Verätzung durch Säuren und Laugen
Eine Verätzung entsteht, wenn ätzende Substanzen — starke Säuren, Laugen oder bestimmte Reinigungs- und Industriechemikalien — mit Haut, Augen oder Schleimhäuten in Kontakt kommen und dort Gewebe zerstören. Anders als bei einer Verbrennung durch Hitze wirkt die schädigende Substanz oft weiter, solange sie nicht vollständig entfernt ist — das macht Sofortmaßnahmen besonders zeitkritisch.
Grundprinzip: verdünnen und entfernen
Die wichtigste Sofortmaßnahme bei jeder Verätzung ist ausgiebiges Spülen mit viel fließendem, handwarmem Wasser — mindestens 15 bis 20 Minuten, bei Augenbeteiligung eher länger. Das Wasser verdünnt die Chemikalie und spült sie von der betroffenen Stelle. Vorher sollte kontaminierte Kleidung, sofern sie nicht an der Haut festklebt, vorsichtig entfernt werden, um weiteren Kontakt zu vermeiden — dabei Einmalhandschuhe tragen, wenn verfügbar, um sich selbst zu schützen.
Verätzung der Haut
Betroffene Hautstellen sofort und ausgiebig spülen, dabei die Substanz nicht verreiben. Nach dem Spülen die Wunde locker und steril abdecken, ähnlich wie bei einer Verbrennung. Keine Neutralisationsversuche mit Gegensubstanzen (z. B. Essig gegen Lauge) unternehmen — die dabei entstehende Reaktion kann zusätzliche Wärme freisetzen und die Verletzung verschlimmern. Bei größerer Fläche, tiefer Schädigung oder unklarer Substanz sofort ärztliche Hilfe hinzuziehen.
Verätzung der Augen
Das betroffene Auge sofort unter fließendem, handwarmem Wasser oder mit einer Augenspüllösung spülen — dabei das Augenlid mit den Fingern offen halten, damit das Wasser die gesamte Augenoberfläche erreicht, und mindestens 15 bis 20 Minuten kontinuierlich weiterspülen, auch während der Notruf abgesetzt wird. Danach in jedem Fall — auch bei scheinbar gutem Verlauf — umgehend augenärztlich oder in einer Notaufnahme vorstellen, weil Verätzungen des Auges das Sehvermögen dauerhaft schädigen können.
Verschlucken ätzender Substanzen
Bei versehentlichem Verschlucken KEIN Erbrechen auslösen — beim erneuten Passieren der Speiseröhre verätzt die Substanz das Gewebe ein zweites Mal. Auch kein Wasser oder Milch zum „Verdünnen“ trinken lassen, wenn Mund oder Rachen bereits verätzt sind oder Schluckbeschwerden bestehen — das kann Erbrechen auslösen. Sofort die Giftnotrufzentrale kontaktieren und/oder Notruf 112 wählen, Verpackung oder Reste der Substanz für die Identifikation sicherstellen.
Eigenschutz nicht vergessen
Bei größeren Unfällen mit unbekannten oder stark reizenden/giftigen Dämpfen (etwa in Betrieben oder beim Umgang mit Reinigungschemikalien) auf ausreichende Belüftung achten und sich selbst nicht unnötig der Substanz aussetzen — im Zweifel zuerst die Feuerwehr alarmieren, die über Schutzausrüstung verfügt, statt sich selbst zu gefährden.
Quellen & weiterführende Stellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung — Giftinformationszentren — Erstmaßnahmen bei Verätzungen und Vergiftungen
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) — Umgang mit Gefahrstoffen und Erste Hilfe im Betrieb
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie lange sollte gespült werden?
Als Faustregel gelten mindestens 15 bis 20 Minuten ohne Unterbrechung — bei starken Laugen (die oft tiefer und länger wirken als Säuren) im Zweifel länger, bis professionelle Hilfe übernimmt.
Warum sind Laugen oft gefährlicher als Säuren?
Säuren verursachen meist eine schnelle, begrenzte Gewebeschädigung, während starke Laugen tendenziell tiefer ins Gewebe eindringen und dort länger weiterwirken — deshalb ist bei Laugenkontakt besonders langes und gründliches Spülen wichtig.
Darf man eine ätzende Chemikalie neutralisieren, statt zu spülen?
Nein — Laien sollten keine Neutralisationsversuche unternehmen. Die chemische Reaktion zwischen Säure und Lauge setzt Wärme frei, die zusätzlich zur chemischen eine thermische Verletzung verursachen kann. Spülen mit Wasser bleibt die sichere Standardmaßnahme.
Was, wenn die genaue Substanz nicht bekannt ist?
Trotzdem sofort mit Wasser spülen — das ist bei praktisch jeder ätzenden Substanz die richtige erste Maßnahme. Verpackung, Etikett oder Reste für die spätere Identifikation durch Giftnotruf oder Klinik sicherstellen, wenn gefahrlos möglich.
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