Tietze-Syndrom
Das Tietze-Syndrom bezeichnet eine gutartige, schmerzhafte Schwellung des Übergangs zwischen einer oder mehreren oberen Rippen sowie dem Brustbein, bei der sich der dort gelegene Rippenknorpel entzündlich verändert sowie tastbar anschwillt, ohne dass eine tatsächliche Infektion oder eine bösartige Erkrankung zugrunde liegt. Da sich die Beschwerden des Tietze-Syndroms in unmittelbarer Nähe des Herzens im vorderen Brustkorb äußern und dabei mitunter mit einem stechenden, ausstrahlenden Schmerz einhergehen, wird die Erkrankung von den Betroffenen selbst sowie mitunter auch bei der ersten ärztlichen Einschätzung fälschlicherweise für ein ernstes Herzproblem, insbesondere einen Herzinfarkt, gehalten, weshalb eine sorgfältige Abgrenzung von tatsächlichen Herzerkrankungen von großer Bedeutung ist. Das Tietze-Syndrom verläuft trotz der mitunter beunruhigenden Beschwerden gutartig und heilt bei den meisten Betroffenen innerhalb einiger Wochen bis Monate folgenlos ab.
Ursachen
Die genaue Ursache des Tietze-Syndroms ist nicht abschließend geklärt, wobei eine mechanische Reizung des betroffenen Rippenknorpels, etwa durch ungewohnte körperliche Belastung, heftiges Husten oder eine Verletzung des Brustkorbs, bei einem Teil der Betroffenen als möglicher auslösender Faktor identifiziert werden kann. Bei der Mehrheit der Betroffenen lässt sich jedoch kein eindeutig identifizierbarer auslösender Faktor feststellen, sodass die Erkrankung häufig ohne erkennbaren Anlass entsteht. Das Tietze-Syndrom tritt gehäuft bei jüngeren Erwachsenen auf und betrifft Frauen sowie Männer nach derzeitigem Kenntnisstand etwa gleich häufig.
Symptome
Das Tietze-Syndrom äußert sich durch eine schmerzhafte, meist auf eine oder wenige Rippen begrenzte Schwellung am Übergang zwischen Rippe sowie Brustbein, die bei Druck auf die betroffene Stelle sowie bei bestimmten Bewegungen des Brustkorbs, insbesondere beim tiefen Einatmen oder Husten, deutlich verstärkt wird. Der Schmerz kann dabei in den Arm oder die Schulter der betroffenen Seite ausstrahlen, was zusammen mit der Lokalisation im vorderen Brustkorb die häufig bestehende Verwechslungsgefahr mit einem tatsächlichen Herzproblem erklärt. Im Unterschied zu einem echten Herzproblem lässt sich der Schmerz beim Tietze-Syndrom durch gezielten Druck auf die betroffene Stelle typischerweise reproduzieren, was ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal darstellt.
Diagnostik
Die Diagnose des Tietze-Syndroms wird überwiegend klinisch anhand des charakteristischen Druckschmerzes über dem betroffenen Rippenknorpel gestellt, wobei angesichts der Lokalisation im vorderen Brustkorb sowie der möglichen Ausstrahlung des Schmerzes zunächst eine sorgfältige Abklärung zum sicheren Ausschluss einer tatsächlichen Herzerkrankung, insbesondere mittels Elektrokardiogramm sowie gegebenenfalls einer Blutuntersuchung bestimmter Herzmarker, durchgeführt wird. Eine Bildgebung des Brustkorbs kann bei unklarem oder untypischem Befund zur weiteren Abklärung sowie zum Ausschluss anderer, seltenerer Ursachen für die Schwellung des betroffenen Rippenknorpels beitragen. Nach sicherem Ausschluss einer ernsteren zugrunde liegenden Ursache wird die Diagnose des Tietze-Syndroms anhand des charakteristischen klinischen Erscheinungsbildes gestellt.
Behandlung
Die Behandlung des Tietze-Syndroms erfolgt überwiegend symptomatisch mit entzündungshemmenden sowie schmerzlindernden Medikamenten, die bei den meisten Betroffenen zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden beitragen. Eine vorübergehende Schonung sowie das Vermeiden von Bewegungen, die die Beschwerden gezielt verstärken, unterstützt die Abheilung zusätzlich. Bei besonders hartnäckigen, auf die übliche Behandlung nicht ausreichend ansprechenden Beschwerden kann eine gezielte örtliche Injektionsbehandlung mit einem entzündungshemmenden Medikament in den betroffenen Bereich erwogen werden, wobei diese weiterführende Behandlung nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen tatsächlich notwendig wird.
Verlauf und Prognose
Die Prognose des Tietze-Syndroms ist trotz der mitunter beunruhigenden Beschwerden sehr gut, da die Erkrankung bei der überwiegenden Mehrheit der Betroffenen innerhalb einiger Wochen bis Monate spontan oder unter symptomatischer Behandlung folgenlos abheilt. Ein erneutes Auftreten der Beschwerden an derselben oder benachbarter Stelle ist bei einem Teil der Betroffenen möglich, verläuft jedoch ebenso gutartig wie die ursprüngliche Erkrankung. Eine bleibende Beeinträchtigung oder gar Gefährdung durch das Tietze-Syndrom besteht nicht, sodass sich die Behandlung nach sicherem Ausschluss einer ernsteren zugrunde liegenden Ursache in erster Linie auf eine wirksame Symptomlinderung konzentrieren kann.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Tietze-Syndrom: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Warum wird das Tietze-Syndrom manchmal mit einem Herzinfarkt verwechselt?
Weil sich die Beschwerden in unmittelbarer Nähe des Herzens im vorderen Brustkorb äußern und in den Arm ausstrahlen können.
Wie lässt sich der Schmerz von einem echten Herzproblem unterscheiden?
Der Schmerz beim Tietze-Syndrom lässt sich typischerweise durch gezielten Druck auf die betroffene Stelle reproduzieren.
Ist das Tietze-Syndrom gefährlich?
Nein, es verläuft gutartig und heilt bei den meisten Betroffenen innerhalb einiger Wochen bis Monate folgenlos ab.
Wie wird die Erkrankung überwiegend behandelt?
Symptomatisch mit entzündungshemmenden sowie schmerzlindernden Medikamenten.
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