Krankheiten der ekkrinen Schweißdrüsen
Die ekkrinen Schweißdrüsen sind über nahezu die gesamte Körperoberfläche verteilt und spielen eine zentrale Rolle bei der Regulation der Körpertemperatur, indem sie durch die Absonderung von wässrigem Schweiß eine Verdunstungskälte erzeugen. Krankheiten der ekkrinen Schweißdrüsen umfassen verschiedene Störungen dieser Funktion, die von einer übermäßigen, über das für die Temperaturregulation notwendige Maß hinausgehenden Schweißproduktion bis zu einer krankhaft verminderten oder vollständig fehlenden Schweißbildung reichen können. Da eine gestörte Schweißproduktion sowohl die Temperaturregulation des Körpers beeinträchtigen als auch erhebliche psychosoziale Belastungen nach sich ziehen kann, insbesondere bei übermäßigem, sichtbarem Schwitzen, ist eine gezielte Abklärung und Behandlung dieser Erkrankungen von praktischer Bedeutung.
Ursachen
Eine übermäßige Schweißproduktion, medizinisch als Hyperhidrose bezeichnet, kann ohne erkennbare zugrunde liegende Ursache auftreten, wobei in diesem Fall eine erhöhte Aktivität des für die Schweißdrüsen zuständigen Nervensystems angenommen wird, häufig mit einer familiären Häufung. Seltener liegt einer übermäßigen Schweißproduktion eine zugrunde liegende Erkrankung zugrunde, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, eine hormonelle Umstellung während der Wechseljahre, bestimmte Infektionen oder eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente. Eine verminderte oder fehlende Schweißproduktion, die sogenannte Hypohidrose beziehungsweise Anhidrose, kann durch eine angeborene Fehlbildung der Schweißdrüsen, durch eine erworbene Schädigung der Haut, etwa nach ausgedehnten Verbrennungen oder Hauterkrankungen, sowie durch bestimmte Nervenerkrankungen entstehen, die die Steuerung der Schweißdrüsen beeinträchtigen.
Symptome
Eine übermäßige Schweißproduktion äußert sich durch ein deutlich verstärktes Schwitzen, das über das für die jeweilige Situation, etwa Temperatur oder körperliche Anstrengung, zu erwartende Maß hinausgeht und häufig bestimmte Körperregionen wie Achseln, Handflächen oder Fußsohlen besonders betrifft. Betroffene berichten häufig über tropfnasse Hände, durchnässte Kleidung sowie eine erhebliche psychosoziale Belastung durch die sichtbaren Schweißflecken sowie die Sorge vor deren Bemerkbarkeit durch andere. Eine verminderte oder fehlende Schweißproduktion macht sich hingegen durch eine auffallend trockene Haut sowie durch eine deutlich eingeschränkte Fähigkeit zur Temperaturregulation bemerkbar, was insbesondere bei körperlicher Anstrengung oder hohen Umgebungstemperaturen zu einer gefährlichen Überhitzung des Körpers führen kann, da die Verdunstungskühlung durch den Schweiß fehlt.
Diagnostik
Die Diagnose einer übermäßigen Schweißproduktion wird zunächst durch eine sorgfältige Anamnese gestellt, bei der insbesondere die betroffenen Körperregionen, der zeitliche Verlauf sowie mögliche auslösende Faktoren erfasst werden. Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Erkrankung, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, werden gezielte Blutuntersuchungen durchgeführt. Ein spezieller Test mit einem die Schweißproduktion sichtbar machenden Farbstoff kann das Ausmaß und die genaue Verteilung der übermäßigen Schweißbildung objektivieren. Bei Verdacht auf eine verminderte oder fehlende Schweißproduktion wird eine spezielle Schweißtestung durchgeführt, die die Funktion der Schweißdrüsen in verschiedenen Körperregionen überprüft, ergänzt durch eine sorgfältige Untersuchung der Haut sowie gegebenenfalls des Nervensystems auf eine mögliche zugrunde liegende Ursache.
Behandlung
Die Behandlung einer übermäßigen Schweißproduktion umfasst je nach Ausmaß verschiedene Stufen: von speziellen, aluminiumsalzhaltigen Antitranspirantien über eine elektrisch unterstützte Behandlung, bei der die Schweißdrüsen durch schwachen elektrischen Strom in ihrer Aktivität gehemmt werden, bis zu Injektionen mit einem die Nervenimpulse zu den Schweißdrüsen blockierenden Wirkstoff, die bei ausgeprägter Hyperhidrose einzelner Körperregionen sehr wirksam sein können. Bei sehr ausgeprägten, therapieresistenten Fällen kann eine operative Durchtrennung der für die übermäßige Schweißproduktion verantwortlichen Nervenbahnen erwogen werden. Bei verminderter oder fehlender Schweißproduktion steht der Schutz vor Überhitzung im Vordergrund, etwa durch das Vermeiden übermäßiger Hitzeexposition sowie durch eine ausreichende, aktive Kühlung des Körpers bei Bedarf.
Verlauf und Prognose
Eine übermäßige Schweißproduktion ohne zugrunde liegende Erkrankung besteht häufig über viele Jahre, kann sich jedoch durch die verfügbaren Behandlungsmaßnahmen bei einem erheblichen Teil der Betroffenen deutlich bessern und die damit verbundene psychosoziale Belastung erheblich lindern. Liegt der übermäßigen Schweißproduktion eine zugrunde liegende Erkrankung zugrunde, bessert sich diese in der Regel nach erfolgreicher Behandlung der Grunderkrankung. Eine verminderte oder fehlende Schweißproduktion bleibt, insbesondere bei angeborener Ursache, meist dauerhaft bestehen, wobei ein konsequenter Schutz vor Überhitzung entscheidend ist, um gefährliche Komplikationen zu vermeiden. Eine frühzeitige Abklärung und Behandlung von Störungen der Schweißdrüsenfunktion trägt wesentlich zur Vermeidung von Komplikationen sowie zur Verbesserung der Lebensqualität bei.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Krankheiten der ekkrinen Schweißdrüsen: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist Hyperhidrose?
Die medizinische Bezeichnung für eine übermäßige Schweißproduktion, die über das für die jeweilige Situation zu erwartende Maß hinausgeht und häufig bestimmte Körperregionen wie Achseln, Handflächen oder Fußsohlen besonders betrifft.
Kann eine Schilddrüsenerkrankung übermäßiges Schwitzen verursachen?
Ja, eine Schilddrüsenüberfunktion zählt zu den möglichen zugrunde liegenden Ursachen einer übermäßigen Schweißproduktion, weshalb bei entsprechendem Verdacht gezielte Blutuntersuchungen durchgeführt werden.
Warum ist eine fehlende Schweißproduktion gefährlich?
Weil dadurch die Verdunstungskühlung des Körpers fehlt, was insbesondere bei körperlicher Anstrengung oder hohen Umgebungstemperaturen zu einer gefährlichen Überhitzung führen kann.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei übermäßigem Schwitzen?
Von speziellen Antitranspirantien über eine elektrisch unterstützte Behandlung und gezielte Injektionen bis zu einer operativen Behandlung bei sehr ausgeprägten, therapieresistenten Fällen.
Weiterlesen
Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
Kreisrunder Haarausfall: eine Autoimmunerkrankung der Haarfollikel mit unvorhersehbarem Verlauf.
Weiterlesen →Haut & HautkrankheitenHidradenitis suppurativa (Akne inversa)
Hidradenitis suppurativa: eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die oft lange unerkannt bleibt.
Weiterlesen →Haut & HautkrankheitenBullöses Pemphigoid
Bullöses Pemphigoid: eine Autoimmunerkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.