Sexuelle Funktionsstörungen ohne organische Ursache
Sexuelle Funktionsstörungen ohne organische Ursache bezeichnen Beeinträchtigungen des sexuellen Erlebens, etwa des Verlangens, der körperlichen Erregung oder der Fähigkeit, sexuelle Befriedigung zu erreichen, denen keine körperliche Erkrankung oder Medikamentenwirkung zugrunde liegt. Stattdessen spielen psychische Faktoren wie Stress, Ängste, eine belastete Paarbeziehung oder frühere negative Erfahrungen eine zentrale Rolle bei der Entstehung. Solche Funktionsstörungen können sowohl Männer als auch Frauen betreffen und sich in unterschiedlichster Form äußern, etwa als vermindertes sexuelles Verlangen, als Schwierigkeiten bei der körperlichen Erregung oder als Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Da körperliche Ursachen ähnliche Beschwerden verursachen können, ist eine sorgfältige Abklärung wichtig, um eine rein psychisch bedingte Störung von einer organisch verursachten sicher zu unterscheiden.
Ursachen
Nichtorganischen sexuellen Funktionsstörungen liegen meist psychische oder zwischenmenschliche Faktoren zugrunde. Anhaltender Stress, berufliche oder private Belastungen sowie Ängste, etwa die Sorge vor sexuellem Versagen, können das sexuelle Erleben erheblich beeinträchtigen. Konflikte oder eine mangelnde emotionale Nähe innerhalb der Partnerschaft wirken sich häufig unmittelbar auf das sexuelle Verlangen und die Erregungsfähigkeit aus. Frühere negative sexuelle Erfahrungen, etwa im Rahmen von Missbrauch oder schmerzhaften früheren sexuellen Erlebnissen, können langfristig zu Ängsten oder einer Vermeidungshaltung gegenüber Sexualität führen. Auch eine allgemein negative Einstellung zur eigenen Sexualität, geprägt durch Erziehung oder kulturelle Faktoren, kann eine Rolle spielen. Depressive Erkrankungen gehen häufig ebenfalls mit einem verminderten sexuellen Verlangen einher.
Symptome
Die Symptome sind vielfältig und hängen von der genauen Form der Funktionsstörung ab. Ein vermindertes sexuelles Verlangen äußert sich durch ein deutlich reduziertes oder fehlendes Interesse an sexueller Aktivität, das von der betroffenen Person selbst als belastend empfunden wird. Störungen der körperlichen Erregung können sich bei Männern als Erektionsstörung, bei Frauen als unzureichende Befeuchtung der Scheide zeigen. Eine Orgasmusstörung äußert sich durch ein deutlich verzögertes, ausbleibendes oder als unbefriedigend erlebtes Erreichen des Höhepunkts trotz ausreichender sexueller Stimulation. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr ohne erkennbare körperliche Ursache sowie ein unwillkürliches Verkrampfen der Scheidenmuskulatur, das das Eindringen erschwert oder unmöglich macht, zählen ebenfalls zu den möglichen Beschwerdebildern. Häufig bestehen begleitend Versagensängste, die die Beschwerden zusätzlich verstärken können.
Diagnostik
Die Diagnose wird durch ein ausführliches, einfühlsames Gespräch gestellt, in dem die genauen Beschwerden, ihr zeitlicher Verlauf sowie mögliche psychische und partnerschaftliche Belastungsfaktoren erfasst werden. Eine körperliche und, sofern relevant, gynäkologische oder urologische Untersuchung dient dem Ausschluss einer organischen Ursache, da bestimmte Erkrankungen und Medikamente ähnliche Beschwerden verursachen können. Bei Bedarf werden Blutuntersuchungen, etwa zur Überprüfung des Hormonstatus, durchgeführt, um eine körperliche Mitursache sicher auszuschließen. Ein Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin kann, sofern gewünscht, zusätzliche wichtige Informationen über die partnerschaftliche Dynamik liefern und ist häufig auch für die weitere Behandlung von Bedeutung.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden psychischen oder partnerschaftlichen Ursache und erfolgt meist im Rahmen einer Sexualtherapie, die sowohl einzeln als auch gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin durchgeführt werden kann. Dabei werden gezielt belastende Denkmuster, Ängste sowie kommunikative Schwierigkeiten innerhalb der Partnerschaft bearbeitet. Spezielle Übungsprogramme, die schrittweise wieder an körperliche Nähe und sexuelle Erregung heranführen, ohne dabei unter Leistungsdruck zu stehen, haben sich bei vielen Formen sexueller Funktionsstörungen bewährt. Liegt der Störung eine zugrunde liegende psychische Erkrankung wie eine Depression zugrunde, wird diese eigenständig behandelt, da sich die sexuelle Funktionsstörung dadurch häufig ebenfalls bessert. Bei anhaltenden partnerschaftlichen Konflikten kann eine Paarberatung zusätzlich hilfreich sein.
Verlauf und Prognose
Die Prognose nichtorganischer sexueller Funktionsstörungen ist bei konsequenter, gezielter Behandlung überwiegend gut, insbesondere wenn die zugrunde liegenden psychischen oder partnerschaftlichen Belastungsfaktoren erfolgreich bearbeitet werden können. Bei einem erheblichen Teil der Betroffenen bessern sich die Beschwerden im Rahmen einer Sexualtherapie deutlich, wobei der Behandlungserfolg wesentlich von der aktiven Mitarbeit sowie, bei partnerschaftlich bedingten Ursachen, von der Bereitschaft beider Partner zur gemeinsamen Bearbeitung abhängt. Ohne Behandlung können sexuelle Funktionsstörungen über lange Zeit bestehen bleiben und zu einer zunehmenden Belastung der Partnerschaft sowie des Selbstwertgefühls führen, weshalb eine frühzeitige, offene Ansprache der Beschwerden empfohlen wird.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Sexuelle Funktionsstörungen ohne organische Ursache: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Woran erkennt man, ob eine sexuelle Funktionsstörung eine organische oder eine psychische Ursache hat?
Das lässt sich allein anhand der Beschwerden nicht sicher unterscheiden, weshalb eine körperliche Untersuchung zum Ausschluss einer organischen Ursache wichtiger Bestandteil der Abklärung ist, bevor von einer nichtorganischen Ursache ausgegangen wird.
Muss eine Sexualtherapie immer gemeinsam mit dem Partner erfolgen?
Nicht zwingend, sie kann sowohl einzeln als auch gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin durchgeführt werden, je nachdem, ob die zugrunde liegenden Faktoren eher individuell oder partnerschaftlich bedingt sind.
Kann eine Depression das sexuelle Verlangen beeinträchtigen?
Ja, depressive Erkrankungen gehen häufig mit einem deutlich verminderten sexuellen Verlangen einher, weshalb die Behandlung der zugrunde liegenden Depression auch die sexuelle Funktionsstörung bessern kann.
Warum ist eine offene Ansprache der Beschwerden wichtig?
Weil unbehandelte sexuelle Funktionsstörungen über lange Zeit bestehen bleiben und zu einer zunehmenden Belastung der Partnerschaft sowie des Selbstwertgefühls führen können, während eine frühzeitige Behandlung die Prognose deutlich verbessert.
Weiterlesen
Pubertätsstörungen
Ein deutlich verfrühter, verzögerter oder unvollständiger Ablauf der körperlichen Entwicklung während der Pubertät, der auf eine zugrunde liegende hormonelle Störung hinweisen kann.
Weiterlesen →Allergie & StoffwechselPolyglanduläre Dysfunktion
Das gleichzeitige oder aufeinanderfolgende Auftreten von Funktionsstörungen mehrerer hormonproduzierender Drüsen, meist im Rahmen einer gemeinsamen autoimmunen Grunderkrankung.
Weiterlesen →Allergie & StoffwechselSonstige Krankheiten der Nebenniere
Verschiedene, weniger häufige Funktionsstörungen der Nebennieren jenseits der bekannteren Über- und Unterfunktionszustände, die das hormonelle Gleichgewicht des Körpers auf vielfältige Weise beeinflussen können.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.