser Ursache dient.

Ursachen

Eine der häufigsten Ursachen einer Osteolyse im Erwachsenenalter ist die sogenannte periprothetische Osteolyse, bei der feinste Abriebpartikel eines künstlichen Gelenks, etwa einer Hüft- oder Knieprothese, eine chronische Entzündungsreaktion im umliegenden Knochengewebe auslösen, die zu einem allmählichen Knochenabbau rund um das Implantat führt. Weitere wichtige Ursachen sind Knocheninfektionen (Osteomyelitis), bei denen Bakterien direkt Knochengewebe zerstören, sowie primäre oder metastasierte bösartige Tumorerkrankungen, die das Knochengewebe verdrängen und abbauen können. Auch bestimmte gutartige Knochenerkrankungen, Stoffwechselstörungen wie ein ausgeprägter Hyperparathyreoidismus mit übermäßiger Aktivität der knochenabbauenden Zellen, sowie seltene erbliche Erkrankungen können zu einer Osteolyse führen. Bei Kindern kommen zudem bestimmte, meist gutartige idiopathische Osteolyseformen vor, deren genaue Ursache bislang nicht vollständig verstanden ist.

Symptome

Eine beginnende Osteolyse verläuft häufig zunächst beschwerdefrei und wird nicht selten zufällig im Rahmen einer Röntgenuntersuchung aus anderem Anlass entdeckt. Mit fortschreitendem Knochenabbau können jedoch Schmerzen im betroffenen Bereich auftreten, die sich bei Belastung verstärken. Bei einer periprothetischen Osteolyse rund um ein künstliches Gelenk berichten Betroffene häufig über zunehmende Schmerzen sowie ein Instabilitätsgefühl im betroffenen Gelenk, was auf eine beginnende Lockerung des Implantats hindeuten kann. Ist die Osteolyse durch eine Infektion bedingt, können zusätzlich Fieber, eine Rötung und Schwellung der betroffenen Region sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Bei ausgeprägtem Knochenabbau kann bereits eine geringe Belastung zu einem sogenannten pathologischen Knochenbruch führen, der ohne adäquates Trauma auftritt, weil der Knochen durch den Substanzverlust erheblich geschwächt ist.

Diagnostik

Die Diagnose einer Osteolyse wird meist durch bildgebende Verfahren gestellt: Röntgenaufnahmen zeigen den betroffenen Knochenbereich als aufgehellte, weniger dichte Zone im Vergleich zum gesunden umgebenden Knochen. Zur genaueren Beurteilung des Ausmaßes sowie zur Abgrenzung gegenüber angrenzenden Weichteilstrukturen kann eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie sinnvoll sein. Bei Verdacht auf eine Knocheninfektion werden zusätzlich Blutuntersuchungen auf Entzündungswerte sowie gegebenenfalls eine Punktion oder Biopsie zur Erregerbestimmung durchgeführt. Bei Verdacht auf eine tumorbedingte Osteolyse ist eine feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe meist unverzichtbar, um die genaue Ursache zu klären. Bei periprothetischer Osteolyse werden regelmäßige Röntgenkontrollen nach Gelenkersatzoperationen genutzt, um eine beginnende Lockerung frühzeitig zu erkennen.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich vollständig nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einer periprothetischen Osteolyse mit beginnender Implantatlockerung kann je nach Ausmaß zunächst eine engmaschige Beobachtung ausreichen, während bei fortgeschrittener Lockerung oder Instabilität ein operativer Wechsel des künstlichen Gelenks notwendig werden kann. Bei einer Knocheninfektion als Ursache steht eine gezielte, häufig langfristige Antibiotikabehandlung im Vordergrund, kombiniert mit einer operativen Sanierung des infizierten Knochengewebes, sofern erforderlich. Liegt der Osteolyse eine Tumorerkrankung zugrunde, richtet sich die Behandlung nach den spezifischen onkologischen Therapieprinzipien und kann Operation, Bestrahlung oder eine medikamentöse Tumorbehandlung umfassen. Bei Stoffwechselstörungen wie einem Hyperparathyreoidismus steht die Behandlung der zugrunde liegenden Hormonstörung im Vordergrund. Unabhängig von der Ursache wird bei ausgeprägtem Substanzverlust häufig zur Schonung der betroffenen Region geraten, um einen pathologischen Knochenbruch zu vermeiden.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf und die Prognose einer Osteolyse hängen ganz wesentlich von der zugrunde liegenden Ursache ab. Eine periprothetische Osteolyse schreitet ohne Behandlung häufig langsam fort und kann nach einem operativen Wechsel des künstlichen Gelenks in der Regel gut behoben werden. Eine infektionsbedingte Osteolyse kann bei rechtzeitiger und konsequenter antibiotischer sowie gegebenenfalls operativer Behandlung erfolgreich zum Stillstand gebracht werden, wobei der bereits verlorene Knochen sich meist nur teilweise wieder aufbaut. Bei tumorbedingter Osteolyse hängt die Prognose maßgeblich vom Verlauf der zugrunde liegenden Krebserkrankung ab. In allen Fällen ist eine rechtzeitige Diagnose und gezielte Behandlung der zugrunde liegenden Ursache entscheidend, um das Risiko eines pathologischen Knochenbruchs sowie weitere Komplikationen zu minimieren.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Was bedeutet Osteolyse genau?

Ein lokal begrenzter, krankhafter Abbau von Knochensubstanz, bei dem gesundes Knochengewebe durch verschiedene Prozesse zunehmend abgebaut wird, meist als Folge einer zugrunde liegenden Erkrankung oder Ursache.

Was ist eine periprothetische Osteolyse?

Ein Knochenabbau rund um ein künstliches Gelenk, ausgelöst durch feinste Abriebpartikel des Implantats, die eine chronische Entzündungsreaktion im umliegenden Knochengewebe hervorrufen können.

Kann Osteolyse zu einem Knochenbruch führen?

Ja, bei ausgeprägtem Substanzverlust kann der geschwächte Knochen bereits bei geringer Belastung brechen, was als pathologischer Knochenbruch bezeichnet wird.

Wie wird eine Osteolyse festgestellt?

In erster Linie durch bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie; je nach vermuteter Ursache ergänzt durch Blutuntersuchungen oder eine Gewebeprobe.

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