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Allergie & Stoffwechsel

Polyglanduläre Dysfunktion

Als polyglanduläre Dysfunktion wird das gleichzeitige oder im Verlauf der Zeit nacheinander auftretende Betroffensein mehrerer hormonproduzierender Drüsen des Körpers bezeichnet, wobei am häufigsten die Schilddrüse, die Nebennieren, die Bauchspeicheldrüse sowie bei Frauen die Eierstöcke betroffen sein können. Den meisten Formen der polyglandulären Dysfunktion liegt eine autoimmune Grunderkrankung zugrunde, bei der sich das körpereigene Immunsystem gegen mehrere hormonproduzierende Drüsen gleichzeitig richtet und dort eine fortschreitende Funktionsstörung verursacht. Da die betroffenen Drüsen für ganz unterschiedliche Körperfunktionen, von der Blutzuckerregulation über den Stoffwechsel bis zur Stressreaktion, verantwortlich sind, kann eine polyglanduläre Dysfunktion ein sehr vielfältiges und mitunter schwer zu deutendes Beschwerdebild verursachen.

Ursachen

Der überwiegenden Mehrheit der Fälle einer polyglandulären Dysfunktion liegt eine autoimmune Grunderkrankung zugrunde, bei der das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise Antikörper gegen das Gewebe mehrerer hormonproduzierender Drüsen bildet und dieses dabei fortschreitend schädigt. Eine genetische Veranlagung spielt eine wichtige Rolle, da bestimmte Formen der polyglandulären Dysfunktion gehäuft innerhalb von Familien auftreten und mit bestimmten, bekannten genetischen Veränderungen in Verbindung stehen. Häufig betroffene Drüsen sind die Schilddrüse mit einer autoimmunen Unter- oder Überfunktion, die Nebennieren mit einer autoimmunen Nebenniereninsuffizienz sowie die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, deren autoimmune Zerstörung zu einem Typ-1-Diabetes führen kann. Auch weitere autoimmune Begleiterkrankungen außerhalb des hormonellen Systems, etwa bestimmte Hauterkrankungen, können im Rahmen dieser Grunderkrankung zusätzlich auftreten.

Symptome

Die Symptome einer polyglandulären Dysfunktion sind sehr vielfältig und hängen davon ab, welche Drüsen zu welchem Zeitpunkt betroffen sind, wobei die einzelnen Funktionsstörungen häufig nicht gleichzeitig, sondern über Jahre bis Jahrzehnte verteilt nacheinander auftreten. Eine autoimmune Schilddrüsenunterfunktion äußert sich durch Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit und Gewichtszunahme, während eine Nebenniereninsuffizienz zu ausgeprägter Erschöpfung, Gewichtsverlust und einer erhöhten Anfälligkeit für Kreislaufkrisen bei körperlicher Belastung führen kann. Ein sich entwickelnder Typ-1-Diabetes zeigt sich durch vermehrten Durst, häufiges Wasserlassen und Gewichtsverlust. Da die einzelnen Funktionsstörungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten auftreten können, wird der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Beschwerden mitunter erst rückblickend erkannt.

Diagnostik

Die Diagnose einer polyglandulären Dysfunktion wird durch eine umfassende Blutuntersuchung der Hormonwerte der potenziell betroffenen Drüsen gestellt, ergänzt durch die Bestimmung spezifischer Autoantikörper, die auf eine autoimmune Beteiligung des jeweiligen Organs hinweisen. Ist bei einer Person bereits eine autoimmune Funktionsstörung einer Drüse bekannt, wird empfohlen, regelmäßig auch die Funktion der übrigen häufig gemeinsam betroffenen Drüsen zu überprüfen, da sich weitere Funktionsstörungen mitunter erst Jahre später entwickeln. Auch bei nahen Verwandten von Betroffenen einer polyglandulären Dysfunktion kann in bestimmten Fällen eine gezielte Untersuchung auf entsprechende Antikörper sinnvoll sein, da eine familiäre Häufung möglich ist.

Behandlung

Die Behandlung einer polyglandulären Dysfunktion besteht in einem gezielten Ausgleich jeder einzelnen betroffenen Drüsenfunktion, etwa durch eine Schilddrüsenhormonersatztherapie bei Schilddrüsenunterfunktion, eine Kortisonersatztherapie bei Nebenniereninsuffizienz sowie eine Insulinbehandlung bei einem sich entwickelnden Typ-1-Diabetes. Da mehrere hormonelle Systeme gleichzeitig betroffen sein können, ist eine sorgfältige, aufeinander abgestimmte Behandlung wichtig, da sich die verschiedenen hormonellen Ersatztherapien gegenseitig beeinflussen können. Betroffene werden über die typischen Warnzeichen einer möglichen weiteren, sich neu entwickelnden Funktionsstörung aufgeklärt, damit diese frühzeitig erkannt und behandelt werden kann. Eine lebenslange, regelmäßige endokrinologische Betreuung ist bei einer polyglandulären Dysfunktion von zentraler Bedeutung.

Verlauf und Prognose

Bei rechtzeitiger Diagnose und konsequentem Ausgleich der jeweils betroffenen Hormonsysteme können Menschen mit einer polyglandulären Dysfunktion in der Regel ein weitgehend normales Leben mit guter Lebensqualität führen. Da die Erkrankung fortschreitend verlaufen kann und sich weitere Drüsen im Laufe des Lebens neu betroffen zeigen können, ist eine lebenslange, regelmäßige Verlaufskontrolle notwendig, um neue Funktionsstörungen frühzeitig zu erkennen. Eine unbehandelte Nebenniereninsuffizienz im Rahmen dieser Erkrankung kann insbesondere bei zusätzlicher körperlicher Belastung wie einer Infektion zu einer lebensbedrohlichen Kreislaufkrise führen, weshalb Betroffene und ihr Umfeld über dieses Risiko sowie das entsprechende Notfallverhalten informiert sein sollten. Insgesamt ist die langfristige Prognose bei guter medizinischer Betreuung überwiegend günstig.

Quellen & weiterführende Stellen

Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

FAQ

Häufige Fragen

Warum treten die verschiedenen Drüsenfunktionsstörungen oft nicht gleichzeitig auf?

Weil die autoimmune Schädigung der einzelnen Drüsen ein langsamer, über Jahre bis Jahrzehnte verlaufender Prozess ist, der die verschiedenen Drüsen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in unterschiedlichem Ausmaß betreffen kann.

Warum sollten bereits Betroffene regelmäßig auf weitere Drüsenerkrankungen untersucht werden?

Weil sich bei einer bereits bekannten autoimmunen Funktionsstörung einer Drüse im Verlauf der Zeit häufig weitere Drüsen zusätzlich betroffen zeigen können, deren frühzeitige Erkennung eine rechtzeitige Behandlung ermöglicht.

Kann eine polyglanduläre Dysfunktion gefährlich werden?

Ja, insbesondere eine unbehandelte Nebenniereninsuffizienz im Rahmen dieser Erkrankung kann bei zusätzlicher körperlicher Belastung, etwa einer Infektion, zu einer lebensbedrohlichen Kreislaufkrise führen.

Ist eine polyglanduläre Dysfunktion heilbar?

Die zugrunde liegende autoimmune Schädigung selbst ist nicht heilbar, die einzelnen daraus entstehenden Hormonmängel lassen sich jedoch durch eine gezielte, lebenslange Ersatztherapie gut ausgleichen.

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