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Innere Medizin

Stiff-Man-Syndrom (Stiff-Person-Syndrom)

Das Stiff-Man-Syndrom, heute meist geschlechtsneutral als Stiff-Person-Syndrom bezeichnet, ist eine seltene neurologische Erkrankung, die durch eine fortschreitende, überwiegend die Rumpf- und Beinmuskulatur betreffende Muskelsteifigkeit sowie überlagernde, schmerzhafte Muskelkrämpfe gekennzeichnet ist. Der Erkrankung liegt eine autoimmune Störung zugrunde, bei der sich Antikörper gegen ein Eiweiß richten, das für die Hemmung der Erregungsübertragung im Nervensystem von zentraler Bedeutung ist, wodurch die normalerweise fein abgestimmte Balance zwischen erregenden und hemmenden Signalen an den motorischen Nervenzellen gestört wird und die Muskulatur in einen Zustand dauerhafter, unwillkürlicher Anspannung gerät. Die Erkrankung tritt häufig gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen, insbesondere einer Zuckerkrankheit vom Typ 1 sowie Schilddrüsenerkrankungen, auf, was auf eine gemeinsame zugrunde liegende Störung der körpereigenen Immuntoleranz hindeutet.

Ursachen

Dem Stiff-Person-Syndrom liegt bei der Mehrzahl der Betroffenen eine autoimmune Bildung von Antikörpern gegen das Enzym Glutamatdecarboxylase zugrunde, das für die Herstellung eines wichtigen hemmenden Botenstoffs im Nervensystem verantwortlich ist. Durch die Blockade dieses Enzyms wird die normale Hemmung der motorischen Nervenzellen im Rückenmark und Gehirn gestört, wodurch die Muskulatur einem ungebremsten, dauerhaften Erregungszustand ausgesetzt ist, der sich als anhaltende Steifigkeit sowie überlagernde Krämpfe äußert. Eine seltenere, paraneoplastische Verlaufsform der Erkrankung entsteht im Rahmen bestimmter, meist noch unentdeckter bösartiger Tumoren, bei denen das Immunsystem im Zuge der Tumorabwehr fälschlicherweise auch gegen körpereigene Nervenstrukturen gerichtete Antikörper bildet. Die häufige Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen, insbesondere einem Typ-1-Diabetes, deutet auf eine gemeinsame zugrunde liegende genetische Veranlagung zu autoimmunen Erkrankungen hin.

Symptome

Das Stiff-Person-Syndrom beginnt typischerweise mit einer langsam fortschreitenden Steifigkeit der Rumpf- und der proximalen Beinmuskulatur, die zu einer charakteristischen, aufrechten, wenig beweglichen Körperhaltung sowie einem watschelnden, vorsichtigen Gangbild führt. Überlagernd treten plötzliche, sehr schmerzhafte Muskelkrämpfe auf, die durch äußere Reize wie plötzliche Geräusche, Berührungen oder emotionale Belastung ausgelöst werden können und die betroffene Muskulatur für Sekunden bis Minuten in einen schmerzhaften, verkrampften Zustand versetzen. Diese Krämpfe können so heftig ausfallen, dass sie zu Stürzen führen, bei denen sich Betroffene aufgrund der fehlenden schützenden Ausgleichsbewegungen der Arme erheblich verletzen können. Im fortgeschrittenen Verlauf kann sich die Steifigkeit auf weitere Muskelgruppen ausbreiten und zu einer erheblichen Einschränkung der Alltagsaktivitäten führen.

Diagnostik

Die Diagnose des Stiff-Person-Syndroms wird durch den Nachweis der charakteristischen Antikörper gegen die Glutamatdecarboxylase im Blut sowie im Nervenwasser gestellt, wobei die Höhe des Antikörperspiegels häufig deutlich über den bei anderen, milderen Autoimmunerkrankungen üblichen Werten liegt. Eine elektromyographische Untersuchung der betroffenen Muskulatur zeigt eine charakteristische, kontinuierliche elektrische Aktivität auch in Ruhe, die für eine gesunde Muskulatur untypisch ist und einen wichtigen diagnostischen Hinweis liefert. Aufgrund der möglichen paraneoplastischen Verlaufsform wird bei Diagnosestellung eine umfassende Tumorsuche empfohlen, insbesondere bei älteren Betroffenen oder bei einem untypischen Antikörpermuster. Eine sorgfältige Abklärung auf begleitende Autoimmunerkrankungen, insbesondere einen Typ-1-Diabetes sowie Schilddrüsenerkrankungen, wird ebenfalls empfohlen.

Behandlung

Die Behandlung des Stiff-Person-Syndroms zielt zunächst auf eine symptomatische Linderung der Muskelsteifigkeit sowie der schmerzhaften Krämpfe ab, wofür Medikamente eingesetzt werden, die die Erregbarkeit der motorischen Nervenzellen dämpfen und die gestörte hemmende Wirkung teilweise ersetzen können. Zur ursächlichen Behandlung der zugrunde liegenden Autoimmunreaktion kommen verschiedene immunmodulierende Verfahren zum Einsatz, insbesondere die regelmäßige Gabe von Immunglobulinen, die bei einem erheblichen Teil der Betroffenen zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden führen kann. Bei unzureichendem Ansprechen können weitere immununterdrückende Medikamente sowie ein sogenannter Plasmaaustausch eingesetzt werden, bei dem die krankheitsverursachenden Antikörper direkt aus dem Blut entfernt werden. Eine begleitende Physiotherapie unterstützt den Erhalt der Beweglichkeit sowie die Sturzprävention.

Verlauf und Prognose

Das Stiff-Person-Syndrom verläuft chronisch und erfordert bei den meisten Betroffenen eine langfristige, spezialisierte neurologische Betreuung. Bei konsequenter, gezielter Behandlung mit Immunglobulinen sowie ergänzenden symptomlindernden Medikamenten kann bei einem erheblichen Teil der Betroffenen eine deutliche Besserung der Beweglichkeit sowie eine Reduktion der schmerzhaften Krämpfe erreicht werden, wenngleich eine vollständige Heilung bislang nicht möglich ist. Unbehandelt schreitet die Erkrankung bei vielen Betroffenen fort und kann zu einer erheblichen Einschränkung der Selbstständigkeit sowie zu einem deutlich erhöhten Sturzrisiko mit entsprechenden Verletzungsfolgen führen. Bei der selteneren, paraneoplastischen Form richtet sich der weitere Verlauf zusätzlich nach dem Ansprechen der Behandlung des zugrunde liegenden Tumors.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Wogegen richten sich die Antikörper beim Stiff-Person-Syndrom?

Meist gegen das Enzym Glutamatdecarboxylase, das für die Herstellung eines wichtigen hemmenden Botenstoffs im Nervensystem verantwortlich ist.

Was löst die schmerzhaften Muskelkrämpfe typischerweise aus?

Äußere Reize wie plötzliche Geräusche, Berührungen oder emotionale Belastung.

Welche Behandlung steht im Vordergrund der ursächlichen Therapie?

Die regelmäßige Gabe von Immunglobulinen, die bei einem erheblichen Teil der Betroffenen zu einer deutlichen Besserung führen kann.

Warum wird bei Diagnosestellung eine Tumorsuche empfohlen?

Weil eine seltenere, paraneoplastische Verlaufsform im Rahmen bestimmter, meist noch unentdeckter bösartiger Tumoren auftreten kann.

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