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Verdauung & Magen-Darm

Spasmus des Sphinkter Oddi

Der Sphinkter Oddi ist ein kleiner, ringförmiger Muskel an der gemeinsamen Mündungsstelle von Gallengang und Bauchspeicheldrüsengang in den Zwölffingerdarm, der den geordneten Abfluss von Galle und Bauchspeicheldrüsensekret reguliert und gleichzeitig einen Rückfluss von Darminhalt in diese Gänge verhindert. Ein Spasmus des Sphinkter Oddi bezeichnet eine funktionelle Störung, bei der sich dieser Muskel unangemessen stark oder unkoordiniert zusammenzieht, wodurch der Abfluss von Galle und Bauchspeicheldrüsensekret behindert wird, ohne dass eine strukturelle Verengung oder ein Gallenstein als Ursache vorliegt. Diese Störung kann zu wiederkehrenden, kolikartigen Oberbauchschmerzen führen, die den Beschwerden eines Gallensteinleidens ähneln können, insbesondere auch bei Menschen, denen die Gallenblase bereits operativ entfernt wurde.

Ursachen

Die genaue Ursache eines Spasmus des Sphinkter Oddi ist nicht vollständig geklärt, es wird jedoch von einer Störung der koordinierten Muskelaktivität dieses kleinen Schließmuskels ausgegangen, die zu einem unangemessenen Widerstand gegen den Abfluss von Galle und Bauchspeicheldrüsensekret führt. Diese funktionelle Störung tritt gehäuft bei Menschen auf, denen zuvor die Gallenblase operativ entfernt wurde, da vermutet wird, dass die veränderten Druckverhältnisse in den Gallenwegen nach diesem Eingriff die Muskelfunktion des Sphinkter Oddi beeinträchtigen können. Auch eine erhöhte Empfindlichkeit der Nervenendigungen im Bereich dieses Muskels sowie psychische Faktoren werden als mögliche mitwirkende Ursachen diskutiert. Eine strukturelle Verengung oder ein Gallenstein als mechanische Ursache der Beschwerden wird bei dieser Diagnose per Definition ausgeschlossen.

Symptome

Ein Spasmus des Sphinkter Oddi äußert sich durch wiederkehrende, kolikartige Schmerzen im rechten Oberbauch oder in der Magengegend, die den typischen Beschwerden einer Gallenkolik ähneln können und mitunter in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen. Die Schmerzattacken können unabhängig von den Mahlzeiten auftreten und mehrere Minuten bis Stunden andauern. Begleitend können Übelkeit und Erbrechen bestehen. Bei manchen Betroffenen treten zusätzlich erhöhte Leber- oder Bauchspeicheldrüsenwerte im Blut auf, die auf eine vorübergehende Behinderung des Sekretabflusses während einer Schmerzattacke hinweisen. Da sich die Beschwerden mitunter über Jahre wiederholen können, ohne dass eine eindeutige strukturelle Ursache gefunden wird, ist die Diagnosestellung häufig langwierig und für Betroffene belastend.

Diagnostik

Die Diagnose eines Spasmus des Sphinkter Oddi wird durch den Ausschluss anderer, strukturell fassbarer Ursachen der Beschwerden gestellt, insbesondere eines Gallensteins oder einer strukturellen Verengung der Gallenwege, was durch eine Ultraschalluntersuchung sowie eine Magnetresonanztomographie der Gallenwege erfolgt. Blutuntersuchungen während oder unmittelbar nach einer Schmerzattacke können vorübergehend erhöhte Leber- oder Bauchspeicheldrüsenwerte zeigen, die auf eine funktionelle Behinderung des Sekretabflusses hinweisen. In ausgewählten, unklaren Fällen kann eine spezielle druckmessende Untersuchung des Sphinkter Oddi im Rahmen einer endoskopischen Untersuchung der Gallenwege durchgeführt werden, die die Muskelaktivität dieses Schließmuskels direkt erfasst und dadurch die Diagnose sichern kann.

Behandlung

Die Behandlung eines Spasmus des Sphinkter Oddi umfasst zunächst medikamentöse Maßnahmen, die die Muskelspannung des betroffenen Schließmuskels reduzieren sollen, etwa krampflösende Medikamente. Bei anhaltenden, stark beeinträchtigenden Beschwerden kann eine endoskopische Behandlung erwogen werden, bei der der Schließmuskel durch einen kleinen Einschnitt in seiner Funktion entlastet wird, um den Abfluss von Galle und Bauchspeicheldrüsensekret zu erleichtern. Diese Behandlung wird jedoch sorgfältig abgewogen, da sie selbst mit gewissen Risiken, insbesondere einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse, verbunden sein kann. Eine begleitende psychologische Unterstützung kann bei ausgeprägter psychischer Belastung durch die wiederkehrenden, oft schwer einzuordnenden Beschwerden hilfreich sein.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf eines Spasmus des Sphinkter Oddi ist individuell sehr unterschiedlich, wobei die Beschwerden bei manchen Betroffenen über Jahre in wiederkehrenden Episoden bestehen bleiben, während sie sich bei anderen im Laufe der Zeit von selbst bessern. Eine medikamentöse Behandlung kann die Beschwerden bei einem Teil der Betroffenen deutlich lindern, ohne die zugrunde liegende funktionelle Störung ursächlich zu beheben. Bei einer endoskopischen Behandlung des Schließmuskels berichtet ein erheblicher Teil der Betroffenen über eine deutliche Besserung der Beschwerden, wobei ein gewisses Risiko für Komplikationen sowie für ein Wiederauftreten der Beschwerden besteht. Aufgrund der unklaren, funktionellen Natur dieser Erkrankung ist eine individuelle, geduldige Herangehensweise bei der Behandlung wichtig.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum tritt diese Störung häufiger nach Entfernung der Gallenblase auf?

Weil vermutet wird, dass die durch die Operation veränderten Druckverhältnisse in den Gallenwegen die koordinierte Muskelfunktion des Sphinkter Oddi beeinträchtigen können, wodurch das Risiko für einen Spasmus erhöht sein kann.

Wie unterscheidet sich diese Erkrankung von einer Gallenkolik durch einen Gallenstein?

Bei einem Spasmus des Sphinkter Oddi liegt keine strukturelle Ursache wie ein Gallenstein vor, sondern eine funktionelle Störung der Muskelaktivität, die durch Bildgebung ausgeschlossen werden muss, bevor diese Diagnose gestellt werden kann.

Kann man die Muskelfunktion des Sphinkter Oddi direkt messen?

Ja, in ausgewählten, unklaren Fällen kann eine spezielle druckmessende Untersuchung im Rahmen einer endoskopischen Untersuchung der Gallenwege durchgeführt werden, die die Muskelaktivität direkt erfasst.

Ist eine endoskopische Behandlung ohne Risiko?

Nein, die Entlastung des Schließmuskels durch einen kleinen Einschnitt kann selbst mit Risiken, insbesondere einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse, verbunden sein, weshalb sie sorgfältig abgewogen wird.

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