Sonstige Krankheiten der Kiefer
Als sonstige Krankheiten der Kiefer werden verschiedene, weniger häufige strukturelle, entzündliche oder wachstumsbedingte Veränderungen des Ober- und Unterkiefers zusammengefasst, die sich nicht den bekannteren Zahnerkrankungen wie Karies oder Zahnfehlstellungen zuordnen lassen. Dazu zählen unter anderem Größen- und Formveränderungen des Kieferknochens, entzündliche Veränderungen des Kieferknochens selbst sowie bestimmte gutartige, knochenartige Neubildungen im Kieferbereich. Da der Kieferknochen sowohl für die Verankerung der Zähne als auch für die Gesichtsform und die Funktion des Kiefergelenks von zentraler Bedeutung ist, können Erkrankungen des Kiefers je nach Ausmaß sowohl funktionelle Beeinträchtigungen beim Kauen und Sprechen als auch sichtbare Veränderungen der Gesichtsform nach sich ziehen.
Ursachen
Sonstige Krankheiten der Kiefer haben je nach genauer Form unterschiedliche Ursachen. Entzündliche Veränderungen des Kieferknochens entstehen meist als Folge einer fortgeleiteten Zahnentzündung, bei der sich Bakterien von einem entzündeten Zahn aus in den umgebenden Knochen ausbreiten, insbesondere wenn eine solche Entzündung nicht rechtzeitig behandelt wird. Größen- und Formveränderungen des Kiefers können angeboren sein oder sich im Rahmen von Wachstumsstörungen während der Kindheit entwickeln. Bestimmte gutartige, knochenartige Neubildungen im Kieferbereich entstehen durch ein lokal begrenztes, überschießendes Knochenwachstum, dessen genaue Ursache häufig nicht abschließend geklärt ist. Auch nach Zahnextraktionen oder anderen zahnärztlichen Eingriffen können in seltenen Fällen strukturelle Veränderungen des Kieferknochens an der betroffenen Stelle auftreten.
Symptome
Die Symptome sonstiger Kiefererkrankungen unterscheiden sich je nach zugrunde liegender Form erheblich. Entzündliche Veränderungen des Kieferknochens äußern sich typischerweise durch anhaltende, oft pochende Schmerzen im betroffenen Kieferbereich, eine Schwellung sowie, bei ausgeprägter Entzündung, ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Fieber. Größen- oder Formveränderungen des Kiefers können sich durch eine sichtbare Asymmetrie des Gesichts, eine veränderte Zahnstellung sowie funktionelle Einschränkungen beim Kauen bemerkbar machen. Gutartige knochenartige Neubildungen verursachen häufig über lange Zeit keine Beschwerden und fallen oft erst bei einer routinemäßigen zahnärztlichen Röntgenuntersuchung auf, können jedoch bei fortschreitendem Wachstum zu einer sichtbaren Vorwölbung oder zu Druckbeschwerden führen.
Diagnostik
Die Diagnose sonstiger Kiefererkrankungen wird durch eine zahnärztliche beziehungsweise kieferchirurgische Untersuchung gestellt, bei der der betroffene Kieferbereich sowohl von außen als auch von innen inspiziert und abgetastet wird. Eine Röntgenuntersuchung des Kiefers, häufig als sogenannte Panoramaschichtaufnahme, die den gesamten Kiefer in einer Übersichtsaufnahme darstellt, ist ein zentraler Bestandteil der Abklärung und kann sowohl entzündliche Veränderungen als auch strukturelle Auffälligkeiten des Knochens sichtbar machen. Bei unklaren oder ausgedehnteren Befunden kann eine dreidimensionale Bildgebung mittels digitaler Volumentomographie oder Computertomographie zusätzliche Informationen liefern. Bei Verdacht auf eine gutartige Neubildung wird zur Diagnosesicherung häufig eine kleine Gewebeprobe entnommen und feingeweblich untersucht.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Form der Kiefererkrankung. Bei entzündlichen Veränderungen des Kieferknochens werden Antibiotika eingesetzt, häufig kombiniert mit einer operativen Entfernung des entzündlich veränderten Gewebes sowie der Behandlung des ursächlichen Zahnes, etwa durch eine Wurzelbehandlung oder Extraktion. Größen- und Formveränderungen des Kiefers werden je nach Ausmaß entweder kieferorthopädisch oder, bei ausgeprägteren Befunden, kieferchirurgisch behandelt. Gutartige knochenartige Neubildungen ohne Beschwerden werden häufig zunächst nur beobachtet, während bei fortschreitendem Wachstum oder Beschwerden eine operative Entfernung erwogen wird. Nach jeder operativen Behandlung des Kieferknochens sind regelmäßige Nachkontrollen wichtig, um den Heilungsverlauf zu überwachen und ein erneutes Auftreten frühzeitig zu erkennen.
Verlauf und Prognose
Entzündliche Veränderungen des Kieferknochens heilen bei rechtzeitiger, konsequenter Behandlung mit Antibiotika und operativer Sanierung des ursächlichen Zahnes in der Regel gut aus, wobei eine verzögerte Behandlung das Risiko für eine ausgedehntere Knochenbeteiligung erhöht. Größen- und Formveränderungen des Kiefers lassen sich bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung im Kindesalter häufig günstig beeinflussen, während im Erwachsenenalter mitunter umfangreichere kieferchirurgische Maßnahmen notwendig werden. Gutartige knochenartige Neubildungen haben nach vollständiger operativer Entfernung meist eine gute Prognose, wobei bei manchen Formen ein gewisses Risiko für ein erneutes Auftreten besteht, weshalb regelmäßige Nachkontrollen empfohlen werden. Eine frühzeitige zahnärztliche Abklärung anhaltender Kieferbeschwerden trägt wesentlich dazu bei, Komplikationen zu vermeiden.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Sonstige Krankheiten der Kiefer: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Wie entsteht eine Entzündung des Kieferknochens?
Meist durch eine fortgeleitete Zahnentzündung, bei der sich Bakterien von einem entzündeten Zahn aus in den umgebenden Knochen ausbreiten, insbesondere wenn die zugrunde liegende Zahnentzündung nicht rechtzeitig behandelt wird.
Sind gutartige knochenartige Neubildungen im Kiefer gefährlich?
In der Regel nicht, sie sind gutartig und verursachen häufig über lange Zeit keine Beschwerden. Bei fortschreitendem Wachstum kann jedoch eine operative Entfernung notwendig werden, um Druckbeschwerden oder eine sichtbare Vorwölbung zu vermeiden.
Warum wird bei Kiefererkrankungen häufig eine Panoramaschichtaufnahme angefertigt?
Weil diese Röntgenaufnahme den gesamten Kiefer in einer einzigen Übersichtsaufnahme darstellt und damit sowohl entzündliche Veränderungen als auch strukturelle Auffälligkeiten des Knochens gut sichtbar macht.
Können Formveränderungen des Kiefers im Erwachsenenalter noch behandelt werden?
Ja, auch wenn eine Beeinflussung des Wachstums nicht mehr möglich ist, können ausgeprägtere Kieferfehlbildungen im Erwachsenenalter durch kieferchirurgische Maßnahmen korrigiert werden.
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