Pubertätsstörungen
Die Pubertät ist ein komplexer, hormonell gesteuerter Entwicklungsprozess, in dessen Verlauf sich der kindliche Körper innerhalb weniger Jahre zum geschlechtsreifen, erwachsenen Körper entwickelt. Als Pubertätsstörungen werden Abweichungen von diesem normalen, zeitlich üblichen Ablauf zusammengefasst, die sich sowohl als deutlich verfrühter als auch als deutlich verzögerter oder unvollständiger Beginn der körperlichen Reifung äußern können, ohne dass sich diese Abweichungen eindeutig einer bekannteren, spezifisch benannten Störung wie der vorzeitigen Pubertät zuordnen lassen. Da die Pubertät durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel verschiedener hormonproduzierender Organe gesteuert wird, können Störungen an unterschiedlichen Stellen dieses Systems zu einem abweichenden Verlauf der körperlichen Entwicklung führen.
Ursachen
Pubertätsstörungen können durch eine Störung der übergeordneten hormonellen Steuerung aus Gehirnanhangdrüse und Hypothalamus entstehen, die den zeitlichen Beginn und Ablauf der Pubertät maßgeblich vorgeben. Eine verzögerte oder ausbleibende Pubertät kann zudem durch eine unzureichende Funktion der Eierstöcke oder Hoden selbst bedingt sein, etwa im Rahmen bestimmter genetischer Veränderungen. Chronische Erkrankungen, eine ausgeprägte Mangelernährung sowie ein sehr niedriges Körpergewicht, etwa im Rahmen einer Essstörung, können den Beginn der Pubertät ebenfalls deutlich verzögern, da der Körper unter diesen Umständen die für die Reifung notwendige hormonelle Umstellung zurückstellt. Eine verfrühte Pubertät kann durch eine vorzeitige Aktivierung der hormonellen Steuerung oder, seltener, durch eine hormonproduzierende Veränderung in Eierstöcken, Hoden oder Nebennieren ausgelöst werden.
Symptome
Bei einer verzögerten Pubertätsstörung bleiben die für das jeweilige Alter üblichen körperlichen Veränderungen aus, etwa das Einsetzen der Regelblutung bei Mädchen oder das Wachstum von Hoden und Penis bei Jungen, was von den betroffenen Jugendlichen und ihren Familien häufig als belastend empfunden wird. Bei einer verfrühten Pubertätsstörung setzen entsprechende körperliche Veränderungen bereits deutlich vor dem üblichen Alter ein, was zu einer vorzeitigen Brustentwicklung, einem vorzeitigen Bartwuchs oder einer frühen Regelblutung führen kann. Eine unvollständige Pubertätsentwicklung äußert sich durch ein Fortschreiten der körperlichen Reifung, das nach anfänglichem Beginn stagniert oder nicht alle üblichen Entwicklungsschritte durchläuft. Begleitend können psychische Belastungen durch das von Gleichaltrigen abweichende Erscheinungsbild bestehen.
Diagnostik
Die Diagnose einer Pubertätsstörung wird durch eine sorgfältige körperliche Untersuchung mit Beurteilung der bereits eingetretenen körperlichen Reifezeichen sowie durch eine Blutuntersuchung der relevanten Geschlechtshormone sowie der übergeordneten, steuernden Hormone der Gehirnanhangdrüse gestellt. Eine Röntgenuntersuchung der Hand ermöglicht die Bestimmung des sogenannten Knochenalters, das Aufschluss über den tatsächlichen Reifegrad des Körpers unabhängig vom kalendarischen Alter gibt. Bei Verdacht auf eine Störung der übergeordneten hormonellen Steuerung kann eine Magnetresonanztomographie des Gehirns notwendig werden, um strukturelle Veränderungen im Bereich von Hypothalamus und Gehirnanhangdrüse auszuschließen. Bei Mädchen kann zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke und der Gebärmutter durchgeführt werden.
Behandlung
Die Behandlung einer Pubertätsstörung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei einer verzögerten Pubertät ohne erkennbare zugrunde liegende hormonelle Störung kann zunächst abgewartet werden, da sich die Entwicklung bei einem Teil der Betroffenen mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung von selbst normalisiert; bei anhaltend ausbleibender Entwicklung kann eine gezielte, niedrig dosierte Hormonbehandlung die Pubertät einleiten. Bei einer verfrühten Pubertätsstörung kommen Medikamente zum Einsatz, die die vorzeitig aktivierte hormonelle Steuerung bremsen und dadurch die weitere körperliche Reifung wieder auf den altersgerechten Zeitpunkt verlangsamen. Liegt einer Pubertätsstörung eine chronische Erkrankung oder eine ausgeprägte Mangelernährung zugrunde, steht die Behandlung dieser Grunderkrankung im Vordergrund, da sich die Pubertätsentwicklung nach deren Besserung häufig normalisiert.
Verlauf und Prognose
Bei rechtzeitiger Diagnose und gezielter Behandlung lässt sich der Verlauf der meisten Pubertätsstörungen günstig beeinflussen, wobei sich die körperliche Entwicklung bei vielen Betroffenen weitgehend normal fortsetzen kann. Eine unbehandelte, stark verfrühte Pubertät kann durch eine zu frühe Ausreifung der Wachstumsfugen zu einer verminderten Erwachsenenkörpergröße führen, weshalb eine rechtzeitige Behandlung wichtig ist. Eine unbehandelte, ausbleibende Pubertät kann sich negativ auf die Knochendichte sowie das psychosoziale Wohlbefinden der betroffenen Jugendlichen auswirken. Liegt der Störung eine chronische Grunderkrankung zugrunde, hängt die langfristige Prognose maßgeblich vom Verlauf und der Behandlung dieser Grunderkrankung ab. Eine begleitende psychologische Unterstützung kann bei ausgeprägter psychischer Belastung durch die abweichende körperliche Entwicklung hilfreich sein.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Pubertätsstörungen: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Ab wann gilt eine Pubertät als verzögert?
Bleiben die für das jeweilige Alter üblichen körperlichen Veränderungen deutlich über das übliche Zeitfenster hinaus aus, wird von einer verzögerten Pubertät gesprochen, wobei die genaue Einordnung individuell durch eine kinderendokrinologische Untersuchung erfolgt.
Warum wird bei Pubertätsstörungen eine Röntgenaufnahme der Hand gemacht?
Um das sogenannte Knochenalter zu bestimmen, das Aufschluss über den tatsächlichen körperlichen Reifegrad unabhängig vom kalendarischen Alter gibt und wichtige Hinweise für die weitere Einordnung der Störung liefert.
Kann eine verfrühte Pubertät das spätere Erwachsenenwachstum beeinflussen?
Ja, eine unbehandelte, stark verfrühte Pubertät kann durch eine zu frühe Ausreifung der Wachstumsfugen zu einer verminderten Erwachsenenkörpergröße führen, weshalb eine rechtzeitige Behandlung empfohlen wird.
Normalisiert sich eine verzögerte Pubertät manchmal von selbst?
Ja, bei einem Teil der Betroffenen ohne erkennbare zugrunde liegende hormonelle Störung setzt die Pubertät mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung von selbst ein, weshalb zunächst abgewartet werden kann, bevor eine Behandlung erwogen wird.
Weiterlesen
Verletzung des Auges und der Orbita
Verletzungen des Augapfels, seiner umgebenden Strukturen oder der knöchernen Augenhöhle, die von harmlosen Prellungen bis zu schwerwiegenden, das Sehvermögen bedrohenden Verletzungen reichen können.
Weiterlesen →VergiftungenZerquetschung des Kopfes
Eine schwere, durch massive, flächige Krafteinwirkung verursachte Verletzung, die neben äußerlich sichtbaren Schäden häufig gleichzeitig knöcherne, gehirnbezogene und weichteilbezogene Strukturen betrifft.
Weiterlesen →VergiftungenFolgen von Verbrennungen, Verätzungen oder Erfrierungen
Bleibende körperliche und funktionelle Veränderungen, die nach der eigentlichen Ausheilung schwerer thermischer, chemischer oder kälteinduzierter Verletzungen zurückbleiben können.
Weiterlesen →Erste Hilfe lernen statt nur nachlesen
Im Kurs übst du die Handgriffe unter Anleitung — Theorie und Praxis zusammen.