Ein Angebot von Personal Paramedic e.K. · DGUV-anerkannte Ausbildungsstätte (8.2018)
Herz & Kreislauf

Sonstige periphere Gefäßkrankheiten

Als sonstige periphere Gefäßkrankheiten werden verschiedene, weniger häufige Erkrankungen der Blutgefäße in den Armen, Beinen und anderen Körperregionen außerhalb von Herz und Gehirn zusammengefasst, die sich nicht den bekannteren, häufigeren Gefäßerkrankungen wie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit zuordnen lassen. Dazu zählen unter anderem funktionelle Durchblutungsstörungen, bei denen sich die kleinen Blutgefäße auf einen bestimmten Reiz hin übermäßig stark zusammenziehen, sowie verschiedene entzündliche oder strukturelle Veränderungen der Gefäßwände. Die Beschwerden und die Behandlung unterscheiden sich je nach der genauen Art der zugrunde liegenden Gefäßveränderung erheblich, weshalb eine sorgfältige ärztliche Einordnung notwendig ist, um die individuell passende Behandlung festzulegen.

Ursachen

Sonstige periphere Gefäßkrankheiten haben je nach genauer Form unterschiedliche Ursachen. Eine funktionelle Durchblutungsstörung, wie sie beim Raynaud-Syndrom auftritt, entsteht durch eine übermäßig starke, meist durch Kälte oder emotionalen Stress ausgelöste Verengung der kleinen Blutgefäße, wobei diese entweder ohne erkennbare zugrunde liegende Erkrankung oder im Rahmen einer anderen Grunderkrankung, etwa einer rheumatischen Erkrankung, auftreten kann. Entzündliche Veränderungen der Gefäßwände können durch verschiedene, teils autoimmun bedingte Erkrankungen entstehen, bei denen sich das körpereigene Immunsystem gegen die eigenen Blutgefäße richtet. Strukturelle Veränderungen der Venen, etwa eine krankhafte Erweiterung mit gestörter Klappenfunktion, entstehen durch eine angeborene oder erworbene Bindegewebsschwäche, begünstigt durch langes Stehen, Übergewicht oder eine familiäre Veranlagung.

Symptome

Die Symptome sonstiger peripherer Gefäßkrankheiten unterscheiden sich stark je nach der zugrunde liegenden Form. Bei funktionellen Durchblutungsstörungen kommt es typischerweise zu einer anfallsartigen, meist durch Kälte ausgelösten, charakteristischen Farbveränderung der Finger oder Zehen, die zunächst weiß, dann bläulich und schließlich gerötet erscheinen können, begleitet von einem Kältegefühl, Taubheit oder Kribbeln. Entzündliche Gefäßveränderungen können sich durch Schmerzen, eine Rötung oder Verhärtung entlang des betroffenen Gefäßverlaufes sowie durch allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber oder Müdigkeit äußern. Strukturelle Venenveränderungen können zu einem Schwere- und Spannungsgefühl in den Beinen, sichtbaren Gefäßveränderungen sowie, bei fortgeschrittenen Formen, zu Wassereinlagerungen und Hautveränderungen führen.

Diagnostik

Die Diagnostik sonstiger peripherer Gefäßkrankheiten richtet sich nach der vermuteten zugrunde liegenden Form. Eine körperliche Untersuchung mit Beurteilung von Hautfarbe, Temperatur und Pulsen der betroffenen Extremität liefert erste wichtige Hinweise. Eine Ultraschalluntersuchung der Blutgefäße mit Beurteilung des Blutflusses (Doppler- beziehungsweise Duplexsonographie) ist ein zentraler Baustein der Abklärung, um sowohl funktionelle als auch strukturelle Gefäßveränderungen zu erfassen. Bei Verdacht auf eine entzündliche, möglicherweise autoimmun bedingte Gefäßerkrankung werden zusätzliche Blutuntersuchungen zur Erfassung von Entzündungswerten und spezifischen Antikörpern durchgeführt. In bestimmten Fällen kann eine weiterführende, spezialisierte Gefäßdiagnostik notwendig werden, um die genaue Ursache der Beschwerden zu klären.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich vollständig nach der zugrunde liegenden Form der Gefäßerkrankung. Bei funktionellen Durchblutungsstörungen stehen ein konsequenter Schutz vor Kälte, das Vermeiden auslösender Reize sowie, bei ausgeprägteren Beschwerden, gefäßerweiternde Medikamente im Vordergrund. Bei entzündlichen, autoimmun bedingten Gefäßveränderungen kommen entzündungshemmende und das Immunsystem regulierende Medikamente zum Einsatz, deren genaue Auswahl sich nach der spezifischen Erkrankung richtet. Bei strukturellen Venenveränderungen werden je nach Ausmaß Kompressionsstrümpfe, eine konsequente Bewegung sowie, bei fortgeschrittenen Befunden, verödende oder operative Verfahren zur Behandlung der betroffenen Venen eingesetzt. Eine gezielte Behandlung einer möglichen zugrunde liegenden Grunderkrankung ist bei allen Formen von zentraler Bedeutung.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf und die Prognose sonstiger peripherer Gefäßkrankheiten hängen stark von der jeweiligen zugrunde liegenden Form ab. Funktionelle Durchblutungsstörungen ohne zugrunde liegende Erkrankung verlaufen meist gutartig und können durch konsequenten Kälteschutz und gegebenenfalls Medikamente gut kontrolliert werden. Entzündliche, autoimmun bedingte Gefäßveränderungen können unbehandelt zu einer fortschreitenden Schädigung der betroffenen Gefäße und der von ihnen versorgten Gewebe führen, weshalb eine frühzeitige, konsequente Behandlung wichtig ist, um Komplikationen zu vermeiden. Strukturelle Venenveränderungen schreiten ohne Behandlung häufig langsam fort, können jedoch durch geeignete Maßnahmen wie Kompressionstherapie oder eine gezielte Venenbehandlung gut kontrolliert werden. Eine individuelle, an die genaue Diagnose angepasste Verlaufsbeobachtung ist bei allen Formen empfehlenswert.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist eine funktionelle Durchblutungsstörung?

Eine Störung, bei der sich die kleinen Blutgefäße, meist der Finger oder Zehen, auf einen bestimmten Reiz wie Kälte übermäßig stark zusammenziehen, ohne dass eine strukturelle Schädigung der Gefäße selbst vorliegt, wie es typischerweise beim Raynaud-Syndrom der Fall ist.

Können entzündliche Gefäßveränderungen gefährlich werden?

Ja, unbehandelt können sie zu einer fortschreitenden Schädigung der betroffenen Gefäße und der von ihnen versorgten Gewebe führen, weshalb eine frühzeitige, konsequente Behandlung mit entzündungshemmenden Medikamenten wichtig ist.

Warum wird bei sonstigen peripheren Gefäßkrankheiten häufig eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt?

Weil die Doppler- beziehungsweise Duplexsonographie den Blutfluss in den Gefäßen nicht-invasiv darstellen kann und damit sowohl funktionelle als auch strukturelle Gefäßveränderungen zuverlässig erfasst.

Helfen Kompressionsstrümpfe bei strukturellen Venenveränderungen?

Ja, sie unterstützen den venösen Rückfluss des Blutes zum Herzen und können Beschwerden wie ein Schwere- und Spannungsgefühl in den Beinen deutlich lindern sowie das Fortschreiten der Veränderungen verlangsamen.

Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen

Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.

Kurs finden Inhouse anfragen