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Innere Medizin

Wiskott-Aldrich-Syndrom

Das Wiskott-Aldrich-Syndrom ist ein seltener, erblicher Immundefekt, der nahezu ausschließlich Jungen betrifft und durch die charakteristische Kombination aus einem chronischen Ekzem der Haut, einer verminderten Anzahl sowie gestörten Funktion der Blutplättchen und einer erhöhten Anfälligkeit für wiederkehrende Infektionen gekennzeichnet ist. Die Erkrankung wird X-chromosomal-rezessiv vererbt, weshalb sie fast ausschließlich bei Jungen auftritt, während Mädchen als Trägerinnen der Erbanlage in der Regel selbst nicht erkranken. Ursächlich liegt eine Veränderung eines Gens zugrunde, das für ein Eiweiß kodiert, das für die Struktur und Funktion verschiedener Zellen des Immunsystems sowie der Blutplättchen von zentraler Bedeutung ist. Aufgrund der Kombination aus Blutungsneigung und Infektanfälligkeit stellt das Wiskott-Aldrich-Syndrom eine besondere Herausforderung für die betroffenen Familien dar und erfordert eine spezialisierte, langfristige medizinische Betreuung.

Ursachen

Das Wiskott-Aldrich-Syndrom wird durch Veränderungen im WAS-Gen verursacht, das auf dem X-Chromosom liegt und die Bauanleitung für ein Eiweiß enthält, das für die Struktur des Zellskeletts verschiedener Zellen des Immunsystems sowie der Blutplättchen von wesentlicher Bedeutung ist. Fehlt dieses Eiweiß oder ist es in seiner Funktion eingeschränkt, können sich sowohl die Immunzellen als auch die Blutplättchen nicht mehr richtig entwickeln und ihre normale Funktion nicht ausreichend erfüllen. Da das betroffene Gen auf dem X-Chromosom liegt, sind nahezu ausschließlich Jungen betroffen, während Mädchen, die eine veränderte und eine gesunde Genkopie besitzen, üblicherweise gesund bleiben, jedoch die veränderte Erbanlage an ihre Söhne weitergeben können. Das Ausmaß der genetischen Veränderung bestimmt maßgeblich die Schwere der Erkrankung, die von milden bis zu sehr schweren Verlaufsformen reichen kann.

Symptome

Die drei Leitsymptome des Wiskott-Aldrich-Syndroms sind ein chronisches, häufig schwer therapierbares Ekzem der Haut, eine Blutungsneigung durch eine verminderte Anzahl und gestörte Funktion der Blutplättchen sowie eine erhöhte Anfälligkeit für wiederkehrende, teils schwere bakterielle, virale und pilzbedingte Infektionen. Die Blutungsneigung äußert sich bereits im Säuglingsalter häufig durch punktförmige Hauteinblutungen, verlängertes Nasenbluten sowie, in schweren Fällen, durch innere Blutungen. Betroffene Jungen erkranken deutlich häufiger und schwerer an Infektionen der Atemwege, der Ohren sowie an schweren, systemischen Infektionen als gesunde Kinder. Im Verlauf der Erkrankung besteht zudem ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen sowie von bösartigen Erkrankungen des Immunsystems.

Diagnostik

Die Diagnose des Wiskott-Aldrich-Syndroms wird durch eine Kombination aus dem charakteristischen klinischen Erscheinungsbild sowie gezielten Laboruntersuchungen gestellt, bei denen sich typischerweise eine verminderte Anzahl kleiner, in ihrer Größe verminderter Blutplättchen sowie Veränderungen im Immunsystem, insbesondere eine gestörte Antikörperbildung gegen bestimmte Erreger, zeigen. Der endgültige Nachweis der Erkrankung erfolgt durch eine molekulargenetische Untersuchung, bei der die zugrunde liegende Veränderung im WAS-Gen nachgewiesen wird. Diese genetische Diagnostik ist auch für eine gezielte genetische Beratung betroffener Familien sowie für die Planung einer möglichen vorgeburtlichen Diagnostik bei erneuter Schwangerschaft von Bedeutung. Eine frühzeitige Diagnosestellung ist wichtig, um rechtzeitig mit vorbeugenden und therapeutischen Maßnahmen beginnen zu können.

Behandlung

Die Behandlung des Wiskott-Aldrich-Syndroms umfasst zunächst unterstützende Maßnahmen wie eine regelmäßige Gabe von Antikörperpräparaten zur Infektionsvorbeugung, eine vorbeugende antibiotische Behandlung sowie eine sorgfältige Behandlung des begleitenden Ekzems. Bei ausgeprägter Blutungsneigung können Blutplättchentransfusionen sowie, in schweren Fällen, eine operative Entfernung der Milz erwogen werden, die trotz des damit verbundenen zusätzlichen Infektionsrisikos die Blutungsneigung deutlich verbessern kann. Die einzige kurative Behandlungsoption stellt eine Stammzelltransplantation dar, bei der die fehlerhaften blutbildenden Stammzellen des betroffenen Kindes durch gesunde Stammzellen eines geeigneten Spenders ersetzt werden, wobei diese Behandlung umso erfolgreicher ist, je früher sie im Krankheitsverlauf durchgeführt wird.

Verlauf und Prognose

Unbehandelt verläuft das Wiskott-Aldrich-Syndrom aufgrund der Kombination aus schweren Infektionen, Blutungskomplikationen sowie einem erhöhten Risiko für bösartige Erkrankungen häufig schwerwiegend, mit einer deutlich eingeschränkten Lebenserwartung. Durch eine erfolgreiche Stammzelltransplantation, insbesondere wenn sie frühzeitig im Kindesalter durchgeführt wird, kann die Erkrankung heute jedoch bei einem erheblichen Teil der betroffenen Jungen dauerhaft geheilt werden, sodass sich Immunsystem und Blutplättchenfunktion nach erfolgreicher Transplantation normalisieren. Ohne eine solche kurative Behandlung ist eine lebenslange, engmaschige medizinische Betreuung mit konsequenter Infektionsvorbeugung sowie regelmäßiger Überwachung auf mögliche Komplikationen notwendig, um die Lebensqualität und Lebenserwartung der Betroffenen bestmöglich zu erhalten.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum sind fast ausschließlich Jungen von der Erkrankung betroffen?

Weil das ursächliche Gen auf dem X-Chromosom liegt und die Vererbung X-chromosomal-rezessiv erfolgt, wodurch Mädchen mit einer gesunden zweiten Genkopie in der Regel gesund bleiben.

Welche drei Hauptsymptome kennzeichnen das Wiskott-Aldrich-Syndrom?

Ein chronisches Ekzem der Haut, eine Blutungsneigung durch verminderte und funktionsgestörte Blutplättchen sowie eine erhöhte Anfälligkeit für wiederkehrende Infektionen.

Gibt es eine Möglichkeit zur vollständigen Heilung?

Ja, eine Stammzelltransplantation kann die Erkrankung dauerhaft heilen, insbesondere wenn sie frühzeitig im Kindesalter durchgeführt wird.

Welche Rolle spielt die Milzentfernung bei der Behandlung?

Sie kann bei ausgeprägter Blutungsneigung erwogen werden und diese deutlich verbessern, geht jedoch mit einem zusätzlichen Infektionsrisiko einher.

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