Rheumatische Trikuspidalklappenkrankheiten
Rheumatische Trikuspidalklappenkrankheiten bezeichnen eine Schädigung der Trikuspidalklappe, die zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer liegt und normalerweise verhindert, dass Blut während der Kammerkontraktion zurück in den Vorhof fließt, infolge eines durchgemachten rheumatischen Fiebers. Diese entzündliche Erkrankung, die als Folgereaktion des Immunsystems auf eine vorangegangene Infektion mit bestimmten Streptokokken-Bakterien auftritt, kann die Herzklappen im Laufe der Zeit vernarben und verdicken lassen, wodurch sich entweder eine Verengung (Stenose) oder eine Undichtigkeit (Insuffizienz) der betroffenen Klappe entwickeln kann. Die Trikuspidalklappe ist dabei deutlich seltener betroffen als die Mitral- oder Aortenklappe, oft in Kombination mit einer rheumatischen Schädigung dieser anderen Klappen. Dank verbesserter Behandlung bakterieller Infektionen ist rheumatisches Fieber in Ländern mit gutem Gesundheitssystem heute selten geworden, weshalb auch rheumatische Trikuspidalklappenkrankheiten dort seltener auftreten als in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung.
Ursachen
Grundlage der Erkrankung ist ein durchgemachtes rheumatisches Fieber, das als überschießende Immunreaktion auf eine vorangegangene Infektion mit bestimmten Streptokokken-Bakterien, meist im Rahmen einer unzureichend behandelten Mandel- oder Rachenentzündung, entsteht. Bei dieser Immunreaktion greifen körpereigene Abwehrzellen fälschlicherweise auch körpereigenes Gewebe an, darunter die Herzklappen, was zu einer chronisch-entzündlichen Schädigung mit nachfolgender Vernarbung und Verdickung des Klappengewebes führen kann. Diese Veränderungen entwickeln sich meist erst Jahre bis Jahrzehnte nach dem eigentlichen rheumatischen Fieber, sodass Betroffene sich an die ursprüngliche Erkrankung oft nicht mehr erinnern. Wiederholte Episoden von rheumatischem Fieber erhöhen das Risiko einer ausgeprägteren Klappenschädigung erheblich, weshalb eine konsequente antibiotische Vorbeugung nach einer ersten Episode besonders wichtig ist, um erneute Schübe zu verhindern.
Symptome
Die Beschwerden hängen davon ab, ob überwiegend eine Verengung oder eine Undichtigkeit der Trikuspidalklappe vorliegt, sowie vom Ausmaß einer möglichen Beteiligung anderer Herzklappen. Bei einer ausgeprägten Trikuspidalklappenerkrankung kommt es zu einem Rückstau des Blutes vor dem rechten Herzen, was sich in einer Stauung der Halsvenen, einer Vergrößerung der Leber sowie in Wassereinlagerungen, besonders an den Beinen und im Bauchraum, äußern kann. Viele Betroffene berichten über eine zunehmende Belastungsluftnot, ein allgemeines Erschöpfungsgefühl sowie ein Völlegefühl im Oberbauch durch die gestaute Leber. Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern, können begleitend auftreten, da der Vorhof durch den chronischen Rückstau überdehnt wird. Da die Trikuspidalklappenerkrankung häufig gemeinsam mit einer rheumatischen Schädigung der Mitral- oder Aortenklappe auftritt, überlagern sich die Beschwerden dieser Klappen häufig mit dem klinischen Bild.
Diagnostik
Die Diagnose wird in erster Linie durch eine Echokardiographie gestellt, bei der sich die Struktur der Trikuspidalklappe, das Ausmaß einer Verengung oder Undichtigkeit sowie die Auswirkungen auf die Herzhöhlen und den Blutfluss genau beurteilen lassen. Ergänzend liefert die Auskultation des Herzens mit dem Stethoskop charakteristische Herzgeräusche, die erste Hinweise auf die Art der Klappenerkrankung geben können. Ein EKG kann Hinweise auf eine Überlastung des rechten Vorhofs oder eine begleitende Herzrhythmusstörung liefern. Da rheumatische Klappenerkrankungen häufig mehrere Herzklappen gleichzeitig betreffen, wird bei der echokardiographischen Untersuchung stets auch die Mitral- und Aortenklappe sorgfältig mitbeurteilt. Blutuntersuchungen können zusätzlich Hinweise auf eine noch aktive oder kürzlich durchgemachte Streptokokkeninfektion liefern, sind für die Diagnose der chronischen Klappenschädigung selbst jedoch von untergeordneter Bedeutung.
Behandlung
Bei leichteren Formen ohne wesentliche Beschwerden ist häufig zunächst keine spezifische Behandlung der Klappenerkrankung notwendig, wobei regelmäßige echokardiographische Kontrollen empfohlen werden, um eine mögliche Verschlechterung frühzeitig zu erkennen. Bei Zeichen einer Rechtsherzbelastung mit Wassereinlagerungen kommen entwässernde Medikamente zum Einsatz, die den Rückstau des Blutes lindern können. Bei ausgeprägter, symptomatischer Verengung oder Undichtigkeit der Trikuspidalklappe kann eine operative oder kathetergestützte Klappenreparatur beziehungsweise ein Klappenersatz notwendig werden, häufig im Rahmen eines kombinierten Eingriffs, wenn auch andere Herzklappen betroffen sind. Unabhängig vom Ausmaß der Klappenschädigung wird eine dauerhafte antibiotische Vorbeugung empfohlen, um ein erneutes rheumatisches Fieber und damit ein weiteres Fortschreiten der Klappenschädigung zu verhindern.
Verlauf und Prognose
Ohne Behandlung kann eine rheumatische Trikuspidalklappenerkrankung im Laufe der Zeit fortschreiten und zu einer zunehmenden Belastung des rechten Herzens sowie zu einer Beeinträchtigung der Leber- und Nierenfunktion durch den chronischen venösen Rückstau führen. Mit rechtzeitiger Erkennung, konsequenter antibiotischer Vorbeugung weiterer rheumatischer Schübe sowie gegebenenfalls einer operativen Klappenkorrektur lässt sich der Verlauf bei vielen Betroffenen jedoch günstig beeinflussen. Da die Trikuspidalklappenerkrankung häufig gemeinsam mit einer Erkrankung anderer Herzklappen auftritt, richtet sich die Gesamtprognose wesentlich auch nach dem Ausmaß dieser Begleiterkrankungen. Eine regelmäßige kardiologische Nachsorge ist wichtig, um das Fortschreiten der Erkrankung zu überwachen und den optimalen Zeitpunkt für eine mögliche operative Behandlung nicht zu verpassen.
Quellen & weiterführende Stellen
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) — Rheumatische Trikuspidalklappenkrankheiten: Ursachen, Behandlung
Eigenständig verfasst und zusammengefasst, kein diagnostischer Ersatz für ärztlichen Rat. Rechts- und Fachstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was ist die Ursache einer rheumatischen Trikuspidalklappenkrankheit?
Ein durchgemachtes rheumatisches Fieber, eine überschießende Immunreaktion auf eine vorangegangene Streptokokkeninfektion, die im Laufe der Zeit zu einer Vernarbung und Schädigung der Herzklappen führen kann.
Warum tritt die Erkrankung oft erst Jahre nach dem eigentlichen rheumatischen Fieber auf?
Weil sich die Vernarbung und Verdickung des Klappengewebes schleichend über Jahre bis Jahrzehnte entwickelt, sodass sich Betroffene an die ursprüngliche Erkrankung oft nicht mehr erinnern können.
Ist die Trikuspidalklappe die häufigste vom rheumatischen Fieber betroffene Herzklappe?
Nein, die Mitral- und Aortenklappe sind deutlich häufiger betroffen. Eine Trikuspidalklappenerkrankung tritt meist zusammen mit einer Schädigung dieser anderen Klappen auf.
Warum ist eine dauerhafte antibiotische Vorbeugung wichtig?
Weil wiederholte Episoden von rheumatischem Fieber das Risiko einer weiteren Klappenschädigung erheblich erhöhen. Eine konsequente antibiotische Vorbeugung schützt vor erneuten Schüben und damit vor einem weiteren Fortschreiten der Erkrankung.
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